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Samstag, 20. Januar 2018

Versicherung

Besser und günstiger versorgt  durch Kassenwechsel

Von Stefan Terliesner | 2. September 2016 | Ausgabe 35

Bis zu 80 € Beitrag im Monat können gesetzlich Krankenversicherte durch einen Anbieterwechsel sparen – Tendenz steigend. Auch bei den Zusatzleistungen lohnt ein Vergleich.

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Foto: Panthermedia.net/alexraths

Leistungen und Beitragskosten sind bei den gesetzlichen Krankenkassen unterschiedlicher als viele denken. Ein genauer Vergleich lohnt sich und kann bares Geld sparen.

„Haben Sie die richtige Krankenkasse? Passen die Leistungen zu Ihren Bedürfnissen? Zahlen Sie unnötig viel Beitrag?“ Für Mitglieder in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) klingen diese Fragen immer noch ungewohnt, dabei wünscht und fördert der Gesetzgeber den Wettbewerb unter den Kassen seit Jahren. Der Druck soll das Angebot verbessern und die Kassen zu einem effizienten Umgang mit den Beitragsgeldern zwingen. Die Instrumente dafür sind Wahltarife, Bonusprogramme sowie der Zusatzbeitrag, den jede Kasse seit 2015 individuell bei ihren Mitgliedern erheben darf und über den im Bundestag gerade heftig gestritten wird.

Foto: VDI nachrichten

Was die Leistungen betrifft, so sind diese zu 95 % gesetzlich fixiert. Medizinisch begründete Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte müssen alle Kassen übernehmen. Nur bei den restlichen 5 %, den Zusatzleistungen, stehen die Anbieter in Konkurrenz zueinander. Daher kann sich ein Vergleich der Angebote für Versicherte lohnen. Je nach Unternehmen wird zum Beispiel offeriert: Hautkrebsvorsorge, Naturheilverfahren, Homöopathie und Osteopathie. Oder professionelle Zahnreinigung, Reiseschutzimpfungen und Rooming-in bei Kindern im Krankenhaus. Hinzu kommen Serviceleistungen wie Telefonberatung oder Hausbesuche von Mitarbeitern der Kasse bei medizinischen Fragen. Manche Versicherer übernehmen auch die Kosten für eine Haushaltshilfe, wenn Kinder unter zwölf Jahren wegen Krankheit eines Elternteils nicht versorgt werden können.

Ein Wechsel der gesetzlichen Krankenkasse ist meist völlig unkompliziert

Auch wer bereits eine Erkrankung hat, kann die Kasse wechseln und sich so eine strukturiertere Versorgung sichern, denn die Krankenkassen müssen jeden Antragsteller aufnehmen, sofern sie keinen regionalen oder beruflichen Beschränkungen unterliegen. So gibt es zum Beispiel Kassen, die nur in einem Bundesland aktiv sind oder die nur für Mitarbeiter eines Unternehmens (z. B. Miele) offen sind. Durch den Wechsel der Krankenkasse erlangen Versicherte ein zu ihren Bedürfnissen besser passendes Angebot. Die Interessen der mitversicherten Familienmitglieder sollten dabei beachtet werden. Auch empfiehlt sich, vor dem Wechsel mit der neuen Kasse zu sprechen, ob die gewünschten Zusatzleistungen tatsächlich angeboten werden.

Ein Vergleich der Zusatzbeiträge kann sich ebenfalls auszahlen. Aktuell ist eine Ersparnis von bis zu 80,51 € im Monat möglich, hat das Vergleichsportal gesetzlichekrankenkassen.de ermittelt. Dieser maximal zu erzielende finanzielle Vorteil ergibt sich bei einem Wechsel von der teuersten Kasse zur günstigsten Kasse ab einem Bruttogehalt von 4237,50 € im Monat. Bis zu diesem Höchstbetrag werden in der GKV Beiträge erhoben. So errechnet sich auch die Ersparnis von 80,51 €: Die in diesem Jahr teuerste Kasse ist die bundesweit offene BKK Braun-Gillette mit einem Zusatzbeitrag von 1,9 %. Die günstigste Kasse ist auch gleichzeitig die einzige ohne Zusatzbeitrag. Es ist die Metzinger BKK, die indes nur für Arbeitnehmer und mitversicherte Familienangehörige in Baden-Württemberg offen ist.

Der Zusatzbeitrag erhöht den je zur Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanzierten einheitlichen Beitrag von 14,6 % – wird allerdings allein vom Arbeitnehmer getragen. Das will Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ändern. Auch die Zusatzbeiträge sollen von beiden Seiten gleichermaßen geschultert werden, fordert der SPD-Politiker. Bei der Union stößt er damit allerdings auf Widerstand. Bei den Sonderzahlungen werden also vorerst weiter nur die Angestellten zur Kasse gebeten.

Eine Liste mit den derzeit gültigen Sätzen aller Kassen finden Versicherte im Internet unter gkv-zusatzbeitraege.de. Am Ende eines Jahres legen die Kassen ihren individuellen Beitrag fest, der dann für alle Mitglieder dieser Krankenkasse gilt. Nur wenn der neue Satz über dem durchschnittlichen Wert aller 117 Versicherer von in diesem Jahr 1,1 % liegt, muss der Anbieter seine Mitglieder schriftlich über die Erhöhung informieren. Generell haben Versicherte bei einer Beitragsanhebung ein Sonderkündigungsrecht. Der GKV-Spitzenverband rechnet damit, dass der durchschnittliche Zusatzbeitrag bis zum Jahr 2019 auf 1,8 % steigt. „Wir weisen schon seit längerer Zeit darauf hin, dass die Ausgaben wieder stärker steigen als die Einnahmen“, sagte die Verbandschefin Doris Pfeiffer bereits im März. Dann öffnet sich die Schere zwischen günstigster und teuerster Kasse vermutlich noch weiter.

Zusätzlich bis zu 250 € sparen können GKV-Mitglieder, wenn ihre Kasse ein Bonusprogramm anbietet, das zum Beispiel die Teilnahme an Fitness-Kursen oder medizinischen Vorsorgeuntersuchungen belohnt.

Ein Kassenwechsel ist „schnell und ohne großen bürokratischen Aufwand“ möglich, sagen auch die Verbraucherzentralen. Die Kündigungsfrist beträgt zwei Monate bis zum Ende des Kalendermonats. Indes ist ein Mitglied 18 Monate an seine neue Kasse gebunden, es sei denn, der Versicherer erhöht den Zusatzbeitrag. Sein Sonderkündigungsrecht verliert, wer den Wahltarif „Krankengeld“ abschließt. Die Kassen können auch Tarife wie Selbstbehalt- oder Beitragsrückerstattung anbieten. Aber: „Mit der Wahl bindet man sich bis zu drei Jahre an sie“, betonen die Verbraucherschützer.

Da vermutlich niemand das Angebot aller aktuell 117 Krankenkassen bis ins Detail überblickt, ist vor einem Wechsel oft viel Recherche notwendig. Verbraucherzentralen können dabei behilflich sein. Außerdem gibt es Versicherungsmakler, die sich auf eigene Faust, mithilfe eines Pools oder auf Basis von registrierungspflichtigen Vergleichsportalen einen Marktüberblick verschafft haben. Für ihre Vermittlung erhalten sie – direkt oder indirekt – von der Kasse eine Aufwandsentschädigung. Dieses Entgelt darf in diesem Jahr 87,15 € pro zustande gekommene Mitgliedschaft nicht überschreiten. Der Kunde selbst muss dem Makler nichts bezahlen, es sei denn, dieser hat mit ihm zuvor ein Honorar vereinbart. Auf jeden Fall sollten wechselbereite GKV-Versicherte beachten: Die Leistungen sind das Wichtigste. Bieten aber zwei oder mehrere Krankenkassen die gewünschten Extras an, kann die Entscheidung zugunsten des günstigeren Anbieters fallen.  

Foto: VDI nachrichten

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