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Dienstag, 19. März 2019

Schule/Studium

Geförderte Entschleuniger

Von Wolfgang Schmitz | 10. Juni 2016 | Ausgabe 23

Stipendien kommen nur der Elite zugute. Falsch. Die Initiative für transparente Studienförderung klärt über alternative Angebote auf und zeichnet Schüler und Studenten aus, die dem Bildungsstress die Stirn bieten.

Stipendium BU
Foto: panthermedia/Igor Yaruta

Die Uni kann uns heute mal gerne haben... Auch für Studierende mit besonders effektiven Anti-Stress-Konzepten gibt es Stipendien.

Wenn viele kleine Sorgen sich zu einer großen bündeln, wenn man dem Alltag hinterherhechelt, ohne Hoffnung, ihn einzuholen, dann ist Temposteigerung angesagt. Einen Zahn zulegen, um zu entschleunigen.

Das Stipendium für Träumer

Eine seltsame Theorie? Nicht für die 20-jährige Laura. „Wenn ich nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht, dann muss ich entkrampfen, ausrasten, verrückt sein. Abschalten kann ich am besten, wenn ich einschalte, Musik höre und dazu tanze.“ Das Bedürfnis kommt spontan und muss nicht in den eigenen vier Wänden der Studentin ausgelebt sein, sondern dort, wo es sich gerade bemerkbar macht: auf der Straße, in der Uni, im Schwimmbad oder sonst wo.

Für ihre Kreativität und ihren Mut, sich von anderen belächeln zu lassen, Hauptsache, der Frust verschwindet, erhielt Laura jüngst eines von fünf Anti-Stress-Stipendien in Höhe von 10 400 €. Ausgeschrieben wurde das Fördergeld von der Initiative für transparente Studienförderung (ItS).

Daneben vergibt ItS in Kooperation mit anderen Sponsoren Stipendien für Schüler und Studierende, die Praktiken entwickeln, um mit Prüfungsängsten klarzukommen oder denen es mit gewöhnlichen und außergewöhnlichen Mitteln gelingt, ihren Schul- und Hochschulalltag zu entschleunigen: ob Hypnose in Asien oder Yoga auf dem Pferd, ob ein morgendliches Eisbad, Schreien im Wald oder Liedkompositionen, die den Stress beschreiben – der Kreativität sind (fast) keine Grenzen gesetzt.

Die Bewerbungen für die Stipendien kommen aus allen Fachbereichen

„Bei der Auswahl kommt es vor allem auf den individuellen Hintergrund, die Persönlichkeit und die Originalität der Bewerbung an“, sagt Mira Maier, Mitgründerin und Geschäftsführerin der ItS. Mit den Programmen sollen diejenigen unterstützt werden, denen zwischen Prüfungs- und Zukunftsangst sowie Perfektionswahn kaum Raum für Erholung und für das Ausleben der eigenen Stärken bleibt. „Durch die Umstellung auf Bachelor und Master sowie auf das G8-Abitur ist der Prüfungsdruck gestiegen, die Pausen im Studium sind kürzer.“

Foto: ItS

Mira Maier, ItS-Mitgründerin: „Wir sammeln Methoden, die jungen Menschen Mut machen und von denen sie profitieren sollen.“

Kinder aus finanziell schwächeren Elternhäusern müssten nebenbei häufiger arbeiten als früher, sie haben bei der Eliteförderung schlechte Karten. „Bei klassischen Begabtenprogrammen fällt man durchs Raster, weil man jobben oder auf die kleinen Geschwister achten muss.“ Mira Maier und ihr Team schaffen Angebote, um junge Menschen zu entlasten, sodass sie ihre Talente entfalten können.

Hilfestellung ist die eine Sache, die damit verbundene Botschaft eine andere. „Stress und Prüfungsangst belasten viele. Es ist aber nichts, was stigmatisieren sollte und weshalb man sich verstecken muss“, sagt Mira Maier. „Wir sammeln Methoden, die jungen Menschen Mut machen und von denen sie profitieren sollen.“ Neben Schülern ist die breite Masse der Studierenden angesprochen. Die Bewerbungen für die Stipendien kommen aus allen Fachbereichen, aus den Ingenieurwissenschaften genauso wie aus Jura, Medizin und den Geisteswissenschaften. In den vergangenen Jahren wurden abseits der Eliteförderung 24 Stipendienprogramme im Wert von 155 000 € gegründet.

Die inzwischen promovierte Volkswirtschaftlerin Mira Maier suchte einst selbst nach einem Stipendium, gab zwischenzeitlich aber auf, weil sie trotz guter Noten nicht mehr an eine Förderung glaubte. Eine kleine Stiftung half schließlich. Mira Maier und der Promovend Alexander Gassner wollten anderen Stipendiensuchenden solche Mühen ersparen und gründeten 2011 die gemeinnützige Initiative für transparente Studienförderung.

Das erste Projekt war die inzwischen mehrfach ausgezeichnete Suchmaschine für Stipendien in Deutschland myStipendium.de. Abiturienten, Studierende und Promovierende können sich dort kostenlos das für sie geeignete Stipendium herauspicken. Seit 2014 widmet sich die Datenbank barrierefrei-studieren.de den Bedürfnissen von Behinderten und chronisch Kranken. ItS hilft nicht nur dem wissenschaftlichen Nachwuchs, sondern auch den Sponsoren. Mira Maier: „Wir bringen Transparenz in die Fördermittellandschaft und bauen Brücken. Viele Initiativen erhielten ansonsten nicht genügend Bewerbungen und könnten nicht alle zur Verfügung stehenden Gelder ausWOLFGANG SCHMITZ