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Dienstag, 23. Januar 2018

Berufsleben

Es fehlen weibliche Erfolgsgeschichten

Von Mareike Knoke | 23. März 2012 | Ausgabe 12

Ingenieurinnen sollten offensiver auftreten und ihre zweifelnde Karrierehaltung aufgeben, rät Susanne Ihsen. Die Sozialwissenschaftlerin ist Professorin für Gender Studies in den Ingenieurwissenschaften an der Technischen Universität in München.

VDI nachrichten: Wie beurteilen Sie die Karrierechancen für Ingenieurinnen?

Ihsen: Aus meiner Sicht waren die Möglichkeiten für Hochschulabsolventinnen, einen interessanten Job zu bekommen, nie besser als heute. Das höre ich auch von meinen Studentinnen. Die jungen Frauen in meinem Tutorium "Engineera" haben nicht das geringste Problem, Unternehmen für ihre Exkursionen zu finden. Im Gegenteil: Die öffnen ihnen alle Türen.

Liegt das Interesse an weiblichen Bewerbern vor allem am Fachkräftemangel?

Natürlich ist vielen Unternehmen klar, dass sie Probleme bekommen, wenn sie nicht auch offensiv um junge Frauen werben. Die sich in den Medien widerspiegelnde Diskussion um eine Frauenquote in den Vorständen deutscher Unternehmen hat aber ebenfalls etwas bewegt – egal, wie nun das einzelne Unternehmen dazu steht. Es hat vielfach dazu geführt, das Thema Frauenförderung weiter oben auf die Agenda zu setzen.

Bislang gibt es keine belastbare Statistik, die die Karriere von Ingenieurinnen erfasst. Wie sieht es aus, wenn Frauen sich nach dem Berufseinstieg weiterentwickeln wollen?

Eine positive Entwicklung ist, dass viele Firmen interne Führungskräfteprogramme für Frauen anbieten und diese ausdrücklich zur Teilnahme einladen.

Machen die Ingenieurinnen denn ausreichend Gebrauch davon?

Nein, nicht in dem Maße, wie die Unternehmen das erwarten – was die Unternehmen natürlich frustriert, die sich eine weniger zögerliche Reaktion auf solche Angebote erhoffen.

Warum zögern die Frauen?

Viele vermissen Erfolgsbeispiele anderer Frauen, an denen sie sich orientieren können – als Beweis dafür, dass in der Branche der erfolgreiche Aufstieg ins obere Management möglich ist. Oder sie zögern, weil sie negativ erlebt haben, wie die berüchtigte gläserne Decke die weibliche Karriere bremst und sie selbst oder Kolleginnen sich dabei "eine blutige Nase" geholt haben. Andere wiederum befürchten, den Stempel Quotenfrau aufgedrückt zu bekommen.

Wie lässt sich dieses Problem lösen?

Zum einen wünsche ich mir von den Unternehmen in solchen Situationen mehr Durchhaltevermögen und Sensibilität dafür, dass weibliche Mitarbeiter aufgrund ihrer Erfahrungen oft anders "ticken" als männliche. Wenn Unternehmen ihre Förderprogramme gleich wieder infrage stellen, weil nicht sofort die gewünschten Ergebnisse eintreten, haben wir das Gegenteil von nachhaltiger Frauenförderung.

Was raten Sie den Frauen?

Wer Karriere machen möchte, muss sich ein dickes Fell zulegen. Es muss einer Ingenieurin egal sein, was die männlichen Kollegen über ihren Karrieresprung denken. Denn auch wenn Förderprogramme oder Quoten dabei geholfen haben: Gute Leistung müssen Frauen so oder so unter Beweis stellen. MAREIKE KNOKE

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