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Samstag, 20. Januar 2018

Führungskarussell

Munteres Stühlerücken beim deutschen Software-Weltkonzern SAP

Von Dpa/Rtr/Claudia Burger | 9. Mai 2014 | Ausgabe 19

Nun auch noch der Technik- und Produktvorstand Vishal Sikka (46). Er ist der Vierte im Bunde, der in den vergangenen Monaten aus dem Vorstand des deutschen IT-Konzerns SAP ausscheidet. Angeblich sollen seine Ambitionen Aufsichtsratschef Hasso Plattner nicht gefallen haben.

Hasso Plattner (l.) und Vishal Sikka
Foto: SAP

Hasso Plattner (l.) und Vishal Sikka galten eigentlich als enge Vertraute. Doch die Ambitionen des Ex-Technikchefs waren Plattner zu groß.

Diesen Grund nennt zumindest das Handelsblatt unter Berufung auf Unternehmenskreise. Der gebürtige Inder Sikka soll demnach den Wunsch geäußert haben, eine noch stärkere Führungsrolle einzunehmen, gern auch den Posten des Co-Chefs neben Bill McDermott.

Doch das wollte Unternehmesgründer und Aufsichtsratschef Plattner wohl nicht – obwohl Sikka als SAP-Veteran (Eintritt 2002) und Erfinder der Datenbank-Technologie Hana, mit der sich große Datenmengen sehr schnell durchsuchen lassen, das besondere Wohlwollen von Plattner genossen haben soll. Sikka äußerte sich nicht weiter zu den Gründen, er ließ lediglich erklären, er gehe aus persönlichen Gründen.

Plattner kommentierte den Entschluss Sikkas, wie am Sonntag bekannt wurde, mit dem öffentlichen Statement: "Kein Unternehmen in der IT-Branche kann, was SAP heute in der Cloud auf der SAP Hana Plattform anbietet. Vishal hat einen entscheidenden Beitrag geleistet, um SAP in diese Position zu bringen und dafür möchten ich mich bei ihm persönlich bedanken. Unsere Freundschaft wird auch in Zukunft bestehen bleiben."

Dennoch saß die Enttäuschung bei Sikka wohl so tief, dass er, der lange sogar sozusagen als Kronprinz von Plattner in Bezug auf die technologische Innovationskraft des Unternehmens galt, jetzt wohl woanders andocken wird.

Sein Vertrag wäre eigentlich erst 2017 ausgelaufen. Für ihn rücken Vertriebschef Rob Enslin und der bislang für Anwendungsentwicklung zuständige Bernd Leukert als weltweiter Entwicklungschef in den Vorstand auf. Beide, so heißt es aus Unternehmenskreisen, genießen das Wohlwollen der Belegschaft eher als Sikka, dem laut Handelsblatt sogar ein wenig chaotisches Verhalten nachgesagt wird. Dem Blatt zufolge heißt es aus Unternehmenskreisen: "Er ist von riesigem Wert für SAP, aber das Führen eines Konzerns mit mehr als 60 000 Mitarbeitern weltweit ist eine ganz besondere Aufgabe." Das ist doch eine recht deutliche Aussage.

Leukert und Enslin sind seit den frühen 1990er-Jahren bei SAP. Sie gehörten seit einiger Zeit dem sogenannten "Global Managing Board" an, einem erweiterten Leadership-Zirkel. Hier werden noch Helen Arnold (IT) und Personalchef Stefan Ries eintreten, der im Januar sehr zum Erstaunen des damaligen Betriebsrats auf den Posten gehoben worden war. Ries arbeitete zuvor für das Personalberatungsunternehmen Egon Zehnder. Zuvor war er im Personalwesen in Walldorf tätig.

Bereits im vorigen Jahr verabschiedeten sich die fürs Personal zuständige Luisa Delgado sowie Cloud-Chef Lars Dalgaard. Zudem kündigte der damalige Co-CEO Jim Hagemann Snabe an, in den Aufsichtsrat wechseln zu wollen, was am 21. 5. geschehen wird. Bill McDermott wird dann auf Wunsch von Hasso Plattner alleiniger Chef des größten deutschen Softwareherstellers. Einen Teil seiner Aufgaben hatte Plattner im vergangenen Jahr auf Sikka übertragen.    dpa/rtr/cer

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