Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden

Dienstag, 23. Januar 2018

Finanzen

Erben und Schenken zu Lebzeiten gestalten

Von Stefan Terliesner | 24. April 2015 | Ausgabe 17

Die heute 40 bis 60- Jährigen gelten als Erbengeneration. Zig Milliarden Euro überlassen sie ihren Kindern und Enkeln. Soll ein Großteil des Geldes nicht an den Fiskus gehen, ist Planung notwendig.

Erben BU
Foto: imago/bonn-sequenz

Alle zehn Jahre können Freibeträge beim Schenken in Anspruch genommen werden.

Deutschland wird zum Land der Erben. Im statistischen Mittel erben jährlich 4 % aller Haushalte, also jeder 25te. Im Laufe von 12,5 Jahren hat jeder zweite Haushalt geerbt; im Zeitraum von 30 Jahren jeder Haushalt dann also mindestens einmal. Insbesondere die heute 40 bis 60-Jährigen gelten als Erbengeneration. Dazu muss man wissen: Mit rund 9300 Mrd. € hat das Nettovermögen der Bundesbürger einen Rekord erreicht. In der Einzelbetrachtung ist das Vermögen allerdings sehr ungleich verteilt: Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt ein Drittel des gesamten Privatvermögens. Diese Zahlen veröffentlichte gerade das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung.

Das Nettovermögen ist quasi die Erbmasse. Davon werden allein bis zum Jahr 2020 rund 1700 Mrd. € Generationen übergreifend weitergeben, ergab eine ältere Untersuchung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), eine zum Deutsche-Bank-Konzern gehörende Denkfabrik. Da das Vermögen ungleich verteilt sei, konzentrierten sich die großen Erbschaften auf wenige Fälle, schreibt das DIA weiter. So vererben die Reichsten der Reichen in Deutschland bis 2020 etwa 500 Mrd. €. Auf die breite Masse entfallen so noch 1200 Mrd. €, die sie bis zum Ende des Jahrzehnts an ihre Kinder und Enkel weitergeben. Dieses Vermögen ist zum Großteil angelegt in Immobilien, aber auch in Versicherungen sowie auf Bankkonten und am Kapitalmarkt.

Grundsätzlich unterliegt jede dieser Anlageformen der Erbschafts- und Schenkungssteuer. Jenseits der geltenden Freibeträge können nur selbst genutzte Immobilien im Erbfall steuerfrei bleiben, wenn also Kinder und Ehepartner das übertragende Objekt weiterhin als Erstwohnsitz nutzen.

Die entsprechenden Steuerregeln wurden auf Anordnung des Bundesverfassungsgerichts reformiert. Seit Anfang 2009 zählen Familienangehörige wie Ehepartner, Kinder und Enkel zu den Gewinnern des neuen Steuerrechts. Denn die Freibeträge wurden deutlich erhöht. So können Eltern ihren Kindern mit aktuell 400 000 €, statt zuvor 205 000 €, fast doppelt so viel zukommen lassen, ohne den Staat zu beteiligen. Seitdem ist ein Trend erkennbar: In Deutschland wird immer mehr Vermögen verschenkt, statt vererbt. So stieg das Vermögen, das Bundesbürger zwischen 2009 und 2013 verschenkt haben um das Dreifache auf 40 Mrd. €. Weniger rasant wuchs das geerbte Vermögen an, nämlich um 43 % auf fast 31 Mrd. €. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Forsa-Studie, die vom FAZ-Fachverlag und der Gothaer in Auftrag gegeben wurde und sich auf Daten des Statistischen Bundesamtes beruft.

Der Grund: Wegen der höheren Freibeträge ist eine Schenkung viel attraktiver geworden. Nach der Reform hat der Fiskus bei zahlreichen Schenkungen kleinerer und mittlerer Vermögen keine Steuern erhoben. Gleichzeitig wurden im Durchschnitt höhere Vermögen verschenkt, heißt es in der Forsa-Studie. Der Vorteil einer Schenkung erschließt sich, wenn man bedenkt, dass die Freibeträge pro Kind und Elternteil gelten und nach zehn Jahren erneut in Anspruch genommen werden können.

Dazu Torsten Lambertz, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei der WWS-Gruppe: „Eine Familie mit zwei Kindern könnte alle zehn Jahre Vermögen im Wert von bis 1,6 Mio. € steuerfrei auf die nächste Generation übertragen.“ „Allerdings“, so Lambertz, „akzeptiert das Finanzamt eine Schenkung nur, wenn sie glaubhaft ist.“ Bei Kapitalvermögen sei die Mindestvoraussetzung ein Konto oder Depot auf den Namen des Kindes. Die Verfügungsgewalt erwachsener Kinder dürfe nicht eingeschränkt sein.

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Januar dieses Jahres 1005 Personen ab 45 Jahre und mit einem Nettohaushaltseinkommen ab 2500 € auch danach befragt, welche Rolle Steuerfragen bei der Erbregelung spielen. Demnach wollen zwei Drittel der Befragten steuerbegünstigt vererben. Allerdings würden nur wenige von ihnen rechtzeitig die Erbfolge regeln und über Geldschenkungen entscheiden. Dabei stünde für die meisten der Befragten längst fest, welche Personen sie mit größeren Beträgen beschenken möchten. Offenbar sind die relativ hohen Freibeträge für nahe Verwandte vielen Menschen immer noch nicht bekannt. Oder es fehlt einfach der Ansporn, das Thema Erben und Schenken zu Lebzeiten möglichst steuersparend zu gestalten.

Verbraucherschützer empfehlen: „Gerade weil die Steuerregeln nicht für jeden von Vorteil sind, lohnte es sich, innerhalb der Familie oder der Partnerschaft früh genug nach einem Weg zu suchen, die Steuerbelastung so gering wie möglich zu halten.“ Wer große Vermögen verschenken möchte, solle sich von einem Steuer- und Erbrechtsexperten beraten lassen. Für alle Übertragungen sei eine genaue Planung unverzichtbar: Im schlimmsten Fall steht der Schenker sonst irgendwann selbst mit leeren Händen da.  

stellenangebote

mehr