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Mittwoch, 20. Februar 2019

Kommentar

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

Von Regine Bönsch | 7. Februar 2019 | Ausgabe 06

Urs Schaeppi ist ein mutiger Mann. Der Chef des Schweizer Betreibers Swisscom will den chinesischen Lieferanten Huawei in seinem Festnetz behalten.

Foto: VDIn/Zillmann

Regine Bönsch, Ressortleiterin, fordert Mobilfunker auf, in eigene Fertigkeiten zu vertrauen.

Allen Warnungen von US-Geheimdiensten, ehemaligen Präsidenten des Bundesnachrichtendiensts und anderen Scharfmachern zum Trotz sagt Schaeppi: „Wir haben heute keinen Hinweis, dass Spionage in den Netzen betrieben wird.“

Ähnlich, wenn auch in leiseren Tönen, haben sich die deutschen Mobilfunkbetreiber geäußert und fordern seit Wochen eine Versachlichung der Diskussion.

Es geht um viel: Huawei-Technik soll nach aktuellem Stand in allen drei 5G-Netzen sein. Bei Vodafone nur im Funkteil, bei Telekom und Telefónica auch im Corenetz, dem eigentlichen Herz. Technologisch sind die Chinesen nicht wegzudenken, zählen gemeinsam mit Nokia und Ericsson zu den weltweit führenden Ausrüstern der fünften Generation. Und die wird bekanntlich eine entscheidende Rolle für den Wirtschaftsstandort Deutschland spielen.

Doch es bleibt Unsicherheit: Sind „Kill Switches“, mit denen Netze aus dem Fernen Beijing ausgeschaltet werden könnten, oder Backdoors, durch die in 5G-Netzen relevante Daten abgesaugt werden könnten, nur ein Hirngespinst von panikmachenden Geheimdiensten? Sind es nur Ausgeburten eines Handelskriegs, der wie das Beispiel ZTE im letzten Jahr zeigte, im Telekommunikationssektor längst Realität ist? Niemand dürfte hierzulande den Einfluss der kontrollsüchtigen kommunistischen Partei auf wirtschaftlich agierende Unternehmen einschätzen können.

Aber, Schaeppi findet auch hier die richtigen Worte. „Wir sind nicht ganz blind, wenn wir die Netze betreiben. Wir monitoren sie permanent und schauen, was auf den Netzen passiert.“ Oder anders gesagt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Vorschläge in diese Richtung haben auch die hiesigen Mobilfunker gemacht: Herstellerunabhängige Zertifizierung aller kritischen Infrastrukturelemente, aber auch die Hinterlegung der Quellcodes zählen dazu. Jetzt braucht es aber noch etwas Mut im Auftreten gegenüber Panikmachern und viel mehr Vertrauen in die eigenen technischen Fertigkeiten und Überwachungskünste.