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Montag, 22. Januar 2018

Immobilien

Neue Leistungen der Makler

Von Sabine Philipp | 31. Juli 2015 | Ausgabe 31

Seit 1. Juni muss den Makler nicht mehr automatisch der Wohnungssuchende bezahlen, sondern der, der ihn beauftragt hat. Das hat die Immobilienvermittler dazu gebracht ihren Service auszuweiten. Befürchtungen, dass Vermieter die Kosten durch Mieterhöhungen umlegen, blieben unbegründet.

BU Bestellerprinzip
Foto: PantherMedia/Phovoi R.

Die Makler weiten ihren Service aus, denn bezahlen muss ihn heute nur noch, wer ihn beauftragt hat.

Das Bestellerprinzip stand kaum auf der Agenda, und schon machten Horrorszenarien die Runde. Da war von massenhaften Mieterhöhungen die Rede und von unseriösen Vermietern, die Interessenten den Maklerauftrag aufnötigen oder die überhöhte Ablösen für sperrmüllreife Küchen berechnen. Seit dem 1. Juni 2015 gilt nun das Bestellerprinzip für Mietwohnungen, wonach derjenige den Makler bezahlen muss, der ihn beauftragt. Und es wirkt offenbar.

„Wir haben keine größeren Unregelmäßigkeiten festgestellt. Das Gros der Makler hält sich an das Gesetz“, erklärt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Das Bestellerprinzip ist im Wohnungsvermittlungsgesetz (WoVermRG) verankert, die Regeln sind eindeutig. „Der Makler muss immer schriftlich beauftragt werden, und er darf keine Provision für Wohnungen fordern, die er im Bestand hat“, erklärt Barbara Schmid, Sprecherin des Portals immowelt.de. „Und was die im Vorfeld kolportierten Tricks von Vermietern anbelangt, die jetzt die Maklerprovision zahlen müssen: Die sind nicht neu und nicht erst seit gestern verboten. Als Mieter können Sie sich dagegen wehren“, sagt dazu Ropertz. Und Schmid: „Bei Ablösesummen gilt die Regel, dass die Gegenstände nur so viel kosten sollten, wie es dem Zeitwert entspricht. Wenn der Vertragspartner mehr als 50 % auf diese Summe aufschlägt, kann man das zu viel gezahlte Geld innerhalb von drei Jahren zurückfordern.“

Auch das Szenario, dass die Vermieter massenhaft die Miete erhöhen, um die Provision zu kompensieren, ist laut Schmid nicht eingetroffen. „Wir haben kürzlich eine Mietpreisanalyse durchgeführt, die das nicht bestätigen konnte.“ In besonders nachgefragten Regionen bestehe aber die Möglichkeit, dass sich die Vermieter verstärkt gegen eine erhöhte Fluktuation bei den Mietern schützen wollen, indem sie eine Mindestmietdauer in den Vertrag schreiben. Laut BGH-Urteil vom 8. Dezember 2010 darf ein solcher formularmäßiger Kündigungsverzicht höchstens vier Jahre ab Vertragsabschluss betragen.

Die Wohnungsvermittler haben ihr Portfolio an die neuen Erfordernisse angepasst. „Einige Makler bieten als besonderen Service eine Neuvermietungsgarantie an, d. h. wenn der Mieter innerhalb eines Jahres kündigt, suchen sie kostenfrei einen neuen Mieter“, erklärt Schmid. „Oder sie ergänzen ihr Angebot mit zusätzlichen Leistungen wie einer Mietausfallversicherung, die einspringt, wenn ein Mieter nicht zahlt.“

Andere bieten ihre Dienste als Suchmakler an. Suchmakler bekommen den Auftrag, Wohnungen in bestimmten Gegenden oder mit bestimmten Merkmalen zu suchen, z. B. Schulen oder Einkaufsmöglichkeiten in fußläufiger Nähe. Zielgruppe sind vor allem Menschen, die neu in eine Stadt ziehen und denen die Zeit für eine Wohnungssuche fehlt. Ein Markt mit Potenzial. „83 % der Mieter sind bereit, trotz des Bestellerprinzips einen Makler zu bezahlen, wenn er einen bestimmten Gegenwert liefert“, kommentiert Sprecherin Schmid. Immowelt.de hatte deutschlandweit 506 Mieter befragt. Laut Umfrage erwarten zwei Drittel für ihr Geld einen Rundumservice: Die Immobilienprofis sollen eine Vorauswahl treffen und Besichtigungstermine vereinbaren. 62 % verlangen Hilfe bei der Wohnungsübergabe, eine Kontrolle des Mietvertrags und Sicherheit bei rechtlichen Fragen. Unterstützung bei der An- und Ummeldung verschiedener Dienste wie Strom oder Telefon wünschen sich 20 %.

„Je umfangreicher und professioneller der Service des Immobilienmaklers ist, umso höher ist die Bereitschaft des Mieters, für seine Dienstleistung zu bezahlen“, kann auch Kai Enders, Vorstandsmitglied der Engel & Völkers AG, bestätigen. Er ist sich sicher, dass sich die Maklerbranche durch die Neuregelung stark verändern wird. „Der Konkurrenzkampf wird größer, aber am Ende wird sich Qualität durchsetzen. Bei Engel & Völkers empfinden wir die Auswirkungen deshalb nicht als Bedrohung, sondern als Chance, uns von anderen Maklern abzuheben und mit unserem Service zu überzeugen.“ Das Image der Branche sei lange Zeit eher negativ gewesen und von Maklern geprägt, die keine umfassende und qualifizierte Dienstleistung erbringen. „Ihnen wird durch die Neuregelung die Geschäftsgrundlage entzogen. So hat das Bestellerprinzip auch einen reinigenden Effekt auf unsere Branche“, so Enders.

Das Karussell dreht sich weiter. Laut Dachverband Deutscher Immobilienverwalter (DDIV) gibt es bereits einen Referentenentwurf zu einem Gesetz zur Einführung einer Berufszulassungsregelung für gewerbliche Immobilienverwalter und Makler. Sie sollen künftig einen Sachkundenachweis, ihre Zuverlässigkeit, geordnete Vermögensverhältnisse sowie eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung vorlegen, bevor sie eine Gewerbeerlaubnis erhalten. Der Verband geht davon aus, dass die Regelung am 1. Januar 2016 verkündet wird. Martin Kaßler, Geschäftsführer des DDIV, erklärt: „Aktuell ist vorgesehen, dass das Gesetz neun Monate nach Verkündung in Kraft tritt und die bereits jetzt am Markt tätigen Verwalter danach sechs Monate Zeit haben, die neu eingeführte Gewerbeerlaubnis zu beantragen.“ Ähnliches gilt für Makler.

 

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