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Sonntag, 21. Januar 2018

Altersvorsorge

Nur jeder dritte Ingenieur setzt auf eine Betriebsrente

Von Peter Schwarz | 13. Mai 2016 | Ausgabe 19

Betriebsrenten sind hierzulande nicht besonders populär – schon gar nicht unter Ingenieuren. Die Bundesregierung will das jetzt ändern. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema betriebliche Altersvorsorge.

Betriebsrente BU
Foto: PantherMedia/Goodluz

Selten im Blick: Nur wenige Ingenieure zahlen bisher in eine Betriebsrente ein. Die Bundesregierung will die Angebote jetzt attraktiver machen.

Wie viele Arbeitnehmer haben eine Betriebsrente abgeschlossen?

Das weiß niemand genau. „Das Vorsorgeverhalten in Deutschland ist bisher nur in Ausschnitten erforscht. Selbst für einzelne Säulen der Alterssicherung wie die Betriebliche Altersvorsorge ist das empirische Bild unbefriedigend“, schreibt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer gerade erschienenen Analyse.

Checkliste zur Betriebsrente: Darauf sollten Sie achten

Verschiedene Befragungen und statistische Auswertungen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Nach einer Umfrage von TNS Infratest aus dem Jahr 2013 verfügen rund 60 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten über eine Betriebsrente. Das Sozio-oekonomische Panel, ein Forschungsprojekt des Berliner DIW, kam hingegen bei einer Befragung vor drei Jahren auf eine Quote von knapp 38 %. Auffällig dabei: Wer wenig verdient oder in einem kleineren Betrieb arbeitet, schließt nur selten eine Betriebsrente ab.

Wie sieht es bei Ingenieuren mit Betriebsrenten aus?

Jeder dritte Ingenieur zahlt derzeit in eine betriebliche Altersversorgung (bAV) ein. Diese Zahl hat jetzt erstmals eine Studie von ingenieurkarriere.de, dem Karriereportal des VDI Verlags, ermittelt.

Jeder zweite Befragte gab dabei an, dass sein Arbeitgeber kein eigenes Altersvorsorgemodell hat. Am häufigsten bieten Unternehmen laut Studie eine Direktversicherung an (50 % der Arbeitgeber mit bAV-Angeboten). Die Pensionskasse (27 %), der Pensionsfonds (11 %) und die Unterstützungskasse (5 %) folgen mit großem Abstand. Unmittelbare Versorgungszusagen (Direktzusagen), bei denen die Versorgungsleistungen aus dem Betriebsvermögen zu erbringen sind, bieten nur noch knapp 5 % der Arbeitgeber an.

Was Arbeitgeber jährlich zur Betriebsrente beisteuern, schwankt je nach gewählter Variante: Bei Pensionskasse und Pensionsfonds machen sie im Schnitt ca. 900 € pro Jahr locker. Bei Unterstützungskasse und Direktversicherung liegt der Betrag zwischen 600 € und 700 €, bei der Direktzusage nur bei rund 300 €.

Die Bundesregierung will die Betriebsrente populärer machen. Warum?

Aus Furcht vor wachsender Altersarmut. Denn die gesetzliche Rente schwächelt. Derzeit liegt das Rentenniveau bei 47,5 %. Bis 2029 wird es voraussichtlich auf 44,6 % zurückgehen. Das Rentenniveau beschreibt dabei, wie viel die Altersbezüge eines früheren Durchschnittsverdieners mit 45 Beitragsjahren im Vergleich zum Durchschnittslohn wert sind. Hinzu kommt, dass andere Formen der privaten Altersvorsorge, wie die Riester-Rente, weniger genutzt werden als erhofft.

Die Regierung will deshalb auch bei der gesetzlichen Rente nachbessern. Schon 2017 soll es die „solidarische Lebensleistungsrente“ geben: Wer 40 Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, dessen Altersbezüge werden aufgestockt, wenn er sonst nur die Grundsicherung erhielte.

Außerdem setzt die Große Koalition mehr denn je auf die Betriebsrente. Im Koalitionsvertrag heißt es dazu: „Wir werden die betriebliche Altersvorsorge stärken. Sie muss auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Klein- und Mittelbetrieben selbstverständlich werden. Hierzu werden wir prüfen, inwieweit mögliche Hemmnisse bei den kleinen und mittleren Unternehmen abgebaut werden können.“

Zumindest bei jungen Leuten rennt die Regierung mit ihrem Plan offene Türen ein. Nach einer neuen Studie des Versorgungswerks Metallrente werden Betriebsrenten immer beliebter: Unter den befragten 17- bis 27-Jährigen ist der Anteil derjenigen, die sich für die betriebliche Altersversorgung entschieden haben, von 31 % (2010) auf 40 % (2016) gestiegen.

Wie sieht der Plan der Arbeitsministerin aus?

Andrea Nahles will Arbeitgeber und Gewerkschaften bei der Organisation und Durchführung der betrieblichen Altersversorgung ins Boot holen. In ihrem „Sozialpartnermodell“ sollen die Tarifpartner gemeinsam Pensionsfonds betreiben und Beitragszahlungen in Tarifverträgen verankern. Einige Wirtschaftszweige haben bereits vorgemacht, wie das geht. Sie lassen die betriebliche Altersversorgung über Versorgungswerke durchführen, die von Arbeitgebern und Gewerkschaften paritätisch besetzt sind. Beispiele sind die Metallrente, der Chemie Pensionsfonds und die SOKA Bau. Solche Branchenlösungen, die Nahles jetzt in der gesamten Wirtschaft durchsetzen will, kommen bei den Beschäftigten gut an. So nutzen etwa in der Chemieindustrie 80 % der Arbeitnehmer das bAV-Angebot.

Das geplante Gesetz wird zurzeit regierungsintern beraten. Es soll in jedem Fall noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden.

Wird die Betriebsrente durch die Neuregelung auch finanziell attraktiver?

Ja, die Details der Förderung stehen aber noch nicht fest. Geringverdiener erhalten voraussichtlich einen jährlichen staatlichen Zuschuss von rund 150 €. Außerdem könnten Arbeitgeber verpflichtet werden, sich finanziell an neuen Betriebsrentenverträgen zu beteiligen. Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern werden womöglich steuerlich entlastet. Das soll sie dazu bewegen, ihren Beschäftigten häufiger als bisher eine Betriebsrente anzubieten.

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