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Donnerstag, 21. März 2019

Familie

„Eltern sind für Firmen ein Gewinn“

Von Sabine Hense-Ferch | 24. Juni 2016 | Ausgabe 25

Von familienfreundlichen Maßnahmen wie flexiblen Arbeitszeiten und Homeoffice profitieren nicht nur Arbeitnehmer. Arbeitgeber können ihr Image verbessern und gute Leute langfristig an sich binden. Deshalb unterstützen immer mehr Firmen Mitarbeiter mit Kindern. Vier Beispiele.

Eltern BU
Foto: Vaude/Alwin Buchmaier

Betriebskindergärten zahlen sich nicht nur für Angestellte aus. Arbeitgeber profitieren von steigenden Imagewerten.

Die Karriere von Alexandra Hiendlmeier kam erst richtig in Gang, nachdem sie Mutter wurde. Als sie vor neun Jahren zu NTT Data, einem Business- und IT-Consulting Unternehmen in München kam, übernahm sie den Aufbau eines wesentlichen Teils des Controllings, dann kam das erste Kind.

Heute ist sie Vice President und baut einen neuen Bereich im Marketing, der sich mit dem Thema Kundenzufriedenheit beschäftigt, mit auf. Ihre Töchter sind sechs und zweieinhalb Jahre alt, sie besetzt eine 60 -%-Stelle und ist hoch zufrieden. „Dass ich so stark gefördert wurde und mir so viel Anerkennung von Seiten des Unternehmens entgegengebracht wird, ist für mich ideal. Hier wird meine Leistung wertgeschätzt.“

Dass die junge Mutter den täglichen Spagat zwischen Familie und Beruf hinbekommt, liegt an einem gut funktionierenden System aus Kindergarten, autonomer Arbeitszeitgestaltung und einer Mischung aus konzentrierten Arbeitsphasen im Homeoffice und Präsenzterminen im Unternehmen. „Vertrauen und Autonomie sind das A und O und mehr wert als viele andere Maßnahmen.“

So sieht das auch ihr Kollege Uwe Kloos, Vice President HR und verantwortlich für alle Personalthemen: „Das Vertrauen in die Mitarbeiter rechnet sich, es ist eine Win-win-Situation, für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber.“ Die neue Mitarbeitergeneration, die sich jetzt in der Familienphase befinde, fordere ein Arbeitsumfeld, das sich mit der Familie vereinbaren lasse, sagt Kloos: „Das steht häufig ganz oben auf der Wunschliste. Manchmal ist das wichtiger als ein hohes Gehalt. Eine ausgewogene Work-Life-Balance ist heutzutage ein Muss.“

Bestätigen kann das Wolfgang Runge, Geschäftsführer und HR Director des Personaldienstleisters Manpower Group Deutschland: „Wir billigen unseren Mitarbeitern mit flexiblen Arbeitszeitmodellen einen größtmöglichen Spielraum zu. Es kommt darauf an, dass am Ende Leistung und Ergebnis stimmen und der Kunde mit seinen Bedürfnissen abgefangen wird. Wie das gelingt, organisiert das jeweilige Team selbst.“

Work-Life-Balance senkt die Fluktuationsrate

Die Praxis zeige, dass das Team die Probleme, ob Zeit für die Kinder, für die pflegebedürftigen Eltern oder für die Erfüllung anderer privater Bedürfnisse, gestemmt bekomme. Geschäftsführer Runge ist zufrieden. „Wir kommen den Menschen entgegen und gewinnen das Vertrauen junger Eltern ebenso wie älterer Fachkräfte.“ Die Manpower Group kommuniziert das nach außen und erhält positive Rückmeldungen, sei es von ehemaligen Mitarbeitern, die zurück ins Unternehmen kommen wollen, oder von Industriekunden, die in eine ähnliche Richtung gehen möchten und entsprechenden Beratungsbedarf haben.

Work-Life-Balance hat einen direkten Einfluss auf Mitarbeitermotivation und Engagement. Angebote, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen, stärken die Mitarbeiterzufriedenheit. Sie wird bei Gisa, einem IT-Unternehmen aus Halle an der Saale, alle zwei Jahre gemessen und unterliegt externem Vergleich.

81 % der Gisa-Mitarbeiter empfehlen ihren Arbeitgeber weiter. Dieses Feedback helfe bei der Rekrutierung begehrter IT-Fachkräfte, so Anja Kutzler, Bereichsleiterin Personalmanagement.

Um Experten zu gewinnen und zu binden, tut das Unternehmen aus Halle eine ganze Menge: Vom Kindergarten über flexible Arbeitsangebote, Willkommensgeld für neugeborene Mitarbeiterkinder bis hin zu einem freien Kinderbonustag pro Quartal reicht das Angebot. „Im Durchschnitt sind unsere Mitarbeiter Anfang 40, geschätzte 50 % haben Kinder unter zwölf Jahren“, erzählt Kutzler. Dass Gisa mit den familienfreundlichen Angeboten auf Recruiting-Messen wirbt, zahlt sich aus. Bewerber sprechen Kutzler immer wieder darauf an.

Ein weiteres positives Feedback sei die verschwindend geringe Fluktuationsrate. Kutzler: „Natürlich werden auch unsere Mitarbeiter von Headhuntern angerufen. Aber hier herrschen so gute Rahmenbedingungen, dass viele es sich dreimal überlegen, ob sie weggehen.“ Den Lohn gibt es in Form von Auszeichnungen. Das Unternehmen wurde bereits dreimal in Folge mit dem Audit „BerufundFamilie“ ausgezeichnet.

Auch die Diva-e Netpioneer GmbH aus Karlsruhe darf sich mit einem Prädikat schmücken. Das „Familienbewusste Unternehmen“ bietet neben flexiblen Arbeitszeiten und Arbeitsorten ein Familienarbeitszimmer an, in das Mitarbeiter ihren Nachwuchs mitbringen können. Neben diversen Spielsachen gibt es eine Dockingstation für den Laptop.

„Das Zimmer wird regelmäßig genutzt“, sagt Julia Fortenbacher, Teamleiterin HR, „aber auch andere Maßnahmen kommen sehr gut an. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten.“ So werden Besprechungen weder früh noch spät am Tag geplant, sondern mitten in den Arbeitstag gelegt. Fortenbacher: „Es ist ein Strauß an verschiedenen Angeboten, die das Gesamtbild eines familienfreundlichen Unternehmens prägen. Und dieser Bewusstseinswandel wird immer stärker: Eltern sind ein Gewinn.“

Gerade in der IT-Branche nähmen viele Väter Elternzeit. „Wir können auf diese Mitarbeiter nicht verzichten. Deshalb bieten wir ihnen den passenden Rahmen“, so Fortenbacher.