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Dienstag, 23. Januar 2018

Porträt

Visionen zum Klingen bringen

Von Peter Ilg | 8. Juli 2016 | Ausgabe 27

Sound erzeugt Emotionen. Nicht nur im Kino, sondern auch beim Gebrauch technischer Geräte. Das Studium der audiovisuellen Medien ist eine gute Grundlage für den anspruchsvollen Job des Sounddesigners. Der Ludwigsburger Christian Heck ist einer von ihnen.

Sounddesigner BU
Foto: Pascal Flörks

Sounddesigner Heck: „Mit akustischen Effekten bringen wir Ruhe und Tempo, Spannung und Unterhaltung in Filme.“

Weit mehr als die Hälfte aller Töne in europäischen Kinofilmen sind nicht original. Stimmen, Musik, Geräusche: Das meiste ist elektronisch bearbeitet. Der Ton bestimmt, wie der Film bei uns ankommt. „Mit akustischen Effekten bringen wir Ruhe und Tempo, Spannung und Unterhaltung in Filme. Und es gibt Szenen, die das Bild allein nicht erzählen kann, das löst Tongestaltung“, sagt Sounddesigner Christian Heck.

Er gestaltet Töne für Kino, Fernsehen, Werbung. Heck hat nach dem Abitur eine Ausbildung zum Mediengestalter abgeschlossen, dann an der Hochschule der Medien in Stuttgart audiovisuelle Medien studiert. Das sind technische Kommunikationsmittel, die Bild- und Toninformationen in Kombination liefern. Fürs Fernsehen, das Internet oder das Smartphone. Das Grundstudium des Ingenieurstudiengangs ist stark naturwissenschaftlich ausgelegt. Anschließend können die Studenten einen aus sieben Schwerpunkten wählen, beispielsweise Ton. „Ab diesem Moment spielt in der Ausbildung der gestalterisch-kreative Teil eine immer größere Rolle. Etwa in der Vertonung von Filmen, der Produktion von Musik oder der Bedienhaptik von Industrieprodukten“, sagt Oliver Curdt. Er ist Professor in dem Studiengang und Tonspezialist an der Hochschule. Sounds werden entweder mit Mikrofonen aufgenommen oder aus Geräuscharchiven übernommen.

Sounddesigner Heck hat den Film „Der kleine Rabe Socke 2 – Das große Rennen“ vertont. Der Film für Kinder zwischen fünf und zehn Jahren kam im Herbst 2015 in die Kinos. In dem Streifen fahren Tiere ein Rennen quer durch den Wald. In Animationsfilmen wie diesem werden die Texte der Sprecher in Studios aufgenommen. Andere Töne gibt es nicht, wenn Bilder ausschließlich am Computer entstehen. „Bei vielen Klängen der Rennautos habe ich auf artfremde und lautmalerische Geräusche zurückgegriffen, um die gewünschte Wirkung zu erreichen.“ Der Rabe Socke z. B. sitzt in einem Rennwagen, der von einem Bär auf einem Dreirad angetrieben wird. Für das Auto hat Heck das quietschende Rasseln einer trockenen Fahrradkette gewählt.

Diesen Sound hat er mit dem kreischenden Klang, der gesprochen Rabenstimme kombiniert, einem hörbar aus der Puste geratenem Bären, im Hintergrund die verschiedenen Klänge der anderen Rennautos. Die rasen über einen gestampften Waldboden. Mal ist die Mischung laut, mal leise.

Manche Töne holt Heck sich aus Datenbanken, andere produziert er selbst. Etwa den Klang eines Ventilators, denn ein Fahrzeug wird ähnlich einem Hovercraft vorangeblasen. Ihn hat der Sounddesigner in seinem Studio erzeugt. Dafür band er ein Stück Holz an eine Schnur und drehte es im Kreis. Andere Klänge kaufte er aus Geräusch- und Tonarchiven zu.

„Studioaufnahmen klingen meist auch nach Studio: unnatürlich, ohne Raum, Perspektive und Balance“, sagt Heck. Diese Töne bereinigt er und restauriert sie mit Software-Tools am Computer. Mit dem Equalizer verändert er den Frequenzgang, gibt Tönen Höhen oder Tiefen, um sie heller oder dunkler zu machen.

Mit einem Kompressor komprimiert er Dynamik: Redet der Sprecher der Figuren mal laut, mal leise, gleicht er Tonlagen digital an, damit der Erzählfluss erhalten bleibt. Für seine Arbeit braucht Heck gute Mikrofone für die Aufnahmen und einen neutral klingenden Raum, um Töne aufzunehmen. Außerdem einen leistungsstarken Rechner, gute Boxen, einen großen Fernseher fürs Kinobild und Software. „Das zusammen ergibt eine überschaubare Investition, mit der professionelles Arbeiten möglich ist.“

Töne am Computer zu bereinigen, ist für Heck eine notwendige Fleißarbeit. „Viel wichtiger als die Technik ist die gestalterische Leitung, nämlich die Vision des Regisseurs in Töne umzusetzen.“

Der Ludwigsburger hat sich gleich nach dem Studium 2007 selbstständig gemacht. „Ich kann gut davon leben.“ Etwa ein Drittel der rund 30 Absolventen jährlich, die den Schwerpunkt Ton abgeschlossen haben, arbeiten frei. Andere in Tonstudios, bei Herstellern von audiovisuellen Geräten oder in der Automobilindustrie. Dort designen sie den Klang von Auspuffanlagen oder Blinkern an Autos. „In der Medienindustrie verdienen Berufseinsteiger rund 3000 € monatlich, in der Autobranche auch mehr“, sagt der Professor. Der Bedarf an Klanggestaltern jeglicher Art sei groß, weil „jedes Medium und fast jedes Gerät Töne erzeugt“.

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