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Donnerstag, 23. März 2017, Ausgabe Nr. 12

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Gehälter

Weniger Geld für den Chef, mehr für die Angestellten

Von Harald Weiss | 19. Juni 2015 | Ausgabe 25

Der US-Unternehmer Dan Price will sein Gehalt deckeln und das der Mitarbeiter erhöhen. Damit hat er eine Welle der Kritik ausgelöst. In den USA verdienen CEOs inzwischen im Schnitt mehr als 300 mal so viel wie ihre Angestellten. Am unteren Ende der Gehaltsskala kämpfen Beschäftigte für eine Anhebung des Mindestlohns.

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Foto: M.R. Williams/Leif

Dan Price will sein Gehalt mit den Beschäftigten teilen, damit diese ein glücklicheres Leben führen können.

Der 30-jährige Dan Price ist CEO der Kreditkarten-Abrechnungs-Firma Gravity Payments in Seattle. Sein Jahresgehalt beträgt eigenen Angaben zufolge 1 Mio. $. Doch das will er jetzt kräftig kürzen. Mit dem Geld, das dabei eingespart wird, soll innerhalb von drei Jahren ein Mindestgehalt von 70 000 $ im Jahr für alle 120 Mitarbeiter eingeführt werden. Derzeit liegt der Durchschnittslohn in seiner Firma bei 48 000 $. Rund 70 Mitarbeiter werden von der drastischen Lohnerhöhung profitieren.

Price gründete sein Unternehmen erst im vorigen Jahr und trotz des beachtlichen unternehmerischen und finanziellen Erfolges lebt er weiterhin recht bescheiden. Er fährt einen zwölf Jahre alten Audi und wohnt in einer Dreizimmerwohnung zur Miete. „Die CEO-Gehälter sind im Vergleich zum Verdienst der normalen Mitarbeiter unverschämt hoch. Ich will mein Gehalt mit den Mitarbeitern teilen, damit diese ein glücklicheres Leben führen können“, gab er als Begründung für seinen ungewöhnlichen Schritt an. Hierfür gab es viel Lob von den Mitarbeitern, den Gewerkschaften und auch in den sozialen Medien.

Doch es gab auch viel Kritik aus Arbeitgeberkreisen und der Politik. Als erster meldete sich der Wirtschaftsprofessor Patrick Rogers von der North Carolina State University zu Wort. „Price glaubt, dass glücklichere Mitarbeiter auch produktiver sind – doch dafür gibt es keinerlei Beweise. Also treibt er nur die Kosten hoch ohne dass es einen Gegenwert gibt“, lautete seine Kritik.

Der rechtskonservative Radio-Kommentator Rush Limbaugh sah in diesem Schritt eine politische Dimension. „Das ist Sozialismus pur, und das hat noch nie funktioniert. Deshalb wird die Firma schon bald pleite sein und dann als Misserfolgs-Muster in den MBA-Schulen Einzug halten“, war seine Prognose.

Nach weiteren Attacken ging Price in die Offensive. „Verrückt ist die Gehalts-Struktur der amerikanischen Firmenchefs, die sich nur danach richtet, was andere CEOs verdienen. Das treibt die Gehälter rasant nach oben, ohne dass diesen Steigerungen irgendwelche zusätzlichen Leistungen oder Wertschöpfungen gegenüberstehen“, war sein scharfer Kommentar.

Der Venture-Finanzier Howard Anderson stimmte Price zu. „CEO-Gehälter sind schon lange von der persönlichen Leistung entkoppelt“, sagte er über die amerikanischen Spitzeneinkommen. Gemäß einer Untersuchung des Economic Policy Instituts verdienen die CEOs im Durchschnitt 300 mal so viel wie ihre Mitarbeiter. Laut einer Untersuchung von Equilar betrug das CEO-Durchschnittsgehalt im vorigen Jahr 14,3 Mio. $, das waren 5 % mehr als in 2013.

Den Spitzenplatz bei den Chef-Gehältern nimmt laut Equilar der Microsoft-Chef Satya Nadella ein. Die Summe seiner Vergütungen addierte sich im vorigen Jahr auf 84,3 Mio. $. Auf den obersten Plätzen finden sich dann noch unter anderen Robert Iger (Disney, 34 Mio. $), Marc Benioff (Salesforce, 31 Mio. $) und David Cote (Honeywell, 26 Mio. $).

Neben diesen exorbitant hohen CEO-Gehältern gibt es auch eine Reihe von bekannten Firmenchefs, die nur 1 $ pro Jahr erhalten. Hierzu gehören Oracle-Chef Larry Ellison sowie die beiden Google-Chefs Larry Page und Sergey Brin. Doch auch wenn das Grundgehalt nur 1 $ ausmacht, so verdienen diese CEOs stattliche Summen. Beispielsweise hat Ellison im vorigen Jahr 65 Mio. $ an Aktienoptionen erhalten. Auch die beiden Google-Chefs müssen nicht von 1 $ leben. Sie erhalten zwar keine Boni und andere Zuwendungen, aber sie haben jeder rund 28 % aller Googleaktien, was eine erträgliche Dividende abwirft. Jeder wird auf ein Vermögen von knapp 30 Mrd. $ geschätzt.

Das alles ist die Gehaltsspitze. Am unteren Ende der Skala befinden sich vor allem die vielen Beschäftigten in den Service-intensiven Branchen wie Hotels, Gesundheitswesen, Gaststätten, Restaurants und Nahverkehr. Das US-Arbeitsministerium geht davon aus, dass rund 1 Mio. Amerikaner nur den Mindeststundenlohn von 7,25 $ erhalten. Einige Staaten schreiben höhere Sätze vor, am höchsten ist er mit 9 $ in Massachusetts. Seit einigen Wochen sind aber die aktuellen Mindestsätze massiv in der Kritik. In vielen Städten demonstrierten jüngst Arbeiter und Angestellte für eine Anhebung auf 15 $ pro Stunde, von der 42 % aller US-Arbeitnehmer profitieren würden. Die meisten Amerikaner stehen einer solchen Anhebung positiv gegenüber.

Das National Employment Law Project hat eine Umfrage durchgeführt, in der sich 63 % aller Amerikaner für eine Anhebung auf 15 $ innerhalb der nächsten fünf Jahre ausgesprochen haben. Selbst die Gouverneure in konservativen Staaten befürworten eine solche Erhöhung. Auf oberster politischer Ebene wird bereits nach einem Kompromiss gesucht.

 

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