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Donnerstag, 20. April 2017, Ausgabe Nr. 16

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Zuwanderung

Einwanderer aus Asien machen den US-Bürgern Konkurrenz

Von Harald Weiss | 19. Juni 2015 | Ausgabe 25

Lange Zeit wanderten überwiegend arme Menschen in die USA ein – sehr zum Verdruss wohlhabender weißer US-Bürger. Das hat sich inzwischen geändert: Das Qualifikationsniveau der Immigranten ist gestiegen, vor allem Asiaten erobern sich einen Platz an den Elite-Hochschulen der USA. Ökonomen halten die Angst vieler US-Bürger vor Zuwanderung für unbegründet. Einwanderer würden das Wachstum befeuern

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Foto: imago/imagebroker

Die Debatte über Zuwanderung ist eines der beherrschenden Themen der Innenpolitik in den USA.

Ungeachtet aller Wahlkampfdebatten über legale und illegale Einwanderung strömen weiterhin Zuwanderer in großer Zahl in die USA. Von den knapp 320 Mio. Einwohnern sind nach Regierungsangaben rund 41 Mio. Immigranten, davon sind etwa 11 Mio. illegal im Land. Jährlich kommen rund 1 Mio. legale Einwanderer hinzu. Außerdem werden jährlich rund 140 000 zeitlich befristete Arbeitsvisa (H-1B) ausgestellt. Trotzdem wird vor jeder Wahl leidenschaftlich über die Einwanderungspolitik diskutiert.

Im Zentrum dieser Debatte stehen vor allem die illegalen Einwanderer aus Mexiko und der Karibik. Präsident Obama hat eine Amnestie für 5000 illegale Immigranten erlassen, die aber nicht die Zustimmung im Kongress bekam und nur per „Executive Order“ Gesetz werden konnte. Rechtskräftig ist das Gesetz noch nicht, weil dagegen eine Klage läuft.

Weit verbreitet ist die Auffassung, dass es für illegale Zuwanderer keine Amnestie geben sollte. Sinnvoller seien eine Überprüfung der Vergangenheit, ein Bußgeld, der Nachweis, dass man für sich und die Familie sorgen kann, die Bereitschaft zum Militärdienst, ausreichende Englischkenntnisse sowie minimale Kenntnisse in der amerikanischen Geschichte und im Rechtssystem.

Asiaten sind in den USA die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe

Kritiker wehren sich gegen den Vorwurf kultureller oder religiöser Ressentiments. „Es geht uns bei der Ablehnung der heutigen Einwanderungspolitik nicht um ethnische Belange, es geht auch nicht darum, dass wir ein Land mit einer homogenen weißen Bevölkerung schaffen wollen – nein, es geht uns vielmehr darum, dass wir unser Amerika schützen wollen und dass wir das besondere Experiment unserer Wirtschaftsordnung und unserer Demokratie verteidigen müssen“, sagt Roy Beck, Chef der Bürgerbewegung „The Case against Immigration“.

Im Kern geht es doch um ethnische Probleme, aber auch um Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes oder oder um die Befürchtung, dass die Neuen nur die Sozialkassen belasten werden. Denn die Akzeptanz von Zuwanderung und die Unterstützung der Einwanderer ist für viele Bürger der mittleren und oberen Einkommensschichten gleichbedeutend mit Umverteilung, gegen die sie sich wehren.

So kommt der Harvard-Professor Edward Glaeser in einer empirischen Untersuchung zu dem Ergebnis, dass Amerikaner deutlich weniger teilen wollen als Europäer. Seiner Ansicht nach liegt das vor allem an der hohen ethnischen Divergenz in den USA. „Ethnische Animositäten sind in den USA die Ursache dafür, dass die wohlhabenden (meist weißen) Bürger ihr Einkommen nicht mit den armen (meist schwarzen) Bürgern teilen wollen“, schreibt er in einem Untersuchungsbericht. Das sei auch der Grund, weshalb viele US-Bürger Zuwanderung ablehnen.

Seine Studie stammt aus dem Jahr 2001, doch inzwischen haben sich die Vorzeichen geändert. Viele Zuwanderer, die in den vergangenen Jahren aus politischen Gründen aus Afrika in die USA geflohen sind, haben eine exzellente Ausbildung. Sie waren in ihren Heimatländern Ärzte, Rechtsanwälte oder Hochschullehrer. Noch schützen sich die USA vor dieser Arbeitsmarktkonkurrenz, indem sie diese Flüchtlinge nicht anerkennen – zumal vielfach keine Original-Dokumente vorgelegt werden können.

 An den Hochschulen treffen etablierte US-Bürger bereits jetzt auf neue ausländische Konkurrenten. Anders als in Europa, sind in den USA das Niveau der Hochschulen und die Karrierechancen von Absolventen extrem unterschiedlich. Wer seinen Abschluss bei einer der zehn besten Universitäten macht, hat praktisch eine lebenslange Garantie für einen Top-Job in der Tasche. Entsprechend hoch ist der Andrang. Am schlechtesten sind die Chancen in Stanford, wo im vorigen Jahr nur 5 % aller Bewerber angenommen wurden. Die höchste Rate gab es bei der Duke University, die mit 10,7 % die einzige der Top-Ten-Hochschulen war, die mehr als 10 % der Bewerber akzeptierte.

An diese geringen Aufnahmequoten haben sich die wohlhabenden Amerikaner schon lange gewöhnt. Doch was ihnen jetzt Verdruss bereitet, ist die zunehmende Konkurrenz durch ausländische Bewerber – vor allem aus Korea und China, wo es an vielen Gymnasien ganz spezielle Förderkurse für die Aufnahmeprüfungen an den amerikanischen Edel-Universitäten gibt. So rühmt sich die Daewon High School in Seoul damit, dass jedes Jahr 15 % bis 20 % ihrer Absolventen einen Studienplatz an einem Spitzen-College in den USA erhalten.

Asiaten sind in den USA die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe. Regierungsangaben zufolge stieg deren Anteil zwischen 1990 und 2011 von 3 % auf 5,1 %. Sie sind sehr lernwillig und deshalb ist ihr Anteil bei höheren Schulabschlüssen und bei den Studenten deutlich größer als ihr Anteil an der Bevölkerung. Am New Yorker Hunter College kommen bereits mehr als die Hälfte der Studenten aus Asien, am California Institute of Technology sind es mehr als 42 % und in Berkeley immerhin noch 30 %.

Aus wirtschaftlichen Gründen ist die Angst vor Zuwanderung unbegründet. Die meisten Untersuchungen in den USA über den wirtschaftlichen Einfluss und die Bedeutung von Ausländern zeigen ganz deutlich, dass diese einen positiven Effekt haben. So kommt eine Untersuchung des Center for Immigration zu dem Ergebnis, dass aufgrund der legalen und illegalen Zuwanderer das amerikanische BIP jährlich um 11 % wächst. Auch das liberale National Bureau of Economic Research und das konservative American Enterprise Institute kommen zu ähnlichen Resultaten.

Danach verbessern alle ausländischen Arbeitnehmer die Beschäftigungssituation deutlich – und zwar unabhängig von der Qualifikationen der Immigranten. „Eine gut funktionierende Volkswirtschaft benötigt Arbeitskräfte in allen Bereichen und auf allen Positionen“, sagt deren Analyst Ramesh Ponnuru. Hier sind es vor allem die gut ausgebildeten Arbeitnehmer in den Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie in der Informatik, die einen besonders wichtigen Beitrag zur US-Wirtschaft leisten. „Zuwanderer mit einem Hochschulabschluss in Technologie, Ingenieurwesen oder Mathematik bewirken stets einen Schub an neuen Arbeitsplätzen für alle US-Bürger“, sagt Professor Giovanni Peri von der University of California Davis. HARALD WEISS

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