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Dienstag, 23. Januar 2018

Start-up

Grünen Gründern fehlt Raum und Zeit

Von Ariane Rüdiger/Stefan Asche | 10. Januar 2014 | Ausgabe 1

Damit die Wirtschaft grüner wird, müssen mehr umweltschonende Geschäftsideen umgesetzt werden. Doch oft vergehen Jahre, bis die neuen Technologien marktreif sind. Den Unternehmensgründern mangelt es nicht nur an Geld, sondern auch an Labors und Versuchsflächen. Doch es gibt erste Anlaufadressen, die Hilfe versprechen.

Kite-Drachen zieht Schlitten
Foto: Fraunhofer

Auf geht's! Ein Kite-Drachen der Firma NTS wird in den Himmel entlassen. Er zieht den Schlitten im Vordergrund über eine ovale Schienenstrecke. Im Fahrzeug ist ein Generator. Er erzeugt Strom schon bei geringer Windstärke.

Der Gründungsboom in der Internet-Wirtschaft macht Jungunternehmern in anderen Branchen schwer zu schaffen. Die vielen, schnell wachsenden Dot.coms haben den Blick für die Langfristigkeit bei der Entwicklung nicht digitaler Technologien verstellt. Investoren sehen kaum noch, dass es neben Geld und technischer Ausrüstung auch Zeit braucht, um etwa neue chemische oder biologische Verfahren zur Marktreife zu entwickeln.

Sonja Jost kann ein Lied davon singen. Sie hat ein Verfahren zur kostensparenden Mehrfachnutzung von Katalysatoren bei der chemischen Produktion erfunden. In ihrem Unternehmen DexLeChem will sie es zur Marktreife entwickeln. Das Problem: "Wir müssen bald unsere Räume in der Technischen Universität verlassen. Aber in Berlin gibt es noch keine passenden Labors für Gründer." Sie hofft nun darauf, in einem geplanten Inkubator von Bayer unterzukommen.

Sonja Jost
Foto: A. Rüdiger

Sonja Jost, Gründerin der DexLeChem GmbH: „In Berlin gibt es noch keine geeigneten Labors für Unternehmensgründer.“

Labors stellt Climate-KIC zwar nicht zur Verfügung, wohl aber Büros und Geld. Die europaweite Initiative wird vom Europäischen Institut für Innovation und Technologie (EIT) getragen und vernetzt rund hundert europäische Einrichtungen aus Wissenschaft und (Klima-)Forschung, Industrie und Politik. In Berlin betreibt Climate-KIC den Inkubator Green Garage. Hier bekommt jeweils eine Handvoll junger Firmen für drei bis 18 Monate kostenlos Räumlichkeiten, dazu Stipendien bis 95 000 €, Training und Vernetzung. Außerdem finanziert Climate-KIC Machbarkeitsstudien.

Derzeit unterstützt die Initiative beispielsweise den Kleinwindturbinen-Hersteller Windmanufaktur, E-Bike-Finder, ein Online-Marktportal für Elektrofahrräder oder Ebee, wo eine Ladeinfrastruktur für Elektroautos entwickelt wird – unter Nutzung von Straßenlaternen.

Solche Inkubatoren mit Fokus auf grünen Innovationen sind rar in Deutschland. Gleiches gilt für einschlägig interessierte Venture-Finanzierer. Eine Ausnahme ist Mama Ventures. Die Berliner haben beispielsweise das 2006 gegründete Unternehmen NTS Transport- und Energiesysteme unterstützt. Weiterer Geldgeber war die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau). Insgesamt flossen 1,5 Mio. €.

NTS hat ein System zur Energieerzeugung via Höhenwind entwickelt. Dabei ziehen automatisch gesteuerte Kites jeweils ein Bodenfahrzeug an, welches auf einem geschlossenen, ovalen Schienensystem fährt. Die von den einzelnen Kites erzeugte nutzbare Windleistung wird über die Bodenfahrzeuge auf Generatoren übertragen.

Die Fahrzeuge nutzen den Wind wie Segelschiffe. In den kurzen Streckenabschnitten, in denen der Wind von vorne kommt, wird etwas weniger Energie erzeugt, aber die Drachen bleiben dennoch in der Luft und werden in der optimalen Position, wie beim Segeln während der Wende oder Halse, gesegelt.

Die Einschaltgeschwindigkeit der NTS-Anlagen liegt bei 2m/Sek. Ist der Wind mal schwächer, wird das gesamte System von Energieerzeugung auf Energieverbrauch gestellt. Die Generatoren arbeiten in diesem Fall als Motoren und ziehen die Kites, um sie in der Luft zu halten. Solche Flauten sind in den geplanten Flughöhen von bis zu 500 m aber selten.

Das eingeworbene Wagniskapital hat NTS in den Bau einer Teststrecke in Friedland investiert. Derzeit verhandelt Geschäftsführer Uwe Ahrens über erste Standorte. Mama Ventures hat das Unternehmen inzwischen an die finanzstarke 3M Ventures weiterverkauft.

Venture Capital konnte auch Thermondo einwerben. Dessen Portal berechnet nach Eingabe entsprechender Daten zu einem Gebäude die optimale Heizung mit selbst entwickelten Algorithmen. Geschäftsführer Philipp A. Pausder: "Veraltete Heizungen erzeugen zu viel Kohlendioxid, werden aber nur sehr zögerlich ausgetauscht. Unser Portal beschleunigt den Austausch. Das rechnet sich für uns und die Hausbesitzer", erklärt er. Von Herstellern ist Thermondo unabhängig. Weil das Konzept nur funktioniert, wenn Thermondo-Mitarbeiter die Heizung selbst einbauen und ihre Funktion garantieren, beschäftigt Thermondo inzwischen auch Handwerker. Das Angebot wird laufend erweitert – um neue Heizungstypen, demnächst auch Dämmung und andere Energiesparthemen, die sich handwerklich umsetzen lassen. "Wir machen alles, wofür wir einen physikalisch fundierten Algorithmus haben", sagt Pausder.

Das Konzept überzeugte den Venture-Finanzierer Grey Corp und die Investitionsbank Berlin. Wie viel Thermondo bekommen hat, will Pausder aber nicht verraten.

  ARIANE RÜDIGER/sta

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