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Donnerstag, 21. März 2019

Immobilien

Sparen ist Einstellungssache

Von Peter Trechow/Stefan Asche | 3. Februar 2012 | Ausgabe 5

Passivhäuser sind Exoten. Im Bestand dominieren schlecht isolierte Häuser mit veralteter Heizungstechnik. Auch wer energetisch saniert und auf Brennwerttechnik umstellt, ist nicht vor Verschwendung gefeit. Erst im gut abgestimmten System entfalten sie ihr volles Potenzial.

Selbst erklärte Ökologen unter den Bauherren neigen zum Pragmatismus, wenn es an die Energieplanung ihrer Immobile geht. Hintergrund: Ihre Budgets erlauben es nicht, ein KfW-Effizienzhaus 40 oder gar ein Passivhaus aufzustellen. Und so setzt sich fort, was im Gebäudebestand die Regel ist: Zum Heizen wird mehr Energie eingesetzt als nötig.

Was den Immobilienbesitzern bleibt ist eine schrittweise Modernisierung bzw. Sanierung. Und dieser Weg wird oft gegangen: Laut einer aktuellen Roland-Berger-Studie wuchs der Markt für Effizienzmaßnahmen im Immobiliensektor letztes Jahr um 2 Mrd. € auf 41 Mrd. €. Knapp die Hälfte des Betrags floss in die technische Gebäudeausrüstung und rund 40 % Wärmedämmung. Bis 2020 erwarten die Berater ein Marktvolumen von gut 76 Mrd. €.

Die Ergebnisse dieser Bemühungen sind allerdings oft ernüchternd. "Wenn sich Räume nach der energetischen Sanierung nicht mehr auf 26 °C heizen lassen, wird oft gefordert, die Sanierung rückgängig zu machen", berichtet der Aachener Ingenieur Dietrich Beitzke, der Heizungsanlagen optimiert. Dabei gehe es doch gerade darum, überschüssige Reserven zu minimieren und Heizungen bedarfsgerecht auszulegen.

Beitzke trifft häufig auf Objekte, deren Heizungsanlagen mit Brennwertkesseln nachgerüstet sind. Auf dem Prüfstand nutzen solche Kessel den Energiegehalt des jeweils eingesetzten Brennstoffs nahezu komplett (etwa 98 %), indem sie Kondensationsverluste über das Abgas vermeiden. Doch der beste Brenner bewirkt ohne die richtige Systemanbindung wenig. "Der Abgleich mit Wärmemengenzählern ergibt oft, dass vom eingesetzten Brennwert nur zwei Drittel in den Räumen ankommen", berichtet er.

Meist ist es möglich, die Verluste zu minimieren. Erster Ansatz dazu ist ein hydraulischer Abgleich. Er zielt darauf ab, dass in jedem Heizkörper exakt die nötige Menge Warmwasser ankommt – und zwar im Raum neben der Heizung ebenso wie im letzten Winkel des dritten Geschosses. "Ohne Regelung strömt das Wasser bei nahen Heizkörpern mit 60° C rein und mit 58° C raus, während die Temperaturspreizung mit der Entfernung steigt", so der Experte. Eine optimierte Hydraulik reguliert die Spreizung systemübergreifend auf ein Verhältnis 60° C/45° C, indem der vorher berechnete Durchfluss mit Differenzdruckreglern oder Volumenstrombegrenzern eingestellt wird.

Sparsamer Betrieb setzt auch voraus, dass ein Kessel nur heizt, wenn in den Wohnungen Wärme abgenommen wird – also kühles Wasser zurückströmen kann. "Brennwertkessel arbeiten nur dann effektiv, wenn sie kaltes Rücklaufwasser bekommen. Der übliche Start-Stopp-Betrieb mit hohen Temperaturen muss vermieden werden", erklärt der Fachmann. Mit einer intelligenten Steuerung lassen sich 18 000 der üblichen 20 000 Starts pro Jahr vermeiden. Der Kessel läuft dann länger, arbeitet aber effizienter.

Individuell angepasste Hydraulik und Steuerungstechnik haben einen weiteren Vorteil: Einstellungen lassen sich gezielt korrigieren, statt das Gesamtsystem per Heizungspumpe unter Druck zu setzen. Ein wichtiger Punkt, denn trotz 30 Jahren Erfahrung muss sich auch Beitzke häufig ans Optimum herantasten. "Eine exakte Wärmebedarfsberechnung sprengt das Budget typischer Sanierungsprojekte", sagt er. Statt dessen lässt er Anlagen anfangs auf niedrigem Niveau laufen – und erhöht die Wärmeleistung dann schrittweise, bis alle Nutzer zufrieden sind.

Bleibt die Frage, was es bringt. Eine Hausgemeinschaft in Langenfeld hat kürzlich 15 000 € in eine solche Optimierung investiert, samt Austausch des überdimensionierten 40-kW- Heizkessels gegen einen 30-kW-Kessel. Vergleichende Messungen am Gaszähler und an Wärmemengenzählern belegen, dass der Jahresnutzungsgrad der Anlage von 51 % auf 96 % gestiegen ist. Gleich im ersten Betriebsjahr lief eine Rückzahlung von 1256 € ein. "Und den neuen Kessel brauchten die eh", so Beitzke.   PETER TRECHOW/sta