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Samstag, 20. Januar 2018

Seitenhieb

Genug gejammert

Von Wolfgang Schmitz | 21. Dezember 2017 | Ausgabe 51

Länger, schneller und flexibler. Das fängt schon in der Schule an.

Foto: VDIn/Zillmann

Wolfgang Schmitz, Redakteur: Einzelkämpfer brauchen gute Berater.

Bildung ist in einer Wissensgesellschaft alles, heißt es. Wer sich innerhalb einer gekürzten Schulzeit des Nürnberger Trichters bedient, Wissen tankt, um es nach Gebrauch (Prüfung) wieder auszuspucken, um im Hirn Platz für Neues zu schaffen – Stichwort lebenslanges Lernen –, der bringt es zu was. Jeder ist eben selbst seines Glückes Schmied. Und die Konkurrenz, die wissbegierige, schläft bekanntlich nicht. Wer es bis zum Ingenieur gebracht hat, hat das Tempo zumindest einige Zeit mitgehalten. Er hat – um ein Modewort zu gebrauchen – seine Resilienz nachgewiesen. Was nicht heißen muss, dass ihm nicht irgendwann doch die Luft ausgeht. Schließlich ist nicht jeder zum Dauerläufer geboren.

 Jeder wahre Könner ist Individualist und für sich selbst verantwortlich. Oder um beim Sport zu bleiben: Jeder ist ein Einzelkämpfer. Aber nicht alle sind gleich gut. Gottlob gibt es für jene, die schwächeln, Beruhigungspillen und Aufputschmittel. In Form von literarischen Ratgebern etwa. Ihre Zahl hat inzwischen Krimi-Dimensionen erreicht. Jeder findet im Buchhandel sein individuell zugeschnittenes Coaching. Für Orientierungslose bietet sich etwa „Den eigenen Platz im Ganzen finden“ an, für innerlich Zerrissene „Persönlichkeitsentwicklung in einer globalisierten Welt“, für Zweifelnde „Finde dich gut, sonst findet dich keiner“, für Außenseiter „Wie man Freunde gewinnt – Die Kunst, beliebt und erfolgreich zu werden“.

Für Verspannte und Pessimisten unter uns könnte ein anderes Buch zur Bibel werden: „Am Arsch vorbei geht auch ein Weg – Wie sich dein Leben verbessert, wenn du dich endlich locker machst“. Wer tatsächlich immer noch so blöd ist, acht und mehr Stunden am Tag zu arbeiten, sollte „Denke nach und werde reich“ oder „Reichtum statt Hamsterrad“ lesen. Hässliche und Hungerleider könnten Gefallen an der Lektüre von „Reich gut aussehen – Reich werden, gut aussehen, glücklich sein“ finden.

Wer jetzt noch jammert und auf Auswüchse des bösen Kapitalismus schimpft, ist selbst schuld. Die Beratungsindustrie stellt auch für die scheinbar aussichtslosen Fälle einen zuständigen Seelenarzt bereit. Ich persönlich aber habe da meine Bedenken und rate zu diesem Buch: „Fragen Sie weder Arzt noch Apotheker“.

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