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Montag, 22. Januar 2018

Recycling

„Bottle-to-Bottle-Recycling muss sich etablieren“

Von Bettina Reckter | 21. Dezember 2017 | Ausgabe 51

Viele Verbraucher hegen Bedenken gegenüber PET. Zu Unrecht, sagt Frank Welle vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV).

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Foto: Mueller Recycling AG

Dicke Ballen: Die von den dualen Systemen gesammelten PET-Flaschen sind für Recycler ein willkommener Rohstoff, um neue Flaschen daraus herzustellen.

VDI nachrichten: Mehr als 80 % aller alkoholfreien Getränke werden in Deutschland in PET-Getränkeverpackungen verkauft. Doch in der Bevölkerung gibt es Ressentiments. Wie erklären Sie sich das?

Foto: Rainer Lehmann

 

Frank Welle: Das Vorurteil, Polyethylenterephthalat – also PET – enthalte schädliches Bisphenol A oder Weichmacher, hält sich hartnäckig. Vor allem von werdenden Müttern wird das stark diskutiert. Solche Bedenken entbehren aber jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. Dass sich PET-Einwegflaschen weicher anfühlen, liegt einzig und allein daran, dass die Flaschenwand dünner ist. Das macht die Flaschen übrigens leichter, was gut für den Transport ist und hinsichtlich der Ökobilanz dieser Verpackungsart sogar einen Vorteil gegenüber schwereren Glasflaschen bringt.

Frank Welle und das PET

Aber wären Mehrwegflaschen wie solche aus Glas nicht besser?

PET ist an und für sich ein gutes Verpackungsmaterial. Nicht ohne Grund haben die Verbraucher in den letzten zwei Jahrzehnten in steigendem Maß Getränke in PET-Flaschen gekauft. Unbestritten ist aber auch, dass der bevorzugte Griff zu PET-Einwegflaschen aktuell den Anteil der Mehrwegflaschen sinken lässt. Deshalb ist es umso wichtiger, das PET-Recycling weiter zu etablieren.

Wie hoch ist denn derzeit der Recyclinganteil bei PET-Flaschen?

Heute werden 98 % der PET-Flaschen recycelt. Ich halte das für einen sehr hohen Wert. Ein Großteil des Materials wird zu neuen PET-Flaschen weiterverarbeitet. Das wird in der Bevölkerung nur nicht so wahrgenommen – und auch nicht, dass dieser Verarbeitungsprozess zu einem überwiegenden Teil in Deutschland selbst und nicht in Fernost passiert.

Einwegflaschen werden also immer noch als Wegwerfartikel betrachtet?

Ja, dabei trifft das für den deutschen PET-Kreislauf überhaupt nicht zu.

Dennoch ist der Anstieg von PET-Getränkeverpackungen eigentlich verwunderlich.

Das muss man aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Verpackungsentwickler schätzen die guten Barriereeigenschaften und die sehr niedrige Migration von Verpackungsstoffen in Getränke. Getränkeabfüller profitieren von der Transparenz und der Formenvielfalt des Materials. Aus Sicht der Verbraucher ist es das geringe Gewicht, die nahezu völlige Unzerbrechlichkeit und die gute Transportierbarkeit. Und am Ende profitieren alle Gruppen auch von der guten Recyclingfähigkeit.

Trotzdem hat Glas das bessere Image.

Das ist richtig, aber zum Teil unbegründet. Vor allem Flaschen aus Mehrweg-PET und in Teilen selbst aus Einweg-PET sind heute in Sachen Ökobilanz gleichwertig oder sogar besser als Getränkeflaschen aus Glas. Der Vorteil von Glas liegt in der perfekten Barriere, der guten Recycelbarkeit und der äußerst geringen Migration von Gasen.

Aber eine Null-Migration gibt es auch bei Glas nicht. Das ist ein Irrglaube. Ohnehin sollte man die Glas-/PET-Diskussion nicht nur auf die Flasche beschränken. Jede Flasche hat einen Verschluss aus Metall oder Kunststoff – eben auch die Glasflaschen. Am Ende zählt bei der ökologischen Beurteilung die ganze Verpackung.

Was würde helfen, damit PET sein Imageproblem ablegt?

PET wird heute weitestgehend aus Erdöl hergestellt – wie übrigens jeder Kunststoff. Das ist in der Tat ein Manko. Umso wichtiger ist ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Wertstoff seitens der Unternehmen und der Verbraucher. PET aus nachwachsenden Rohstoffen herzustellen, wäre sicherlich eine Bereicherung, die Pluspunkte beim Konsumenten bringt. Da gibt es heute bereits sehr vielversprechende Lösungen sogenannter Bio-PET-Verpackungen. Deren Anteil muss nur weiter wachsen.

Ob aus Erdöl oder nachwachsenden Rohstoffen: Das Ziel wäre doch, aus alten Flaschen neue herzustellen, oder?

Ich sagte bereits: Die Recyclingquote in Deutschland ist sehr, sehr hoch. Wir haben einen weitestgehend geschlossenen Kreislauf, der das Abfallproblem beseitigt und dem sogenannten Bottle-to-Bottle-Recycling sehr zuträglich ist. Ursächlich dafür ist übrigens das Zwangspfand auf PET-Einwegflaschen. Eigentlich sollte dieses das Mehrwegsystem fördern. Die zurückgebrachten PET-Flaschen sind ein ideales Ausgangsmaterial für das Recycling. Das PET ist nahezu sortenrein und sehr sauber und eignet sich so hervorragend dazu, in Getränkeverpackungen neu verarbeitet zu werden. Deutschland ist hier Vorreiter.

Dennoch gibt es Herausforderungen für das künftige Recycling?

Ja, sicherlich. Die Herausforderung liegt erst einmal bei den Recyclingunternehmen selbst. Recycler wissen wie bei jeder Recyclingart nicht, was sie morgen in der Wertstoffsammlung erwartet. Sie müssen das Eingangsmaterial überprüfen und die eigenen Prozesse ständig danach ausrichten. Durch die nahezu sortenreine Sammlung in Deutschland sind aber die Voraussetzungen für effiziente Recyclingprozesse hierzulande optimal. Und das bringt einen großen Vorteil für den weiteren Fortschritt beim Recycling – und so am Ende auch für den Ruf von PET bei Verbrauchern.

Nämlich welchen?

Recyclingbetriebe, die PET-Flaschen für neue Flaschen wiederverwerten, müssen eine Zulassung der der Efsa, der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, vorweisen. Bei der Begutachtung geht es um Reinigungseffizienz, den Verbraucherschutz und die Qualitätssicherung. Jeder Betrieb wird einzeln geprüft. Diese Einzelzulassung gibt es in der Form nur bei PET-Flaschen. Mittlerweile hat die Efsa rund 100 Recyclingprozesse auf unserem Kontinent begutachtet und bewertet. In nahezu allen Fällen wurden die Recyclingprozesse, die neue PET-Flaschen aus 100 % Recyclingmaterial erstellen, zugelassen.

Klingt gut, die Recyclingflasche könnte also jetzt kommen.

Ja, die Recycler haben offensichtlich ihre Hausaufgaben gemacht. Eine PET-Flasche aus 100 % Recyclingmaterial ist keine Zukunftsmusik.

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