Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden

Dienstag, 23. Januar 2018

Altersvorsorge

„Die Tarifrente bringt nichts Neues“

Von Martin Volmer | 24. April 2015 | Ausgabe 17

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles will mit dem sogenannten Sozialpartnermodell die Betriebsrente stärken. Die Tarifpartner sollen ein-gebunden werden, um die Gründung überbetrieblicher Pensionskassen für kleine und mittelgroße Unternehmen zu erleichtern. Paulgerd Kolvenbach, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Longial, hält wenig von den Plänen der Ministerin.

volmer BU
Foto: ddp images/United Archives

Stabile Säule: Wer frühzeitig eine betriebliche Altersvorsorge abschließt, kann im Rentenalter mit einem beträchtlichen Zusatzeinkommen rechnen.

VDI nachrichten: Herr Kolvenbach, nur 60 % der Beschäftigten hierzulande haben eine betriebliche Altersvorsorge. Die Quote stagniert seit Jahren. Warum nutzen vor allem in kleineren Unternehmen nicht mehr Arbeitnehmer die Förderung?

Kolvenbach: Eines der größten Hemmnisse besteht ganz einfach darin, dass es gerade in kleineren Unternehmen oft Arbeitsverhältnisse gibt, bei denen der Lohn nur für den Lebensunterhalt reicht.

Longial

Diese Arbeitnehmer können es sich einfach nicht leisten, von ihrem knappen Gehalt noch etwas fürs Alter zur Seite zu legen. Die bestehende Förderung durch Steuer- bzw. Abgabenfreiheit der Beiträge in der Ansparphase begünstigt die Besserverdienenden.

Foto: Longial

Longial-Chef Kolvenbach: „Die bestehende Förderung begünstigt die Besserverdienenden.“

Je höher das Einkommen desto günstiger ist die betriebliche Altersversorgung (bAV). Will man die unteren Einkommensschichten erreichen, muss man über neue Fördermöglichkeiten nachdenken.

Das Modell der Sozialpartnerschaft, das Arbeitsministerin Nahles jetzt einführen will, sehen Sie skeptisch. Warum?

Weil die Tarifrente unserer Ansicht nach nichts Neues bringt. Ein wesentlicher Punkt ist ja, dass die neuen überbetrieblichen Pensionskassen das Haftungsrisiko der Arbeitgeber mindern sollen. Dazu sollen sie künftig dem Pensionssicherungsverein beitreten müssen.

Dabei haben wir de facto schon heute eine weitgehende Haftungsverlagerung auf den Träger der Betriebsrente. Bei der Direktversicherung, dem wichtigsten Durchführungsweg in der bAV, springt für den – unwahrscheinlichen – Fall der Insolvenz des Versicherers Protektor als Sicherungseinrichtung der Versicherungsbranche ein. Ansprüche aus Direktzusagen, gegenüber Unterstützungskassen und Pensionsfonds sind für den Fall der Arbeitgeberinsolvenz durch den Pensionssicherungsverein geschützt. 

Was kann man dann tun? Müssen sich die Arbeitgeber stärker für die Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter engagieren?

Auch der Arbeitgeber spart seinen Anteil an Sozialabgaben für die Beiträge. Diese Ersparnis könnte er zur Unterstützung der Altersversorgung seiner Mitarbeiter einsetzen. Doch auch wenn der Arbeitgeber die Teilnahme seiner Mitarbeiter an der bAV bezuschusst, reicht das bei kleinen Einkommen als Anreiz allein nicht aus.

Aber auch bei Beziehern höherer Einkommen stagniert der Anteil der bAV-Sparer. Mancher zweifelt auch, ob sich diese Form der Altersvorsorge für ihn wirklich rechnet.

In der Regel ist die bAV für Arbeitnehmer zu empfehlen. Tatsächlich kann es jedoch unter Umständen Konstellationen geben, bei denen die private Vorsorge sinnvoller ist als die bAV mit Entgeltumwandlung. Zumal in der Auszahlphase für die Betriebsrente volle Beiträge an die gesetzliche Krankenversicherung gezahlt werden müssen. Hier ist dann eine individuelle Beratung sinnvoll.

Gibt es womöglich zu wenig Information in den Unternehmen?

Tatsächlich erleben wir oft, dass die Arbeitnehmer auf ein Angebot und die Arbeitgeber zeitgleich auf die Nachfrage warten. Wenn aber beide Parteien warten, passiert natürlich nichts.

Was halten Sie von dem Vorschlag des „opting out“, dass Arbeitnehmer also bei Abschluss des Arbeitsvertrags ausdrücklich die bAV abwählen müssten?

Wir befürworten einen solchen „sanften“ Zwang. Wir wissen aber auch, dass Arbeitgeber in der Regel jeglichen Zwang verabscheuen, und dass auch die Gewerkschaften von dem Modell nicht begeistert sind.

stellenangebote

mehr