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Dienstag, 23. Januar 2018

Business Angels Panel

Engel mustern Umwelttechnik aus

Von S. Asche | 12. November 2010 | Ausgabe 45

Die informellen Gründungsförderer in Deutschland jauchzen weiterhin himmelhoch. Sowohl Krise als auch Aufschwung berühren sie offenbar wenig. Ihr Stimmungsbarometer steht nun schon seit einem Jahr konstant auf Sonnenschein. Sie sind bereit zu neuen Deals. Besonders beliebt dabei sind Dot.coms. Die Internetfirmen stellen sogar die einst so geliebten Umwelttechniker deutlich in den Schatten. Ergebnisse des 35. Business Angels Panels.

Die Business Angels in Deutschland bewerteten ihre Geschäftslage im dritten Quartal 2010 mit stolzen 5,29 Punkten. Dabei reicht die Skala von 1 (=sehr schlecht) bis 7 (= sehr gut). Noch besser sieht es bei den Geschäftsaussichten aus. Hier vergaben die 35 Teilnehmer der jüngsten Panelbefragung satte 5,51 Punkte. Beide Werte sind nur knapp unterhalb der jeweiligen Allzeit-Rekordmarken und entsprechen ziemlich genau den Ergebnissen von vor einem Jahr.

Hintergrund für das Dauerglück: Professionell agierende Wagnisfinanzierer – und davon gibt es in Deutschland immer mehr – können sowohl von einer Krise als auch vom anschließenden Aufschwung profitieren. Im ersten Fall nutzen sie die günstigen Bewertungen von Start-ups. Sie können sich für vergleichsweise wenig Geld in neue Technologien einkaufen. Im zweiten Fall profitieren sie vom konjunkturbedingt steigenden Innovations- und Fusionsappetit etablierter Unternehmen. Sie können ihre Beteiligungen also gewinnbringend veräußern. Mit anderen Worten: Das Geschäft brummt immer – entweder auf der Einkaufs- oder auf der Verkaufsseite.

In der aktuellen Übergangsphase von Konjunkturtief zu Konjunkturhoch läuft es auf beiden Seiten ganz passabel. Die Panelteilnehmer haben jedenfalls durchaus noch Lust auf neue Deals. Jeder hat im Durchschnitt 2,74 Beteiligungsgespräche geführt. Das liegt über dem langjährigen Durchschnitt (2,52). Und jeder ist im Durchschnitt 0,37 neue Beteiligungen eingegangen – was ebenfalls leicht überdurchschnittlich ist.

Auf der Exitseite gibt es ebenfalls viel Bewegung. Insgesamt sechs Beteiligungen wurden aus den Portfolios der Panelteilnehmer entlassen. In einem Fall wurden die Anteile von einem strategischen Investor gekauft ("Trade Sale"). In einem anderen Fall erwarben die Gründer ihre Anteile zurück ("Buy-Back"). Zwei Unternehmen mussten liquidiert werden. In den beiden verbleibenden Fällen machten die Engel keine näheren Angaben zum Verbleib ihres ehemaligen Schützlings.

Ein weiteres Indiz für das Investitionsinteresse der Gründungsförderer ist deren Budget. Die Befragten gaben an, erst gut 51 % ihre für Beteiligungen vorgesehenen Mittel ausgegeben zu haben. Fast jeder zweite Euro wartet also noch darauf, eine Idee ins Rollen zu bringen.

Was machen die Gründer angesichts dieser frohen Botschaft? Sie schreiben Businesspläne! Jeder Business Angel fand durchschnittlich 11,63 der ausformulierten Geschäftskonzepte in seinem Postkasten. Das sind etwas mehr als im Vorquartal (10,76) – aber doch noch deutlich weniger als im langjährigen Mittel (13,48).

Und welcher Absender darf sich am ehesten Hoffnung machen auf himmlische Unterstützung? Wie schon im Vorquartal führen Web-Services- und E-Business-Anbieter das Beliebtheitsranking an. Medizintechniker, die 2005 und 2006 ununterbrochen an der Spitze standen und in den letzten sechs Jahren stets zu den Top-5 zählten, haben es immerhin noch auf Platz zwei geschafft. Ein überraschender Neueinsteiger findet sich auf Platz 3: Hier machen sich erstmals Elektrotechniker und Elektroniker breit. Umwelttechniker wurden auf einen für sie enttäuschenden vierten Platz durchgereicht – ihr schlechtestes Ergebnis seit vier Jahren.

Unzufrieden dürften auch gründungswillige Feinmechaniker, Optikexperten, Logistiker sowie Maschinen- und Anlagenbauer sein. Sie führen die Negativliste der Business Angels an.

Auf den großen Geldsegen darf allerdings gar kein Gründer hoffen. Im Durchschnitt machten die Panelteilnehmer zuletzt lediglich gut 23 000 € locker. Das ist immerhin fast doppelt so viel wie im Vorquartal, als mit gut 13 000 € der bisherige Tiefpunkt markiert wurde. Es ist aber gleichzeitig noch Lichtjahre entfernt von zurückliegenden Werten. 2004 beispielsweise wurde in jedem Quartal weit über 150 000 € investiert.  

 S. ASCHE

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