Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden
Suche

Donnerstag, 21. März 2019

Elektromobilität

Deutschland sucht seine elektromobile Strategie

Von Simone Fasse | 17. Oktober 2014 | Ausgabe 42

Deutsche Kunden haben die größte Auswahl, wenn es um die Neuanschaffung eines Hybrid- oder Elektroautos geht. Doch Technologie und Modellvielfalt reichen offenbar als Anreiz nicht aus, der Markt entwickelt sich hierzulande nur langsam. Die anstehende Kongressmesse eCarTec Munich (21. bis 23. Oktober 2014) will neue Impulse setzen.

x - E-Mobilität Fasse_BU
Foto: F1Online

Ansteckend ist die Begeisterung für Elektromobilität in Deutschland bisher nicht. Das muss sich ändern, wenn die Werkschöpfungsketten von der technologischen Entwicklung bis zum Verkauf hierzulande erhalten bleiben sollen.

An der Ampel mit sanftem Tritt aufs Pedal alle hinter sich lassen und geräuschlos davon brausen – dieser Fahrspaß ist in Deutschland noch nicht sehr weit verbreitet. Stattdessen dominieren hohe Anschaffungskosten und die Angst vor einer zu geringen Reichweite die deutsche Diskussion um das Elektroauto.

Aufwärts im Markt, abwärts bei der Zellfertigung

Auf der nächste Woche anstehenden Fachmesse eCarTec in München und dem begleitenden Kongress will die Branche deshalb neue Impulse setzen. Passend dazu treten neben der bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner aus der Politik noch Bundesforschungsministerin Johanna Wanka, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel sowie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt als Schirmherren auf.

 „Die Messe trägt dazu bei, die industriepolitischen Herausforderungen dieser innovativen Technologie besser meistern zu können“, verkündet Gabriel. „Denn Elektromobilität ist eine große Chance für die Industrie in Deutschland. Mit ihr entstehen neue Wertschöpfungsketten, die neben der Automobilwirtschaft unter anderem auch die Energiewirtschaft und Informations- und Kommunikationstechnologien umfassen.“

Seit Langem fordern Verbände und die Industrie konkrete Maßnahmen, um den Markt für Elektromobile in Deutschland anzukurbeln. Doch die Politik hält sich mit Kaufanreizen und Steuererleichterungen bislang zurück. Zwar gibt es verschiedene Pilot- und Förderprojekte sowie Runde Tische, Plattformen und Absichtserklärungen, doch eine klare und einheitliche E-Mobilitätsstrategie ist derzeit nicht in Sicht.

Dabei soll das gerade verabschiedete Elektromobilitätsgesetz von Dobrindt und Umweltministerin Barbara Hendricks eigentlich ein Meilenstein sein. Es sieht vor, dass Kommunen elektrisch angetriebenen Fahrzeugen Vorrechte geben dürfen, damit diese beispielsweise Busspuren nutzen können. Für Dobrindt gehört das zu den „Maßnahmen, die die Akzeptanz für E-Fahrzeuge erhöhen“. Doch nicht alle Beobachter sehen das als klugen Schritt. So warnt auch der Deutsche Städtetag deutlich vor falschen Anreizen.

„Aller Voraussicht nach werden 2014 erstmals mehr als 10 000 elektrisch angetriebene Fahrzeuge in Deutschland neu zugelassen“, glaubt Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobil-Industrie (VDA). Aus seiner Sicht steht die deutsche Automobilindustrie unter den Anbieternationen für Elektroautos „auf der Poleposition“.

Wissmann ist überzeugt: „In keinem anderen Land der Welt haben die Kunden eine größere Auswahl.“ Und er ergänzt: „Bis Ende des laufenden Jahres bringen allein die deutschen Hersteller 16 Serienmodelle mit Elektroantrieb auf den Markt, 2015 kommen weitere 13 neue Modelle hinzu.“

„Deutsche Automobilhersteller bieten derzeit die hochwertigste Technologie im Bereich Elektromobilität“, unterstreicht Wolfgang Bernhart, Partner von Roland Berger Strategy Consultants. „Allerdings verlieren sie global Marktanteile, weil sie primär auf höherwertige Fahrzeugsegmente setzen“, so Bernhart mit Blick auf den aktuellen „Index Elektromobilität“ der Strategieberatung. Der Trend zu technisch besseren und damit teureren Modellen sei auch in anderen Ländern zu erkennen. Dazu passt, dass die großen Hersteller in ihrer Modellpalette immer weniger auf reine Stromer setzen. Stattdessen legen sie den Schwerpunkt auf Hybridfahrzeuge.

Die wichtigsten Produktionsstandorte für Elektro- und Hybridautos bleiben allerdings Japan und die USA. Laut Berger-Index sind die Vereinigten Staaten in puncto Absatz der Leitmarkt für E-Mobilität mit 111 000 verkauften Fahrzeugen in den vergangenen zwölf Monaten. Nicht nur beim Verkauf der Autos, auch im Bereich der Batterieentwicklung hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher. Hier sind deutsche Hersteller derzeit vor allem auf asiatisches Know-how und Partnerschaften angewiesen.

„Wie schnell sich neue Technologien am Markt durchsetzen, entscheiden vor allem die Kunden“, erklärte BMW-Chef Norbert Reithofer zum Start des Pariser Automobilsalons. Seit einem Jahr ist das Vorzeigemodell i3 in Deutschland auf dem Markt und hat sich weltweit rund 10 000-mal verkauft. „Seit Beginn des Jahres haben sich auch in Frankreich mehrere Hundert Kunden für das Fahrzeug entschieden, im zweiten Halbjahr kommt es in den Metropolregionen Chinas auf den Markt“, kündigte Reithofer an. Der i3 soll BMW den Weg zum Mobilitätsdienstleister ebnen. Auch in puncto Materialmix und Vertrieb gehen die Münchener mit dem „Project i“, zu dem auch der BMW i8 gehört, neue Wege.

Genau hier scheint die Herausforderung für die Hersteller zu liegen – den Markt neu zu denken. Einer, der das bereits beherrscht, ist der Gründer von Tesla Motors, Elon Musk. Der US-Unternehmer hat sich in kurzer Zeit zu einem der wichtigsten Akteure im E-Mobilitätsmarkt entwickelt. Um den Absatz seiner Premium-Stromer anzukurbeln, investiert er unter anderem in eine eigene Ladeinfrastruktur quer durch Europa oder baut die weltweit größte Batteriefabrik in den USA. Bald will Musk auch im Massenmarkt Zeichen setzen und ein günstigeres Modell bauen, das sich in einer Preisklasse mit dem i3 bewegen soll. Von solch einem unternehmerischen Engagement ist in Deutschland derzeit wenig zu spüren. Die großen Hersteller setzen vor allem im Export weiter auf ihre bisherigen Umsatzbringer und scheinen die Fahrzeuge mit den alternativen Antrieben eher als ein Mittel zu sehen, mit dem sie ihre Klimavorgaben erfüllen können. Viele Experten mahnen deshalb mehr Innovationen an. „Es geht darum, Wertschöpfung in Deutschland zu halten und auszubauen – gerade auch bei der Elektromobilität“, fasst es Matthias Wissmann zusammen.