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Sonntag, 18. Februar 2018

Hochschule

Geld für Geist

Von Martin Volmer | 4. April 2014 | Ausgabe 14

Studieren? Klar. Aber wie finanzieren? Für ein Bachelor-Studium kommen schnell Kosten von 36 000 € zusammen, wenn man nicht gerade im Hotel Mama wohnen bleiben kann. Wird noch der Master angehängt, steigt die Summe auf 50 000 € oder mehr. Wer sich nicht in Nebenjobs verzetteln möchte, muss sich um andere Finanzquellen kümmern. Infrage kommen Eltern, Bafög, Stipendien oder ein Studienkredit.

Ungeheizte Studentenbude
Foto: Ute Grabowsy/photothek.net

Wenn das Geld nicht reicht, um die Studentenbude zu heizen, müssen andere Hilfsmittel herhalten. Besonders in Uni-Städten treibt die Konkurrenz um Wohnraum die Mieten in die Höhe.

Die Studentenwerke protestieren. Seit vier Jahren sei der Bafög-Höchstsatz nicht mehr angehoben worden. Maximal 670 € zahlt das Amt für Ausbildungsförderung Studenten. Im Höchstsatz sind schon 73 € für Kranken- und Pflegeversicherung und eine Wohnpauschale von 224 € enthalten.

Doch damit kommt man selten aus. Kein Wunder beim aktuellen Rekord von mehr als 2,5 Mio. Studierenden an Deutschlands Hochschulen. Die Konkurrenz um bezahlbaren Wohnraum treibt die Mieten vor allem in beliebten Universitäts-Städten in die Höhe. Die Spitzenplätze nehmen Köln und München ein, wo Studenten im Mittel mehr als 350 € für die Warmmiete aufwenden müssen.

Lebensmittel, Fahrtkosten, Kleidung, Freizeit – laut Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (DSW) summieren sich die monatlichen Kosten des Studiums auf 570 € bis 1100 €, je nach Studienort. Selbst Bafög-Empfänger – 2012 immerhin mehr als jeder vierte Studierende – sind daher meist auf weitere Einkünfte angewiesen. Werfen wir einen Blick auf die möglichen Geldquellen.

Eltern: "Wir empfehlen Eltern, z. B. die Kindergeldleistungen von Beginn an in einen Aktien-ETF-Sparplan zu stecken", rät Udo Schindler, Vorstand der KSW Vermögensverwaltung. "Als Zielrendite sind 7 % bis 9 % pro Jahr realistisch. So lässt sich das Studium finanzieren." Vorausgesetzt, das Kapital wird rechtzeitig vor Beginn des Studiums in weniger schwankungsanfällige Papiere umgeschichtet. Die Abkürzung ETF steht für Exchange Traded Funds, die in der Regel einen bestimmten Aktienindex abbilden. Dadurch können sie kostengünstiger arbeiten als aktiv gemanagte Fonds.

Die Sparleistungen sollten möglichst auf den Namen des Kindes angelegt werden. So könnten steuerliche Freibeträge für Kapitalerträge besser genutzt werden. In den Verwendungszweck der monatlichen Überweisungen könnten Eltern zudem den Vermerk "unter Anrechnung auf den Pflichtteil" setzen. So könne man spätere Streitigkeiten bei Erbauseinandersetzungen vermeiden, erklärt der Nürnberger Jurist.

Streit ums Geld kann es natürlich auch zwischen den Generationen geben. Grundsätzlich sind Eltern auch gegenüber ihren volljährigen Kindern unterhaltspflichtig, solange diese eine Ausbildung absolvieren, doch es gibt Ausnahmen. Geht es vor Gericht, wird der angemessene Gesamtunterhaltsbedarf eines Studierenden außer Haus in der Regel mit 670 € monatlich angesetzt. Voll tragen müssen ihn nur unterhaltspflichtige Eltern(teile), die mindestens 3900 € im Monat netto verdienen. Wer weniger bekommt, muss etwas weniger zahlen. Außerdem gibt es Freibeträge.

Stipendium: Glücklich kann sich schätzen, wer aufgrund seiner Begabung oder besonderen Engagements ein Stipendium erhält. Rund 800 unterschiedliche Förderungen listet die Internetplattform stipendienlotse.de derzeit auf. In der Regel muss man sich aktiv um das Stipendium bewerben. Viele Programme orientieren sich bei der Höhe ihrer Finanzspritze an den Bafög-Sätzen. Andere bieten nur Lernmittelzuschüsse. Alle jedoch versprechen Zugang zu einem interessanten Netzwerk.

Bildungs-/Studienkredit: Bachelor-Studierende können ab dem dritten Fachsemester, alle anderen mit dem Bestehen der Zwischenprüfung ab dem fünften Fachsemester den staatlichen Bildungskredit beantragen. Das Darlehen wird in monatlichen Raten zwischen 100 € und 300 € über maximal zwei Jahre hinweg ausgezahlt. Es ist auch eine Einmalzahlung möglich. Dieser Kredit wird zurzeit mit effektiv 1,33 % jährlich verzinst, die Rückzahlung beginnt vier Jahre nach Auszahlung der ersten Rate. Höhere monatliche Auszahlungen schon ab Studienbeginn – zu allerdings auch höheren Zinsen – bieten u.a. Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, die DKB Bank, die apoBank und die Evangelische Kreditgenossenschaft.

Für Studierende der Ingenieurwissenschaften kann der Festo-Bildungsfonds eine attraktive Alternative sein. Der Fonds finanziert Lebenshaltungskosten von maximal 800 € pro Monat und einen Einmalzuschuss von höchstens 5000 €, etwa für ein Auslandssemester.

Die Stiftung Warentest hat die Angebote vor einigen Monaten erneut getestet und rät: "Kalkulieren Sie Ihren Kreditbedarf realistisch und eher knapp, damit Ihre Schulden am Ende des Studiums überschaubar bleiben. Am besten nehmen Sie nur für eine Phase Ihres Studiums einen Kredit auf und planen so, dass die Rückzahlung erst nach Ende des Studiums beginnt."

Bafög: Der Klassiker der Studienfinanzierung wird halb als Darlehen, halb als Zuschuss gewährt. Gefördert werden können Studierende, die bei Ausbildungsbeginn unter 30 Jahre alt sind.

Das Bafög ist jedoch eine Sozialleistung, die abhängig vom Einkommen des Studierenden und der Unterhaltspflichtigen im vorletzten Jahr vor Bewilligung bewilligt wird. Unter bestimmten Voraussetzungen wird das Bafög auch unabhängig vom Einkommen der Eltern gezahlt.

Maximal 670 € monatlich können Antragsteller erhalten, wenn sie auswärts studieren. Wer noch im Haus der Eltern wohnt, bekommt höchstens 495 €. Nebenjobs sind erlaubt. Bafög-Empfänger dürfen bis zu 4800 € im Jahr hinzuverdienen. Die Rückzahlung ist auf maximal 10 000 € beschränkt und muss in Monatsraten von mindestens 105 € erfolgen. Beratung und Hilfe bei der Beantragung bieten die Studentenwerke an den jeweiligen Hochschulen.  MARTIN VOLMER

www.stipendienlotse.de

www.studentenwerke.de

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