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Samstag, 16. Februar 2019

Hannover Messe

VDI im Business Talk: „Ressourceneffizienz ist die große Chance für Ingenieure“

Von Ruth Kuntz-Brunner | 8. April 2011 | Ausgabe 14

Die große Industrieschau zieht auch all jene an, deren Karrierepläne noch nicht ausgegoren sind: Welche Richtung auf dem großen Feld der Ingenieurwissenschaften soll ich einschlagen? Welcher Arbeitgeber bietet die attraktivsten Arbeitsbedingungen?

Der "Job & Career Market" ist mittlerweile eine feste Institution auf der Hannover Messe und eine gute Anlaufstelle für junge Karriereplaner. Ein Gespür für Zukunfts- und Schlüsseltechnologien aber gibt es in der Forschungshalle.

Für den Abiturienten Jan Leimbrink und seinen Freund hat der Tag auf der Messe noch nicht viel gebracht. "Wir wollen Ingenieurwissenschaften studieren, haben aber noch kein genaueres Konzept", erzählt Leimbrink. "Deshalb sind wir auch durch die Hallen gelaufen."

Eine verwirrende Erfahrung: Ein Riesenangebot und keine Ahnung, wie die Studiengänge und späteren Berufswege aussehen. Nun haben sie den Job & Career Market in Halle 7 entdeckt. Hier werden sie wohl auch das finden, was sie suchen: Beratung.

53 Aussteller bieten auf großzügigen 3000 m2 Information und Beratung. Es gibt die allwissende Zentralstelle CareerInfo und an den Jobboards kann man ablesen, wer gesucht wird.

Auf dem Career Talk präsentieren sich im 20-Minuten-Takt unterschiedliche Firmen. Und, freut sich Leimbrink: "An den Firmenständen bekommt man wirklich Beratung." Aber nicht immer. Auch hier gibt es Firmen, bei denen aufs Internet verwiesen wird, weil "der Personalberater gerade nicht da ist". Und wer Auskunft geben möchte, findet keine Interessenten, wie der TÜV Rheinland.

"Wenn die Wirtschaft boomt, dann herrscht bei uns Flaute", so Clemens Bruchhausen vom TÜV. "Wenn’s nicht so rund läuft, dann finden die Leute eine Stelle bei uns wieder attraktiv." Im Augenblick läuft’s rund. Trotzdem stehen die dicksten Menschentrauben vor den als top-sicher geltenden Arbeitgebern wie BASF, Bosch und Phoenix Contact.

In anderen Jahren drängten sich Schüler und Studierende vor allem am Stand von Siemens, in diesem Jahr fehlt das Unternehmen auf dem Karrieremarkt. Nun steht die Bundeswehr in der Besuchergunst ganz vorne – allein durch die Exponate: Flugzeugteile, ein rasanter Rennschlitten oder ein James-Bond-mäßig ausgestatteter "Eagle" mit 245 PS und 5,9 l Hubraum. Wenn dann ein properer Uniformträger erzählt, dass er – mit Gehalt! – an einer Bundeswehrhochschule studiert, dann gehen Schülern und Studenten vollends die Augen über. Junge Frauen dagegen sind weit und breit nicht zu sehen, trotz des riesigen Werbeplakats mit schmucker Luftwaffenfrau.

Auch Leimbrink wusste nicht, dass man bei der Bundeswehr so komfortabel studieren kann. Trotzdem ist das nicht sein Weg. Er und sein Freund fühlen sich vom "Energiebereich" angesprochen. Das zumindest haben sie auf ihrem Rundgang erfahren: Energieeffizienz ist Megathema der Messe. Nicht gewusst dagegen haben sie, dass dazu in Forschungshalle 2 auf dem VDI-Forum auch ein "Business Talk" stattfand.

"Ressourceneffizienz oder RE ist die große Chance für Ingenieure", erklärte Martin Vogt vom Berliner VDI Zentrum Ressourceneffizienz GmbH auf dem Business Talk am zweiten Messetag. "RE erfasst alle Bereiche, von der Produktplanung über die Optimierung der Prozessabläufe bis zur Wiederverwertung der Produkte sie stärkt nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit, sondern verringert auch die Umweltbelastung." Deshalb müsse sie Bestandteil des Ingenieurstudiums werden.

Die Größenordnung der Sparmöglichkeiten beeindruckt: Im verarbeitenden Gewerbe könnte durch RE bei den Materialkosten fast eine dreistellige Milliardensumme eingespart werden, behauptet Vogt.

Bewährtes neu denken, heißt Vogts Devise, etwa schonendere Zerspanungen entwickeln oder hochfesten Beton, der sparsam verwendet werden kann. Das Zukunftsthema im Land der Energiewende aber wird die Netzintegration sein, Smart Grids. "Durch bedarfsgerechte Stromerzeugung und -speicherung können 50 000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden", so Vogt. Und 400 000 Arbeitsplätze könnten entstehen, wenn die Sanierungsrate von derzeit 2 % auf 3,5 % des Gebäudebestandes in Deutschland gesteigert würde.

Kurz: Wer im Studium die Weichen in Richtung RE stellt, wird nie arbeitslos. Ingenieure in spe sollten sich also auch in der Forschungshalle umhören und -sehen. Dort wird Zukunft vorgedacht. 

  RUTH KUNTZ-BRUNNER

www.Ressource-Deutschland.de