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Montag, 22. Januar 2018

Porträt

„Veränderungen machen mir Spaß“

Von Claudia Hantrop | 3. Dezember 2010 | Ausgabe 48

Ralf Thiemann (46) ist ein typischer Ruhrgebietler: der Region verbunden und gleichzeitig offen für Wandel und Veränderung. Der Maschinenbauer hat sich bereits während des Studiums für den Bereich Consulting interessiert und arbeitet heute bei IBM als Berater für die Energieindustrie.

Geboren in Castrop-Rauxel, wohnhaft in Hattingen, Studium an der Ruhr-Universität Bochum, der erste Job in Gelsenkirchen... Ralf Thiemann ist ein Kind des Ruhrgebietes. Er mag das Revier, die ehemalige Montanregion im jahrzehntelangen Strukturwandel hat sein Interesse an Technik geprägt, der Vater war schon Ingenieur in der Stahlbranche, der Bruder ist auch Ingenieur. "Das ist ja das Gute am Beraterleben, ich kann überall arbeiten, ich habe überall Aufgaben, aber ich muss nicht weggehen", sagt er und schmunzelt. Dass er selten zu Hause ist, daran sei seine 14-jährige Tochter gewöhnt. "Meiner Meinung nach ist es wichtig, zu den entscheidenden Zeitpunkten da zu sein, bei der Schulaufführung und solchen Terminen. Und diese Work-Life-Balance kann ich bei IBM gut leben."

IBM: Ein globales Unternehmen

Etwa vier Tage in der Woche ist Thiemann als IBM-Berater bei Kunden im gesamten Bundesgebiet sowie Österreich und der Schweiz unterwegs, einen Tag lang arbeitet er entweder von zu Hause oder von einer gerade nahe liegenden IBM-Niederlassung, in diesem Fall meistens Düsseldorf. Es ist eine Herausforderung, Kontakte zu Kollegen in einer räumlich verteilten, virtuellen Organisation zu pflegen. Und auch manche Kunden reagierten zunächst einmal verblüfft, dass er am Standort Düsseldorf kein eigenes Büro hat. Die Kontaktpflege erfordere bei solch einer Arbeitsplatzflexibilität viel Engagement und Eigeninitiative.

Seine ersten Schritte hat Thiemann außerhalb der Beratung gemacht: Für die damalige Flachglas AG in Gelsenkirchen war er nach dem Studium als Projektingenieur für die Optimierung der Werkslogistik zwischen den Glasstandorten zuständig.

Allerdings kamen Unternehmensberater ins Haus, er wurde für die Flachglas AG in das damalige Beraterteam geschickt. "Damals habe ich gemerkt, dass Beratung das Richtige für mich ist, allerdings nicht die reine Restrukturierungsberatung, sondern das Zusammenspiel mit der Technologieberatung." Und Thiemann sagt einen Satz, der bezeichnend ist für seine Beraterkarriere: "Das, was am meisten Spaß macht, ist, die Veränderung zu gestalten." Der Grundstock war gelegt und Thiemann wechselte nach einem Thyssen-Intermezzo zu einer Beratungsgesellschaft nach Essen, die später von IBM übernommen wurde. In seinem ersten Projekt ging es um den automatisierten Austausch von Netznutzungsrechnungen zwischen E.on. und RWE mit den im Jahr 2001 neu eingeführten EDIFACT Nachrichtentypen.

Auch beim Thema Windkraft mischt er natürlich mit. "Mein Kunde betreibt auf der ganzen Welt Windkraftanlagen von unterschiedlichen Herstellern. Die Aufgabe war nun, ein System zu entwickeln, mit dem sich diese unterschiedlichen Anlagen managen und analysieren lassen. "Die Fragestellung ist ja, wie manage ich Komplexität?". Da sind jede Menge Ingenieurwissen und IT-Wissen nötig. Und das mache die Arbeit für einen Ingenieur bei IBM auch so spannend. Sein Job ist es hinzuhören, die Probleme und Wünsche des Kunden zu erfassen, eine Struktur zu entwickeln und die technischen Tools zu implementieren, die es dem Kunden ermöglichen, seine übergeordneten strategischen Ziele zu erreichen. "Während mir ein Kunde noch erzählt, was er sich so vorstellt, habe ich bereits im Kopf, welche möglichen Tools eingesetzt werden könnten." Das kann ein Berater, der den technischen Background eines Ingenieurs nicht hat, wohl eher nicht leisten.

Mehrere Jahre hatte Ralf Thiemann im European Business Development von IBM die Aufgabe, Themen und neue Märkte für IBM in der Energiewirtschaft zu erkunden und zu entwickeln. Dass IBM bei der E-Energy-Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums ein wichtiger Partner ist, liegt auch an seinem Engagement. Die Initiative soll innovative ITK-Lösungen für die Energiewirtschaft hervorbringen. Der Hattinger war in einigen Konsortien führend oder aber beratend tätig. Ein Beispiel ist Meregio, ein Projekt für eine Nullemissionsregion in der Nähe von Karlsruhe. Hier soll ein Konsortium aus Firmen und Forschungsinstituten sowie der Industrie eine praktische Umsetzung der Smart Grid-Ansätze liefern. IBM unterstützt die Entwicklung der Gesamtlösung und entwickelt daraus eine Plattform für Smart Grids, um alle Geräte und Marktpartner miteinander zu verbinden. Erste Ergebnisse liegen bereits vor.

Im Feld Smart Metering arbeitet Thiemann sogar als Integrations- und Testingenieur, was die Grenzen des "klassischen" Consulting überschreitet. Hier haben Endkunden eines Stromkonzerns ein Display zur Verfügung gestellt bekommen, das ihnen anzeigt, wie viel Strom sie verbrauchen und an welchen Stellen sie einsparen können. Thiemann kümmert sich nicht nur darum, dass die gesamte Prozesskette und die Technologie miteinander funktionieren, sondern er führt auch Interviews mit den Anwendern, um deren Erfahrungen im Umgang mit der Technik in seine Beratertätigkeit einfließen zu lassen.

Und weil die Energiebranche gerade im Umbruch ist, wird Ralf Thiemann noch viele Aufgaben haben. Dinge, die sich verändern. Und das macht ihm Spaß.  CLAUDIA HANTROP

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