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Montag, 22. Januar 2018

Bildung

Humboldt versus Ökonomie

Von Wolfgang Schmitz | 18. Dezember 2015 | Ausgabe 51

Wer sich akademisch bildet, will sich für den Arbeitsmarkt fein herausputzen. Für Wilhelm von Humboldt stand nicht der Markt, sondern die Persönlichkeitsbildung im Zentrum des Studiums. Ist Humboldt heute noch nötig?

Wilhelm von Humboldt war einmal. Die Entfaltung der Persönlichkeit stand für den preußischen Gelehrten im Zentrum allen Lernens. Spätestens seit der Bologna-Reform Ende der 90er-Jahre ist die Berufsfähigkeit in den Mittelpunkt akademischer Bildung gerückt.

Absolventen wollen einen Job mit Perspektive, ein einträgliches Gehalt und sozialen Aufstieg. Die Wirtschaft fordert die „Employability“ von Absolventen, die für Unternehmer „Humankapital“ sind. Sind damit die Bildungsideale Humboldts perdu?

Für Andreas Gestrich kann Employability nicht das Ziel der Bachelorbildung sein, sondern Problemlösungskompetenz und Kritikfähigkeit. Diese „Skills“ seien aber nur Randnotizen in Studiengängen an deutschen Hochschulen. „Wenn Humboldt einen Wert hat, dann im angloamerikanischen Wissenschaftssystem“, sagte der Professor am Deutschen Historischen Institut London auf einer Podiumsdiskussion der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste. In den USA und in Großbritannien legten die Firmen Wert darauf, dass Bachelorabsolventen akademisch allgemein ausgebildet würden. „Fachliche Kompetenzen werden in späteren Lebensphasen betont.“ Zu starke Ökonomisierung raube den Menschen die Möglichkeit, Umwege zu gehen und querzudenken.

Justus Haucap vom Institut für Wettbewerbsökonomie an der Universität Düsseldorf betonte, dass ökonomische Studienplanung und -gestaltung in Deutschland schon lange Tradition hätten. Auch der Rechtfertigungsdruck, in ökonomischen Kategorien zu denken, sei höher als etwa in den USA, weil ein Studium hierzulande zu fast 100 % staatlich finanziert sei. „Da stellt sich unweigerlich die Frage: Was haben Steuerzahler und Allgemeinheit davon?“

Hans-Joachim Roth, Dekan der Humanwissenschaftlichen Fakultät an der Universität zu Köln, glaubt, dass der Bachelor von vielen Studierenden nur als möglichst schnell zu meisternde Zwischenstation betrachtet werde. Im Master wolle man sich dann Zeit für die wahre (Aus-)Bildung nehmen. Bildung sei ohne Ökonomie nicht denkbar. Schließlich laute der gesellschaftliche Auftrag, allen Bürgern Bildungs- und damit Karrierewege zu ebnen, die ihnen eine gesellschaftliche Teilnahme ermöglichen. 

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