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Sonntag, 20. Januar 2019

Strategie

Warum Eigenlob nicht stinkt

Von Chris Löwer | 13. September 2013 | Ausgabe 37

Gute Leistungen müssen auch auffallen, sonst verpuffen sie, was letztlich der Karriere schadet. Doch Ingenieure scheuen oft eine kleine Prise Eigenlob, weil sie das für ehrenrührig oder unnötig halten. Nur leider geht es ohne Selbst-PR im Job kaum voran.

Warum Eigenlob nicht stinkt

Es muss ja nicht gleich eine Gockelposition sein. Aber wer etwas leistet, sollte beizeiten darauf aufmerksam machen. Das Leben ist nicht gerecht. Foto: Panthermedia

Warum für sich die Werbetrommel rühren, wo doch ohnehin längst allen in der Firma klar sein müsste, dass man ein guter Mann ist? "Wenn man als Ingenieur eher ein Dasein als technischer Sachbearbeiter fristen möchte, reicht diese Haltung völlig aus", sagt Personaltrainer Karsten Noack, selbst studierter Ingenieur und Wirtschaftswissenschaftler. Aber eben nur dann. Für Ingenieure mit Aufstiegsambitionen und Spaß an spannenden Projekten gilt jedoch: Arbeite gut und sprich darüber!

"Traditionell wird Selbstmarketing eher im kaufmännischen Bereich und natürlich im Verkauf beherrscht. Ingenieure finden das oft ehrenrührig und oberflächlich oder fühlen sich an windige Gebrauchtwagenhändler erinnert", meint Noack.

Damit liegen sie ziemlich falsch und überlassen chronischen Selbstinszenierern und Blendern das Feld. "Die Zeiten sind vorbei, in denen individuelle Leistung automatisch wahrgenommen wurde", sagt Noack. Zumal ein vergleichender Blick auf die Büros von Ingenieuren und Kaufleuten die generelle Wertschätzung beider Berufsgruppen widerspiegele. "Die Konkurrenz nimmt zu, aber die Selbst-PR bleibt mäßig", bemerkt Kommunikationspsychologe Andreas Köhler, Chef der Agentur IB die image berater coaching & consulting.

Tipps zum gelungenen Selbstmarketing

Gerade Naturwissenschaftlern und Ingenieuren rät Karriereberaterin Doris Brenner, eines zu verinnerlichen: "Gut sein allein genügt nicht!" Schon in der Hochschule würde in naturwissenschaftlich-technischen Fächern Studierenden eingeimpft, dass allein Leistung zählt. Eine trügerische Botschaft, von der sich allzu Bescheidene später im Beruf mühsam lösen müssen. "Denn wer im Job weiterkommen will, muss auf sich aufmerksam machen und netzwerken", sagt Brenner.

Die besten Positionen im Unternehmen werden meist über Empfehlungen vergeben. Zu diesem Schluss kommt auch eine Betriebsbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Danach kommen ein Drittel aller Stellenbesetzungen über Networking zustande.

Zugkräftig wird das erst, wenn eigene Leistungen und Erfolge sichtbar werden – sie sind das Produkt, das es zu vermarkten gilt. Daher rät Noack dazu, "das Ich als Marke" aufzubauen.

Auch über das Unternehmen hinaus. Etwa, indem sich eine Fachkraft einen Namen als Experte für spezielle Werkstoffe macht, dazu von anderen angesteuert wird, auf Symposien referiert und Fachbeiträge schreibt. "Davon profitiert auch die Firma", betont Noack. Natürlich sollte dies mit dem Chef abgesprochen sein. "Hilfreich sind auch Beiträge im Intranet, in der Firmenzeitschrift oder Fachvorträge", sagt Brenner.

Damit werden Grundvoraussetzungen für Eigen-PR klar: Es muss Substanz da sein und man muss sich darüber im Klaren sein, wo die eigenen Stärken liegen. So banal das klingen mag: "Vielen Ingenieuren ist meiner Erfahrung nach gar nicht bewusst, was sie können", bemerkt Brenner. Erfahrene Kräfte nähmen ihre Qualifikationen wie selbstverständlich wahr, nicht der Rede wert. In einem zweiten Schritt muss bestimmt werden, wer der Adressat der Botschaft in eigener Sache ist und wie dieser angesprochen werden möchte. Ingenieuren mangelt es hier vor lauter technischer Begeisterung zuweilen an einer einfachen, verständlichen Sprache, ohne auf allerletzte Details einzugehen.

"Das wichtigste Instrument im Selbstmarketing ist die Sprache, gerade in Berufen, in denen Sachlichkeit gefragt ist", sagt Kommunikationspsychologe Andreas Köhler. Und damit meint er alle Möglichkeiten, schriftlich und mündlich eigene Leistungen glaubwürdig sichtbar zu machen. Was nun nicht heißt, den Chef täglich mit E-Mails über den Stand eines Projektes zu bombardieren und ihn bei jeder Gelegenheit auf dem Flur mit Statusmeldungen zu belämmern.

Besser ist, zunächst zu überlegen, was dem Chef wichtig ist und immer dann Wasserstandsmeldungen zu geben, wenn wichtige Meilensteine erreicht sind. "Dazu muss man sich natürlich selbst bestens im Projekt auskennen und es im Griff haben, was leider nicht immer der Fall ist", merkt Brenner an.

Umso mehr gilt es, jede Möglichkeit zu ergreifen, Projektergebnisse vorzustellen, wenn der Chef zum Rapport bittet. Dabei wie bei allen anderen Selbst-PR-Aktionen kommt es auf die richtige Dosierung an: "Wer zu sehr auftrumpft, macht sich schnell Feinde", merkt Köhler an.

Das rechte Maß gehört ebenso zu einer Selbstmarketing-Strategie wie einige Gedanken: Zentrale Fragen nennt Karsten Noack: Was möchte ich vermitteln? Wen muss ich ansprechen? Wie gelingt das am besten? Welche Position strebe ich an? "Das machen leider die wenigsten, was umso gravierender ist, weil sich das Profil einer Person schwer korrigieren lässt", sagt Noack. Der Bescheidene mit kaum erkennbaren Aufstiegsambitionen wird, wenn dieses Bild erst mal gefestigt ist, in dieser Position verhaftet bleiben.

Imageberater Köhler hält es mit Brecht: "Die einen sind im Dunkeln, die anderen sind im Licht. Man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht." Mit anderen Worten: Wer sich im Job nicht ins rechte Licht rückt, der wird dabei zusehen, wie andere das für sich tun. CHRIS LÖWER