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Samstag, 17. Februar 2018

Kommentar

Zu viel Erfolg ist auch gefährlich

Von Stefan Asche | 25. Januar 2018 | Ausgabe 04

Wer Metallteile mit hoher Präzision endkonturnah drucken will, kann derzeit aus drei pulverbettbasierten Verfahren wählen: Neben dem Binder Jetting (s. Artikel rechts) sind dies das Selektive Laserschmelzen (SLM) und das Elektronenstrahlschmelzen (EBM).

Foto: VDIn/Zillmann

Stefan Asche, Redakteur: Der Fokus deutscher Druckerhersteller auf den Highendmarkt ist riskant.

Im direkten Vergleich ist das Binder-Jetting-Verfahren sehr viel schneller und kostengünstiger. Nur mit ihm lassen sich derzeit hohe Stückzahlen zu massenmarktkompatiblen Preisen herstellen. Den Anbietern von einschlägigen Maschinen winkt eine entsprechend große Nachfrage.

Die deutschen Druckerhersteller, weltweit führend bei laserbasierten Verfahren, wollen trotzdem nicht in die Technologie einsteigen. Eines ihrer Argumente ist die geringere Qualität der resultierenden Bauteile.

Richtig ist: Das Schrumpfen während des nachgelagerten Sintervorgangs ist schwer beherrschbar – zumindest auf µm-Ebene. Und die Dichte der entstehenden Bauteile ist etwas geringer.

Richtig ist aber auch: In den meisten Anwendungsfeldern (abseits von Luft- und Raumfahrt) sind die Kennzahlen des Binder Jettings absolut ausreichend.

Es gibt also offenbar einen weiteren Grund für die Zurückhaltung von Eos, SLM Solutions und Trumpf. Bernhard Langefeld, Partner der Unternehmensberatung Roland Berger, kennt ihn. Der Experte für die additive Fertigung sagt: „Die deutschen Hersteller sind mit den augenblicklichen Herausforderungen und Wachstumsraten so gefordert, dass sie aus Ressourcen- und Finanzgründen keine weitere Technologie unterstützen können und möchten.“

Mit anderen Worten: Die deutschen Firmen konzentrieren sich – sehr erfolgreich – auf Highendanwendungen. Massenmärkte lassen sie dabei links liegen. Man könnte das nun wohlwollend als „Fokussierung auf die Kernkompetenz“ bezeichnen.

Gleichzeitig ist es aber auch gefährlich. Gerade in der additiven Fertigung entwickeln sich Hard- und Software in atemberaubendem Tempo. Wehe dem, der in diesem Rennen auf das falsche Pferd setzt und keinen Joker im Stall hat. Zur Erinnerung: Die ersten Elektrofahrzeuge wurden auch nicht so recht ernst genommen ...

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