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Samstag, 20. Januar 2018

Immobilien

Neue Bausparregeln

Von Stefan Terliesner | 22. April 2016 | Ausgabe 16

Hypothekendarlehen sind anhaltend günstig. Das untergräbt eigentlich das Geschäftsmodell der Bausparkassen. Doch der Staat springt den Anbietern zur Seite. Bald sind Aktien erlaubt.

Bu-Bau
Foto: PantherMedia/Arne Trautmann

Eigenheim: Für die Finanzierung ist das Bausparen nach wie vor beliebt.

Das Dauerzinstief setzt auch den Bausparkassen zu. Vielen Kunden mit Altverträgen müssen sie zum Teil noch hohe Zinsen zahlen. Gleichzeitig verdienen die Anbieter mit festverzinslichen Wertpapieren immer weniger Geld. Daher hat der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen für Bausparkassen etwas gelockert. Ab 2017 dürfen sie auch in Aktien investieren. Das war bisher untersagt. Die Anlage in die Anteilsscheine ist allerdings auf insgesamt 5 % der Zuteilungsmasse begrenzt. Ob der Spielraum ausreicht, um das Geschäftsmodell langfristig zu stabilisieren, bleibt abzuwarten.

Bisher freilich ist die Nachfrage nach Bausparverträgen ungebrochen. Die Landesbausparkassen (LBS) erzielten nach Angaben ihres Verbandes 2015 das zweitbeste Ergebnis ihrer Geschichte. Zwar nahm die Anzahl neu vereinbarter Verträge um 12,6 % ab, weil die durchschnittliche Bausparsumme aber um 14 % auf 35 800 € stieg, zog auch das Neugeschäft leicht auf 36 Mrd. € an. Ähnlich sind die Zahlen bei Schwäbisch Hall: 900 000 neue Sparverträge, 35 Mrd. € Volumen, zweitbestes Ergebnis der 85-jährigen Geschichte.

Aber weshalb schließen so viele Menschen einen Bausparvertrag ab? Noch nie waren Baudarlehen so billig wie heute. Gute Schuldner bekommen einen Kredit für unter 1 %. Offenbar erwarten viele Vertragsnehmer einen Anstieg des Zinsniveaus. Also sichern sie sich mit einem Bausparvertrag heute einen festen Kreditzins. In der aktuellen Minizinsphase fällt dieser Satz ebenfalls niedrig aus. Insofern ist ein Bausparvertrag eine Wette darauf, dass die Zinsen in Zukunft deutlich höher sind als heute. Das kann sein. Andererseits verfestigte sich zuletzt der Eindruck, dass die Flaute noch lange anhält.

Nachdem die amerikanische Notenbank im vergangenen November ihren Leitzins etwas angehoben hatte, gingen zahlreiche Beobachter auch für die Eurozone von einer Zinswende nach oben aus. Das Gegenteil ist eingetreten. In immer mehr Euroländern rutscht das Niveau in Richtung null, oftmals sogar in den Minusbereich. Und die US-Notenbank schiebt weitere Leitzinserhöhungen immer weiter hinaus. Auch wegen der „angetäuschten“ Zinswende verbuchten einige Bausparkassen nochmals ein gutes Neugeschäft. „Die Menschen spüren, dass das aktuell extrem niedrige Kapitalmarktzinsniveau kein Normalzustand ist und nutzen den Bausparvertrag, um sich gegen das Risiko steigender Zinsen abzusichern“, sagte LBS-Verbandsdirektor Axel Guthmann noch im Februar.

Für Sparer entscheidend ist aber auch der Guthabenzins, den Bausparkassen ihren Kunden in der Ansparphase zahlen. Und hier herrscht derzeit ebenfalls Dürre. Vergleichsportale im Internet weisen eine Spanne von 0,1 % bis 1,25 % aus. Den hohen Zins gewährt nur die LBS Hessen Thüringen – und auch nur für den Tarif Classic Young, also für Jugendliche und junge Erwachsene von 16 Jahren bis 25 Jahre. Der Verbraucherinformationsdienst Finanztipp nennt solche Tarife „Zinsrenner“. Diese Gruppe habe Anspruch auf staatliche Wohnungsbauprämie und könne nach der Zuteilung frei über das Guthaben verfügen. Zudem würden einige Kassen noch eine Bonusverzinsung oben drauflegen.

Die höchste Förderung erhielten Jugendliche und junge Erwachsene bei einem Sparbeitrag von 43 € pro Monat. Bei einer Spardauer von acht Jahren errechne sich daraus eine Bausparsumme von 9000 € bis 11 000 € je nach Anbieter. Alles, was Bausparer darüber hinaus einzahlen, werde nur mäßig verzinst und sei auf einem Tages- und Festgeldkonto meist besser aufgehoben. Insgesamt seien Renditen von bis zu 3,4 % möglich. Neben dem Tarif Classic Young empfiehlt „Finanztipp“ das Produkt BHW Prämienbausparen und Signal Iduna Freiraum F40. Bausparverträgen für Kinder oder Neugeborene dagegen seien keine guten Geschäfte. Der Grund: Der Guthabenzins ist einfach zu schlecht. Da bringen Tages- und Festgeldangebote auf Dauer mehr Ertrag.

Ohnehin sollten zukünftige Häuslebauer, die erst noch Kapital aufbauen müssen, vor dem Abschluss eines Bausparvertrages Angebote von Kreditinstituten einholen. „Mit Sparbriefen oder Festgeldern sind sie wegen der höheren Verzinsung auf einem besseren Weg“, sagt Stephan Scharfenorth, Geschäftsführer des Baufinanzierungsportals Baufi24.de. Zudem kosten solche Bankprodukte quasi nichts. Ein Bausparvertrag dagegen bringt nicht nur weniger Prozente, sondern verschlingt gleich zu Beginn eine Abschlussgebühr von in der Regel 1 % der Bausparsumme. Manche Kassen nehmen sogar 1,6 %. Ein Bausparvertrag startet also im Minus, was über die gesamte Ansparphase den Zinseszinseffekt mindert. Wegen der Gebühr sollte die Bausparsumme nicht zu hoch vereinbart werden. Auch bekommen Bausparer dann leichter einen Kredit. Denn sie müssen als Bedingung in der Regel 30 % bis 50 % der Summe ansparen. 

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