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Mittwoch, 17. Januar 2018

Kommentar

Vorfahrt im Netz

Von Regine Bönsch | 21. Dezember 2017 | Ausgabe 51

Ein Gespenst geht um in der großen weiten Welt des Internets und es heißt: Ende der Netzneutralität. Seitdem die US-Telekommunikationsaufsicht FCC (Federal Communications Commission) am Donnerstag letzter Woche die strikten Regeln zur Gleichbehandlung von Daten im Internet gekippt hat, rumort es in der gesamten Netzwelt. Und das nicht nur jenseits des Atlantiks.

Foto: VDIn/Zillmann

Regine Bönsch, Ressortleiterin: Netzneutralität ist auch hierzulande längst in Gefahr.

Was war geschehen? Die FCC hat Netzbetreiber wie AT&T, Verizon und Comcast zu sogenannten Informationsdiensten erklärt. Sie hat damit deren Gleichstellung mit allen anderen Anbietern im Internet aufgehoben. Es wäre also künftig durchaus denkbar, dass Netzbetreiber Datenverkehr blockieren, verlangsamen oder bestimmten Inhalten Vorrang vor anderen geben.

Mittelfristig könnte das auch für Europa – wo es bislang strikte Regeln gibt – Folgen haben, warnt der netzpolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz. Marktmächtige würden gegenüber kleinen und mittleren Anbietern gestärkt. Es entstehe ein „Zwei-Klassen-Internet“, in dem derjenige bevorzugt würde, der es sich leisten kann, für Überholspuren und neue Datentarife tief in die Tasche zu greifen.

Wer sich über den Aufschrei von Google, Amazon, Netflix & Co. anlässlich der FCC-Entscheidung wundert, dem sei Naivität unterstellt. Ihnen geht es nämlich weniger um ein offenes, gleichberechtigtes oder gar demokratisches Netz, von dem noch heute einige träumen. Ihnen geht es schlicht ums Geld, weil sie ihren Nutzern bandbreitenhungrige Anwendungen weiterhin zu günstigen Preisen bringen wollen. Mit den hehren Zielen der Netzneutralität hat das wenig zu tun.

Mit diesen Zielen sind allerdings auch neue Dienste wie Telemedizin oder vernetztes Fahren nicht vereinbar. Beide Technologien verlangen eine extrem hohe Zuverlässigkeit, die das klassische Internet bisher gar nicht bieten kann. Die Vorfahrt für solch kritische Daten aber werden sich die Netzbetreiber bezahlen lassen.

Aktuell testen Telekom, Vodafone & Co. mit neuen Streamingdiensten und Tarifmodellen bereits die Nerven der Bundesnetzagentur in Sachen Netzneutralität. Das „Zwei-Klassen-Internet“ – es wird auch hierzulande längst gedacht und erprobt.

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