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Freitag, 22. März 2019

Kommentar

Zeitgemäße Karriere

Von Wolfgang Schmitz | 10. Januar 2019 | Ausgabe 01

Es ist das alte Spiel, nur mit neuen Vorsätzen. Kaum ist der Silvesterkater vorbei, richtet sich der Blick nach vorne – und in den Spiegel: Wen oder was habe ich im vergangenen Jahr vernachlässigt? Was kann ich 2019 besser machen? Was ist mir wichtig, was tut mir gut? Beim Gespräch vom Ich zum Ich sollten auch Themen erlaubt sein, die die Lebensplanung generell infrage stellen.

Foto: VDIn/Zillmann

Wolfgang Schmitz, Redakteur: Statusdenken erzeugt negativen Stress.

Themen, die bislang keine waren, weil ihre Existenz gesellschaftlich keine Alternativen zuzulassen schien. Dazu gehört, den Begriff der klassischen „Karriere“ als Aufstieg in der Hierarchie eines Unternehmens und damit als wirtschaftliche und soziale Verbesserung zu überdenken. Übertragen auf das „persönliche Wachstum“ müsste die Frage lauten: Brauche ich „Karriere“, um zufriedener oder vielleicht sogar glücklicher zu sein? Lohnt sich der Aufstieg, auch wenn er widerwillig und mit mehr Plackerei als mit Spaß verbunden ist? Wohl eher nicht, wie eine Studie der Universität Melbourne und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) belegt. Dort heißt es: „Wer vor allem nach materiellen Werten strebt, also mehr arbeiten und auch mehr verdienen will als andere, ist im Durchschnitt unzufriedener als er sein könnte.“ Solche Menschen seien dem stetigen Stress ausgesetzt, dass andere noch erfolgreicher sind. Wer sich hingegen ehrenamtlich engagiere, Freunden, Bekannten und Nachbarn helfe, sowie familienorientiert und religiös lebe, sei zufriedener. Diese Menschen befänden sich auf der Siegerstraße.

Zufriedenheit (geschweige denn Glück) ist eine wertvolle Ressource. Arbeitgeber, die produktive und kreative Mitarbeiter haben wollen, sollten sich dieser bedienen. Zu einer attraktiven Laufbahn, die Lust auf Karriere macht, gehört die Ausgewogenheit von Privatleben und Beruf. Ja, Arbeit kann zufrieden und womöglich sogar glücklich machen, aber dauerhaft nur, wenn sie im Einklang mit den persönlichen Wünschen und Bedürfnissen des Einzelnen steht. Soziales Engagement ist ein wesentlicher Zufriedenheitsbaustein. Eine aktualisierte und gesellschaftlich akzeptierte Fassung von „Karriere“ – losgelöst von antiquiertem Statusdenken – kann helfen, die Frage „Was ist mir wichtig, was tut mir gut?“ mit einem zweifelsfreien „Karriere und Privatleben!“ zu beantworten.