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Samstag, 16. Februar 2019

Porträt

"In der Bionik ist der VDI weit vorne"

Von Wolfgang Schmitz | 7. September 2012 | Ausgabe 36

Seit einem guten halben Jahr steht die Bionik-Professorin Heike Beismann in Diensten der Westfälischen Hochschule. Die ehemalige Geschäftsführerin der VDI-Gesellschaft Technologies of Life Sciences hat die Kontakte zu ihrem einstigen Arbeitgeber aber nicht abreißen lassen. Sowohl die Hochschule als auch der VDI profitieren vom Netzwerk der Wissenschaftlerin.

"Die Arbeit beim VDI hat mir extrem viel Spaß gemacht", sagt Heike Beismann rückblickend. "Es war spannend, in der VDI-Gesellschaft Technologies of Life Sciences (TLS) Aufbauarbeit zu leisten und die fünf Fachbereiche Agrartechnik, Biotechnologie, Bionik, Gentechnik und Medizintechnik unter einen Hut zu bringen. Was ich gerne habe, ist ein gut funktionierendes Team – wie es bei der TLS der Fall war."

Die ehemalige Geschäftsführerin der VDI-Gesellschaft Technologies of Life Sciences ist voll des Lobes und der angenehmen Erinnerungen an sieben Jahre im VDI-Haus. "Wir sind nach außen sehr gut wahrgenommen worden", sagt Heike Beismann. "Zumal die VDI-Richtlinien einen hohen Stellenwert besitzen und insbesondere die von uns für das ,Monitoring der Wirkungen gentechnisch veränderter Organismen'' erstellten Richtlinien haben auch eine politische Brisanz."

Da war es nicht immer leicht, den Anspruch höchstmöglicher Objektivität zu wahren. "Unser Auftrag war es aber, neutral erarbeitete Richtlinien für jene, die Daten als wissenschaftliche Basis und als Basis für behördliche Entscheidungen brauchen, zu erarbeiten."

Life Sciences war und ist ein Thema, mit dem der VDI sich über die klassischen Ingenieurbereiche Maschinenbau, Elektrotechnik und Bau hinaus auch auf dem Gebiet jüngerer Disziplinen profiliert. Nicht zuletzt dank Heike Beismann. "Auch in der Bionik wurden wir gut wahrgenommen, wir erstellten erste Richtlinien in diesem Bereich. Da ist der VDI ganz weit vorne. Das Thema Medizintechnik ist ebenfalls sehr en vogue, die Agrartechnik hat wiederum eine eigene Klientel."

Warum dann trotz aller Begeisterung für den VDI der Wechsel nach Bocholt, an die Westfälische Hochschule? "Das ist eine gute Frage. Es gab keinen gravierenden Grund, der mich zu einem Wechsel genötigt hätte. Ich habe mich beim VDI sehr wohlgefühlt." Letztlich habe sie der Verlockung nicht widerstehen können, zu ihren Wurzeln zurückzukehren und weniger koordinativ und mehr auf wissenschaftlicher Ebene zu arbeiten.

Seit Januar dieses Jahres trägt Heike Beismann einen Professorentitel und ist in der akademischen Ausbildung beim noch jungen Bachelorstudiengang Bionik für die Grundlagen in Biologie zuständig. "Wir haben hier am Standort der Westfälischen Hochschule in Bocholt grundsolide Ausbildungen, u. a. in den Studiengängen Mechatronik und Angewandte Elektrotechnik. Mit der Bionik kam nun ein innovativer Studiengang hinzu, der auch über die Region hinaus Studierende anzieht. Auch die Attraktivität für junge Frauen wird als deutlich höher gegenüber den klassischen Maschinenbaufächern eingeschätzt. Alles wichtige Pluspunkte, um Fachkräfte in die Region zu bekommen."

Über das Biologiestudium in Tübingen kam die Wildbergerin nach Freiburg, wo sie an der Universität ihre Promotion in Vegetationskunde anfertigte. "Bei Prof. Arno Bogenrieder habe ich meine Promotion über die Biomechanik von Uferweiden gemacht. Zudem wurde ich von Prof. Thomas Speck betreut, der heute nicht nur Direktor des Botanischen Gartens in Freiburg ist, sondern auch einer der bekanntesten Wissenschaftler in der Bionik. Das war eine spannende Kombination. Ich bin also kein Neuling in der Bionik-Szene. Vegetationskunde und Biomechanik sind mein wissenschaftliches Zuhause. "

Von Freiburg ging es über Basel zur TU München, wo sie sich erstmals mit gentechnisch veränderten Organismen beschäftigte. "Ich habe damals schon beim VDI ehrenamtlich in der Kommission Reinhaltung der Luft in Richtlinienausschüssen mitgearbeitet." Der VDI sicherte sich also nicht die Katze im Sack, sondern eine anerkannte Fachkraft, als Heike Beismann 2005 zum VDI nach Düsseldorf wechselte. Dort engagierte sie sich zunächst in der Kommission Reinhaltung der Luft, bevor sie schließlich in der Gesellschaft Technologies of Life Sciences erfolgreiche Aufbauarbeit leistete.

Die Kontakte zum VDI hat die Hobby- Läuferin nicht abreißen lassen. "Ich gehöre dem Gremium für internationale Normung in der Bionik an. Diese Arbeit möchte ich auch weiterhin begleiten."

"Das ist ein Projekt, das ich in meiner Zeit beim VDI noch angestoßen hatte. Es hat alle zusammengebracht, den Verein VDI, das VDI-Technologiezentrum und das VDI Zentrum für Ressourceneffizienz und Klimaschutz. Wir ziehen alle weiterhin an einem Strang." Es gäbe schließlich noch eine Menge im Bereich der Life Sciences zu tun. "Die deutsche Bionik steht im internationalen Vergleich super da, sie hat international das Sagen – noch", betont Heike Beismann.

Wie die Spitzenstellung angesichts eingestampfter Fördermittel aufrecht erhalten werden soll, weiß sie noch nicht. Fest steht: Die Hobby-Taekwondo-Sportlerin wird für die Disziplin Bionik kämpfen – auch mithilfe des VDI.  WOLFGANG SCHMITZ