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Mittwoch, 24. Januar 2018

Ehrenamt

„Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe leisten“

Von Peter Schwarz | 18. Dezember 2015 | Ausgabe 51

Seit sechs Jahren engagiert sich Hanswilhelm Bach im Bezirksverein Frankfurt/Darmstadt für die Ingenieurhilfe. Was ihn motiviert und wie er Berufskollegen hilft, berichtet der promovierte Chemiker im Interview.

VDI Nachrichten: Herr Bach, warum machen Sie bei der Ingenieurhilfe mit?

Foto: privat

Hanswilhelm Bach ist Vertrauensmann der Ingenieurhilfe im Bezirksverein Frankfurt/Darmstadt.

Bach: Ich habe nach Ausbildung und Studium 30 Jahre in der chemischen Großindustrie gearbeitet. Ich war immer gesund und musste mir um meinen Arbeitsplatz nie Sorgen machen. Die Dankbarkeit dafür hat mich bewogen, bei der Ingenieurhilfe einzusteigen. Schließlich gibt es viele Kollegen, die leider weniger Glück hatten als ich.

Wie erfahren Sie von Ingenieuren, die Unterstützung benötigen?

Es gibt einige, die sich von selbst melden. Andere werden von Bekannten auf die Ingenieurhilfe hingewiesen. Und dann kommen Leute, die mich ansprechen, wenn ich auf Stammtischen oder Mitgliederversammlungen im Bezirksverein über meine Tätigkeit berichte. Manchmal weist uns auch die Zentrale in Düsseldorf darauf hin, dass es in unserem Bezirksverein jemanden gibt, der vielleicht Hilfe benötigt.

Was sind das für Ingenieure, die sich an Sie wenden?

Oft sind es Freiberufler. Manche, die ein Einmannunternehmen betreiben, überschätzen bisweilen ihre Möglichkeiten und wissen dann nicht mehr weiter. Andere geraten völlig unverschuldet in Not, weil ihre Kunden wegen Insolvenz Rechnungen nicht bezahlen können. Der Freiberufler bleibt dann auf seinen Kosten sitzen.

Arbeitslose Ingenieure melden sich nicht bei Ihnen?

Eher selten. Aber es gibt natürlich auch solche Fälle. Wir hatten zum Beispiel jemanden, den sein Arbeitgeber zunächst outgesourct hat. Dann drängte er ihn in die Scheinselbstständigkeit mit einem Einkommen, von dem er weder leben noch sterben konnte. Trotzdem musste er sämtliche Kosten eines Selbstständigen tragen.

In dieser prekären Lage kam er auf uns zu. Wir haben dann seine Miete für einige Monate übernommen, bis er eine neue Stelle gefunden hatte. Heute ist er glücklich und zufrieden für seine neue Firma in den USA tätig.

Suchen die Menschen, die zu Ihnen kommen, vor allem materielle Unterstützung?

Das ist sehr unterschiedlich. Unsere Hilfe erschöpft sich nicht darin, Geld auszuzahlen. Oft hilft es Betroffenen viel mehr, wenn Sie jemanden haben, der Ihnen zuhört, dem sie ihr Herz ausschütten können. Gerade für Ingenieure, die sich ja selbst als Macher verstehen, ist es schwer, wenn sie sich plötzlich als hilflos oder überfordert erleben. Da kann ein konzentriertes Gespräch manche Blockade lösen und Wege aus der Misere aufzeigen. Unser Ziel ist es ja, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

Seit Kurzem unterstützt die Ingenieurhilfe auch Studierende. In welchen Fällen können Sie helfen?

Wenn jemand durch eine plötzliche Notlage daran gehindert wird, sein Studium fortzusetzen, springen wir unter Umständen ein. Stellen Sie sich etwa vor, ein Student hat einen schweren Unfall und benötigt nach Krankenhaus und Reha eine behindertengerechte Wohnung. Wir bieten also keinen Ersatz für Bafög oder Stipendium.

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