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Freitag, 18. Januar 2019

Kommentar

Mehr Chuzpe!

Von Regine Bönsch | 10. Januar 2019 | Ausgabe 01

Ich erinnere mich genau an einen Abend in einer Düsseldorfer Kneipe. Es mag rund zwei Jahre her sein, als eine Freundin – nennen wir sie Anika – mir offenbarte, dass ihre digitale Identität gestohlen wurde.

Foto: VDIn/Zillmann

Regine Bönsch, Ressortleiterin Elektronik, fordert verbindliche Regeln von der Politik.

E-Mails wurden in ihrem Namen versandt, unsinnige Tweets, Bilder und Messages veröffentlicht, Bücher und Computer gekauft, bis die Bank Alarm schlug. Es dauerte Monate, bis Anika wieder alles in Ordnung brachte.

Dagegen sind der aktuelle Politiker- bzw. Promi-Hack „Peanuts“. Da wurden mehrheitlich E-Mail-Adressen und private Telefonnummern ausspioniert, einige private Chats veröffentlicht. Hässlich genug, aber Tausende, wenn nicht Millionen Bürger hat es bereits schlimmer erwischt.

Dennoch: Der aktuelle Datenklau hat durchaus sein Gutes. Endlich ist die Politik aufgewacht. Nicht zwingend Grünen-Chef Robert Habeck, dessen vollmundiger Ausstieg aus Twitter und Facebook eher trotzig denn konstruktiv wirkt. Aber andere aus Habecks Zunft scheinen langsam weiterzudenken.

Letztlich kann es nicht allein den Verbrauchern überlassen werden, wie sicher der Umgang mit Google, Twitter, Facebook, Whatsapp, Instagram, Amazon & Co. ist. Sie dürfen nicht nur gezwungen werden, seitenlange AGB zu lesen, die dann ohnehin nur mit Ja beantwortet werden können, oder irrsinnig umständliche Kommunikationswege zu gehen.

Ein bisschen mehr Arbeit darf es sein, aber entscheidend sind verbindliche Regeln, die Deutschland, vor allem aber Europa festlegen könnte: So sollten Zwei-Faktor-Authentifizierung und starke Passwörter zum verpflichtenden Standard gehören, ebenso wie verschlüsselte E-Mail-Kommunikation. Sicherheitsabfragen dürfen nicht quälend sein und müssen zwingend vor der Nutzung von Diensten kommen. Anbieter, die grundlegende Schutzmaßnahmen missachten, sollten dazu gezwungen werden. Auch wenn es sich um marktdominierende IT-Giganten aus den USA handelt. All das hätte Anika geholfen – ganz ohne spektakulären Promi-Hack.

Die Politik muss verbindliche Regeln setzen und einen toughen Zeitplan für deren Umsetzung aufstellen. Klare Verantwortlichkeiten von Behörden gehören dazu. Und bitte ein bisschen mehr Chuzpe gegenüber großen Konzernen!