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Dienstag, 23. Januar 2018

Versicherung

Riester-Rente droht 2015 der Kahlschlag

Von Heinz-Josef Simons | 24. Oktober 2014 | Ausgabe 43

Mit rund 16 Mio. Verträgen ist die Riester-Rente die beliebteste private Altersvorsorge. Doch mit der Absenkung des Garantiezinses bei Lebens- und Rentenversicherungen zum 1. Januar 2015 wird der Neuabschluss eines Riester-Vertrags weit weniger lukrativ. Für ältere Kunden wird das Riester-Angebot dann wohl stark dezimiert.

Riester-BU
Foto: mauritius images/Fancy

Riester-Rente gefällig? Die Zahl der Policen, die Versicherer, Fonds und Banken an den Mann bringen könnten, sank in den letzten Jahren stetig.

Die aktuelle Statistik des Bundesministeriums für Arbeit ist auf den ersten Blick beeindruckend. Mit Stichtag 30. Juni 2014 zählten die Ministerialen in Berlin 15 969 Mio. Riester-Verträge. Platzhirsche sind seit dem ersten Riesterjahr 2001 die Versicherer mit knapp 10,9 Mio. Policen. Gefolgt von den Fondsgesellschaften mit gut 3 Mio. Verträgen. Nahezu 1,3 Mio. Menschen zwischen Pinneberg und Passau wohnriestern, und gut 800 000 Riester-Verträge konnten Banken und Sparkassen an Mann und Frau bringen. Sind Riester-Verträge also das Erfolgsmodell schlechthin der eigenen Altersvorsorge? Seit dem Jahr 2011 offenbar nicht mehr.

Die Riester-Rente

Ein genauer Blick auf die Zahlen des Arbeitsministeriums zeigt nämlich, dass das Riester-Neugeschäft längst seinen Zenit überschritten hat, somit auch die Zahl bestehender Verträge nur noch mühsam wächst. Das gilt insbesondere für die Versicherer. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wurden im Jahr 2007 mit knapp 2,1 Mio. Policen die meisten Riester-Verträge neu abgeschlossen. In 2008, dem ersten Jahr der weltweiten Finanzkrise, waren es genau eine halbe Million weniger und in 2009 nochmals 400 000 weniger. Eine scheinbar unaufhaltsame Erosion des Neugeschäfts, denn nach GDV-Statistik entschieden sich im Jahr 2013 nur noch 453 000 Menschen neu fürs Riestern.

Saldiert man den vom Bundesarbeitsministerium erfassten Riesterbestand zum 31. 12. 2013 mit dem Ende des 1. Halbjahres 2014, ergibt sich sogar ein Minus von rund 45 000 Verträgen. Das Riester-Neugeschäft in den ersten sechs Monaten konnte die Vertragskündigungen während der gleichen Zeit nicht auffangen. Sobald ab 1. Januar 2015 der Höchstrechnungszins, landläufig auch „Garantiezins“ genannt, bei Kapitalversicherungen auf 1,25 % gesenkt wird, dürften sich der Schwund beim Vertragsbestand und insbesondere der beim Neugeschäft beschleunigen. Gleichwohl gilt: „Die Zinssenkung betrifft nicht laufende, sondern ausschließlich nach dem 31. 12. 2014 neu abgeschlossene Verträge“, betont GDV-Sprecherin Una Großmann. Wer also schon seit Längerem einen Riester-Vertrag hat, profitiert von deutlich höheren Garantiezinsen. Besagter Höchstrechnungszins betrug z. B. in 2001, dem ersten Riester-Jahr, 3,25 %. Danach folgten stetige Absenkungen in jeweils 0,5 Prozentpunkt-Schritten – zuletzt zum 1. Januar 2012 auf die derzeit noch gültigen 1,75 %.

Gesenkt wird und wurde der Garantiezins, da es im aktuellen Niedrigzinsumfeld immer schwieriger ist, die den Kunden versprochene Rendite zu erzielen. Doch die Senkung löst nicht alle Probleme der Versicherer. So verlangt der Gesetzgeber, dass das Riester-Vermögen zum Zeitpunkt des Rentenbeginns mindestens die Summe der bis dahin eingezahlten Beiträge und erhaltenen staatlichen Zulagen erreicht. „Bei vergleichsweise kurzen Vertragslaufzeiten ist dies wegen der Abschluss- und Verwaltungskosten, die der Riester-Sparer übernehmen muss, eher unwahrscheinlich. Ich erwarte, dass die meisten Versicherer Riester-Verträge mit kurzen Laufzeiten ab dem nächsten Jahr nicht mehr anbieten werden“, sagt Axel Kleinlein Vorstandsvorsitzender des Bundes der Versicherten.

Jedes Riester-Produkt muss staatlich zertifiziert sein, bevor es verkauft werden darf. Und eines der Zertifizierungskriterien, die Anbieter erfüllen müssen, ist eben die Beitrags- und Zulagengarantie zu Rentenbeginn. Den Break-even bei der Vertragslaufzeit kann auch Verbraucherschützer Kleinlein nicht nennen. „Denn der hängt maßgeblich von der Kostensituation des jeweiligen Versicherers ab.“

Versicherer zahlen die Kosten bekanntlich nicht aus eigener Tasche, sondern wälzen diese auf ihre Kunden ab. So will der Vermittler eines Riester-Vertrages bezahlt werden, ebenso die Mitarbeiter des Innendienstes. Folge: Nur ein Teil des Riester-Beitrags (inklusive staatlicher Zulagen) wird rentierlich angelegt. Der Ertrag (Garantiezins und Überschussbeteiligung) muss also dafür sorgen, dass über die Laufzeit hinweg am Ende die Gesamtbeiträge und die Summe aller Zulagen erhalten bleiben. Bei dem künftig noch niedrigeren Höchstrechnungszins und den schwindenden Überschüssen kann das aber ein paar Jahrzehnte dauern.

Letztlich bestimmt also die Höhe der Kosten, ab welcher Vertragslaufzeit sich das Riestern noch lohnt bzw. ob es überhaupt noch angeboten wird. Seit Jahren drehen die Versicherer mit Verve an der Kostenschraube, damit ihre Leben- und Rententarife noch halbwegs wettbewerbsfähig bleiben. GDV-Sprecherin Una Großmann: „Die Verwaltungskostenquote, bei der die Kosten ins Verhältnis zu den gebuchten Bruttobeiträgen gesetzt werden, beträgt heute im Schnitt 2,3 %. Im Jahr 1985 lag die Quote noch bei mehr als 6 %.“

Geschafft hat das die Versicherungsbranche nach GDV-Erkenntnissen durch schlankere Arbeitsabläufe dank stetig verbesserter IT. Insbesondere aber dank eines teils drastischen Personalabbaus im Innendienst. Ob hier das Ende der Fahnenstange erreicht ist, bezweifeln Branchenkenner. Denn eben aufgrund des historisch niedrigen Zins- und Renditeniveaus sowie des harten Wettbewerbs sind der Kostendruck und der Zwang zu weiteren Einsparungen eher noch größer geworden.

Das werden wohl schon bald auch die Vermittler und Policenverkäufer zu spüren bekommen. Ein offenes Geheimnis ist, dass die Versicherer die Provisionen für den Außendienst spürbar beschneiden wollen und auch werden. Schützenhilfe kommt vom Gesetzgeber mit dem vor ein paar Monaten verabschiedeten „Lebensversicherungsreformgesetz“  (LVRG). Darin steht unter anderem, dass Versicherer nur noch höchstens 25 Promille Provision für den Außendienst (gemessen am Gesamtbeitrag während der Vertragslaufzeit) steuerwirksam bilanzieren dürfen.

Wer mehr zahlen möchte, kann das zweifellos tun. Aber höhere Abschlussprovisionen wirken sich dann nicht mehr positiv auf die Bilanz aus. Doch auch wenn die Vermittlerlobby, allen voran Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute e. V. (BVK), Sturm laufen – früher oder später werden wohl alle Versicherer die Provisionen für den Außendienst kürzen, damit ihre Riester- und sonstigen Rententarife nicht zu Ladenhütern werden.

Unter dem Strich bleibt: Für Berufseinsteiger und andere jüngere Menschen bis 40 dürfte es auch künftig mehr als genug Versicherungsangebote fürs Riestern geben. In die Röhre schauen wird voraussichtlich die Generation 50+. Angesichts einer in der Regel recht kurzen Vertragslaufzeit bis zum Renteneintritt dürfte es für sie nur noch vereinzelt Riester-Tarife von Versicherern geben. Vernünftige Alternative: Riester-Verträge von Banken und Sparkassen. Doch auch hier sind ähnlich hohe Erträge wie noch vor zehn Jahren ausgeschlossen.

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