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Dienstag, 23. Januar 2018

Start-up

Ein Zaubermantel auf Rechnung

Von S. Asche | 29. Oktober 2010 | Ausgabe 43

Die Net-Economy ist reich an neuen Geschäftsideen. Einen Einblick in das, was sich junge Teams aus ganz Deutschland zuletzt ausgedacht haben, erlaubt der NetStart-Award. Bei der jüngsten Auflage siegte ein Monetarisierungstool für Browser- und Social-Games.

Achtarmige Schleimmonster schleudern lodernde Feuerbälle, ameisenartige Bogenschützen verschießen Giftpfeile und im Boden öffnen sich immer wieder Falltore zum Fegefeuer. Eines ist klar: So führt kaum ein Weg zur verängstigten Prinzessin Feelomenia. Helfen könnte ein Zaubermantel. Für das magische Textil muss aber bezahlt werden. Und das nicht nur virtuell, sondern in echt – gerne in Cents. Der Browsergames-Spieler steht nun also nicht mehr nur vor dem schier unüberwindbaren Abwehrwall seiner Gegner. Er wird zusätzlich noch mit einer Bezahlschranke konfrontiert. Die Gründer von In7Tagen.de treten an, um diese Barriere durchlässiger zu machen – nicht zuletzt zum Wohle der Games-Publisher. Mit ihrem neuen Ansatz gewannen die Kölner den NetStart-Award 2010 (siehe Kasten).

NetStart-Award

Mitgründer Daniel Grüderich erklärt die Funktionsweise von In7Tagen.de: "Wir sind die Ersten, die den Kauf virtueller Güter auf Rechnung anbieten." Das senke laut einer Studie die Kaufabbruchquote um rund 70 %. "Bei uns gibt der User im Eifer des Gefechts zunächst mal nur ein Versprechen ab. Er versichert, innerhalb von sieben Tagen seine Rechnung zu begleichen. Im Gegenzug erhält er seine Ware – sofort. Zahlt er fristgerecht, kann er beim nächsten Einkauf gleich zwei Versprechen abgeben. So wird das maximale Transaktionsvolumen von ehrlichen Nutzern im Laufe der Zeit also größer."

Wer Zaubermantel oder Laserschwert hingegen ohne Zahlung nutzt, muss keine juristischen Konsequenzen befürchten. "Den Verkäufern stehen allerdings verschiedene Sanktionsmöglichkeiten offen. Sie können dem User den Gegenstand wieder entziehen oder den kompletten Account sperren", erklärt Rinat Gontsov, Geschäftsführer von In7Tagen.de. "Sie können aber auch die Cyber-Mafia auf den säumigen Schuldner ansetzen", scherzt der 30-Jährige.

Das Ratingsystem ist publisherübergreifend und auch für Spiele in sozialen Netzwerken geeignet. Der gute Ruf eines Spielers hallt also weit über die Grenzen einzelner Phantasiewelten hinaus.

Bezahlt werden kann über die Dienste einschlägiger Services wie Offerpal, wo sich der Nutzer verpflichtet, an Online-Umfragen teilzunehmen. Die Gründer von In7Tagen.de wollen aber zusätzlich noch ein "Get online – pay offline"-System in Deutschland installieren. Demnach sollen User ihre virtuelle Ware etwa an der Supermarktkasse oder an EC-Terminals bezahlen können.

Das Angebot von In7Tagen.de richtet sich an Games-Publisher. Verdienen wollen die Gründer an allen eingelösten Versprechen. Ihr angestrebter Anteil: 10 %. Angesichts der Abertausend Zaubermäntel, die täglich über den virtuellen Ladentisch gehen, kann sich das schnell lohnen.

Lohnen könnte sich auch das Geschäftsmodell von TSI (the-t-shirt-issue.com). Einzige Voraussetzung ist, dass es den Berlinern tatsächlich gelingt, ihre extravaganten Kleidungsstücke zu den anvisierten Preisen zu verkaufen. T-Shirts des fünfköpfigen Teams sollen immerhin ab 60 € aufwärts kosten. Das besondere an den Textilien ist das Schnittmuster. Die klassische Nahtführung wird komplett aufgehoben. Statt aus Vorderteil, Rückenteil und Ärmeln wird ein Shirt aus einer Vielzahl von Polygonen zusammengesetzt. Zum Design werden 3D-Programme aus dem Animationsbereich genutzt. Damit kann sich jeder Kunde online am Bildschirm sein Wunsch-Shirt basteln. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Gefertigt werden sollen die Unikate in Polen. Gleiches gilt für die Polygon-Kollektion der hausinternen TSI-Designer.

Details zu weiteren Preisträgern stehen im Internet, in der Gründerlounge der VDI nachrichten.  S. ASCHE

www.vdi-nachrichten.com/vdi-nachrichten/startzeit/article.asp?id=2637

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