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Samstag, 17. Februar 2018

Personalmanagement

Der beste Arbeitgeber für die besten Mitarbeiter

Von Joachim Lang | 25. Januar 2018 | Ausgabe 04

Beim Umstieg auf Elektromobilität fehlt es vielen Unternehmen an Know-how. Personaldienstleister schaffen Abhilfe.

BU Illubild
Foto: Andrew Sacks/Getty Images

Elektromobilität verlangt von Ingenieuren zunehmend elektrotechnisches Wissen.

Bis zum Jahr 2020 wollte die Bundesregierung 1 Mio. Elektrofahrzeuge auf deutsche Straßen bringen. Dass das Ziel verfehlt wird, ist keine Überraschung.

Joachim Lang

Denn es gibt gleich mehrere Aspekte, die schon bei der Formulierung des ehrgeizigen Plans gegen eine Zielerreichung sprachen. Durch die Neuausrichtung zeigt sich zudem erneut der Mangel an qualifizierten Technikern und Ingenieuren. Vorab: Wir sprechen von Elektromobilität und tun so, als wäre das die einzige sinnvolle Lösung, um eine signifikante CO2-Reduktion im Straßenverkehr zu erzielen.

Foto: Consinion

Joachim Lang: Dienstleister vermitteln zwischen Unternehmen und Hochschulen.

Elektrofahrzeuge sind gut und wichtig, aber wir brauchen weiterhin den Verbrennungsmotor (vielleicht mit anderen Treibstoffen), zum Beispiel für Nutzfahrzeuge, um auch künftig große Massen effizient über weite Strecken zu transportieren. Um Elektrofahrzeuge in der geforderten Anzahl auf die Straße zu bringen, sind noch Lösungen für viele Probleme nötig: mangelnde Speicherkapazitäten, mangelnde Ausrüstung mit Ladestationen, zu lange Ladezeiten und, und, und... Davon abgesehen ist die derzeitige CO2-Gesamtbilanz eines Elektrofahrzeugs (Entwicklung, Produktion, Stromerzeugung, Entsorgung) nicht besser als bei einem mit herkömmlichem Verbrennungsmotor.

Hinzu kommt in vielen Fällen mangelndes Know-how. Für Elektrofahrzeuge und die neuen Konzepte der Mobilität brauchen wir nicht nur klassische Fahrzeugbauer, sondern vor allem Werkstofftechniker, Elektrotechniker und Elektroniker. Die Grundlagen der Entwicklung und Konstruktion von Elektromotoren sind in der Ingenieurausbildung lange vernachlässigt worden, weil der Markt sie nicht benötigt hat.

Wer heute in Automobilindustrie und Maschinenbau arbeitet und Lösungen für die genannten Probleme entwickeln möchte, braucht neben den Basics aus der Werkstoffkunde grundlegende Kenntnisse über elektronische Steuerungen.

Entwicklungszeit und Entwicklungszyklus im klassischen Maschinenbau sind noch recht langsam: Von der Idee bis zum neuen Produkt dauert es. Dagegen sind digital geprägte Entwicklungszyklen um ein Vielfaches kürzer. Apps sind teilweise schon wenige Tage nach ihrer Entwicklung weltweit verfügbar. Diese neue Geschwindigkeit müssen Hersteller (OEM), Zulieferer und Dienstleister aufnehmen und mit ihnen die Hochschulen.

An der Schnittstelle zwischen Hochschulen und Wirtschaft gibt es zahlreiche Hemmschwellen – in die eine wie in die andere Richtung.

Viele Unternehmer tun sich schwer, einen effektiven Zugang zu Hochschulen und deren Studierenden als potenzielle Arbeitskräfte zu finden und zu pflegen. Hier vermitteln Ingenieurdienstleister, die sowohl Abläufe und Bedarfe in den Unternehmen als auch die Strukturen innerhalb der Hochschulen kennen. Wenn ich weiß, welche Dozenten ich auf infrage kommende Absolventen ansprechen kann, ist das wesentlich erfolgversprechender, als wenn ich die Hochschule nur als Ganzes sehe und weiß: Irgendwo da drin ist der neue Mitarbeiter, den ich suche.

Um den Prozess von Ingenieursuche auf der einen und -ausbildung auf der anderen Seite erfolgreich zu gestalten, müssen auch die Hochschulen ein funktionierendes System entwickeln, um Kontakte zu den zumindest regional und fachlich interessanten Unternehmen aufzubauen und regelmäßig zu pflegen. Das funktioniert in Einzelfällen, aber noch längst nicht flächendeckend.

Damit Unternehmen qualifizierte Absolventen und Bewerber gewinnen, ist es außerdem wichtig, dass sie lernen, sich als Arbeitgeber positiv und überzeugend darzustellen. Sie hierbei zu beraten, zählt mittlerweile ebenfalls zu den Aufgaben eines guten Dienstleisters.

Die Zeiten, in denen Personaldienstleister ausschließlich einen Pool an Arbeitskräften hatten, aus dem sie bloß schöpften, sind vorbei. Auch Personalvermittler müssen heute mehr leisten. Der regelmäßige Kontakt zu Arbeitgebern, potenziellen Bewerbern, Hochschulen und Ausbildungsstätten gehört dazu.

Vielen Absolventen, die als Ingenieure die Hochschulen verlassen, fehlt es nach wie vor an Basics. In dem seit Bologna stark verschulten und immer weiter verkürzten Hochschul- und Ausbildungssystem sammeln sie zwar Wissen, können dies aber nicht verknüpfen und praktisch umsetzen. Das betrifft natürlich nicht alle Studierende. Aber wir stellen fest, dass das Leistungs- und Bildungsniveau der Absolventen insgesamt gesunken ist.

Das hat Folgen für Dienstleister wie für Unternehmen. Es geht nicht mehr allein darum, passende Mitarbeiter zu finden oder zu vermitteln. Der Dienstleister baut zusätzlich fachliches Know-how auf, entwickelt Projektgruppen zu Spezialgebieten (wie z. B. im Antriebsstrang) und lehrt die Ingenieure zusätzlich die sozialen Kompetenzen, die sie für eine erfolgreiche Projektarbeit brauchen. Auch sogenannte „erfahrene Fachkräfte“ sind fachlich und persönlich nie ausgereift. Auch bei ihnen ist Weiterentwicklung nötig, darauf müssen sich die Unternehmen mehr und mehr einstellen.

Ausbildung, Karriere und Renteneintritt im selben Betrieb kommt heute kaum noch vor. Die Anzahl der Arbeitgeber in einem Arbeitsleben steigt.

Überall stellen wir eine agilere Haltung fest. Viel Neues ist nach einem Jahr schon alt. Und die Geschwindigkeiten beruflicher Wechsel und Einstellungen haben sich im selben Maße erhöht, wie die Bindungsbereitschaft abnimmt. Dadurch gelingt es Headhuntern eher, Fachleute zu einem Jobwechsel zu bewegen.

Doch das ist ein zweischneidiges Schwert: Erfahrene Mitarbeiter verlassen mit ihrem Know-how das Unternehmen und sorgen dabei für Unruhe.

Sie hinterlassen eine Lücke. Gleichzeitig ermöglichen sie ihrem neuen Arbeitgeber eine andere Perspektive. Sie sehen dort Dinge, die vorher keiner gesehen hat, und finden Lösungen, auf die früher keiner gekommen wäre.

Um bei der Neuausrichtung auf die Anforderungen der neuen Mobilität die eigenen Mitarbeiter zu halten und kluge Neue zu gewinnen, wird es in Zukunft immer wichtiger werden, gemeinsam mit einem professionellen Dienstleister das eigene Unternehmen und seine Attraktivität zu hinterfragen, Perspektiven zu entwickeln und im geänderten Markt für die besten Mitarbeiter der beste Arbeitgeber zu sein. pst

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