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Samstag, 20. Januar 2018

Investoren aufgepasst

„Trampelstrom“ lädt Smartphone

Von Peter Trechow | 20. Februar 2015 | Ausgabe 08

Auf einer langen Radtour hatte der Lübecker Ingenieur Rainer Schirmer die Idee zu seinem mittlerweile patentierten System „Bicycle Smart Power“. Es zapft Nabendynamos von Fahrrädern an, um Smartphone, Tablet & Co. zu laden. Für den Einstieg in die Produktion sucht der Gründer Investoren mit Branchen-Know-how.

Inv BU
Foto: Schirmer

Einfach und robust: Das Smartphone wird am Lenker gehalten von einer Metallplatte, Kabelbindern und Magnetfolie.

Radtouren sind immer noch ein Naturerlebnis. Doch etwas ist anders als früher: Radler haben heute Smartphones, Navigationssysteme und Digitalkameras dabei. Und denen geht unterwegs immer dann der Strom aus, wenn sie gebraucht werden.

Rainer Schirmer, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule Lübeck mit Spezialgebiet Prozessortechnik und Programmierung, kennt das Problem. Mit seiner Frau tourt er in Urlauben mit Fahrrad und Zelt kreuz und quer durch Europa. „Steckdosen gibt es nur am Campingplatz – und da muss man beim Laden danebenstehen, damit die Geräte nicht wegkommen“, sagt er.

Foto: Schirmer

„Schon eine 20-minütige Fahrt reicht, um mein leeres Smartphone zu einem Fünftel zu laden.“ Rainer Schirmer, Gründer von Bicycle Smart Power.

Auf einer seiner Touren hatte der 62-jährige Ingenieur die Idee zu seinem patentierten Ladesystem „Bicycle Smart Power“. Über eine USB-Schnittstelle lädt es Smartphone & Co. unterwegs mit Strom aus dem Nabendynamo. Das Laden beginnt ab 7 km/h. Bei 18 km/h fließen bei eingeschalteter Fahrradbeleuchtung 80 mA bis 160 mA. Die Obergrenze liegt bei 500 mA. „Eine 20-minütige Fahrt zur Hochschule reicht, um mein leeres Smartphone zu einem Fünftel zu laden“, berichtet der Tüftler. Regen könne der voll vergossenen Elektronik nichts anhaben.

Bei der Entwicklung musste Schirmer nicht bei null anfangen. Er betreibt nebenher ein Ingenieurbüro, mit dem er für einen Kunden aus der Medizintechnikbranche ein Gerät für mobile Einsätze erarbeitet hat. „Ein Mehrprozessorsystem auf Basis von sogenannten Field Programmable Gate Arrays – also integrierten Schaltkreisen“, erklärt er. Die Ziele dieser Entwicklung deckten sich mit seinem Fahrradladeprojekt: robuste Auslegung, effiziente Ladetechnik sowie intelligentes Energiemanagement. Bei dem Fahrrad-Ladesystem kam noch ein Wechselrichter hinzu, der die Wechselspannung des Dynamos mit 95%igem Wirkungsgrad in Gleichspannung für die Akkus wandelt. Im Sinne der Lebensdauer setzt Schirmer im Wechselrichter auf hochwertige Halbleiter und vergoldete USB-Kontakte. Zudem hat er einen Überspannungsschutz in sein System integriert, damit die Geräte bei der mit dem Fahrttempo schwankenden Stromzufuhr keinen Schaden nehmen können.

Herausgekommen ist ein miniaturisiertes Ladesystem mit standardisierter 5-V-USB-Schnittstelle. Schirmer hat die Ladeelektronik in eine Halterung integriert, an der sich Smartphones am Lenker andocken lassen. Damit es universell einsetzbar ist, hat der Ingenieur hier eine bewusst einfache Konstruktion gewählt: im Grunde handelt es sich um eine Metallplatte, die mit Kabelbindern am Lenker fixiert wird. Smartphone & Co. werden per Magnetfolie daran fixiert. „Das hält selbst bei Stürzen“, so der Ingenieur. Die komplette Montage des Ladesystems inklusive Verkabelung und Anschluss am Nabendynamo sei auch für Laien in wenigen Minuten erledigt. Alles in allem wiegt das aktuelle System 200 g.

Schirmer hat bereits eine mittlere fünfstellige Summe in Entwicklung, die Produktion der ersten 1000 Elektronikmodule und die Patentierung investiert – und dafür einen Kredit aufgenommen. Vor dem Markteintritt steht jetzt eine weitere große Investition an: Um die Hardware im Spritzguss zu fertigen, muss eine Gussform her. „Die kostet nach meinen Recherchen abhängig von der geplanten Stückzahl einige zehntausend bis hunderttausend Euro“, berichtet er. Das ist mehr, als er privat vorfinanzieren kann.

Der Gründer sucht deshalb Investoren, die Branchen-Know-how im Fahrradbereich mitbringen. Auch internationale Kontakte – besonders in den großen Fahrradnationen Asiens – wären hilfreich. Denn der Lübecker rechnet sich dort gute Chancen für seine Ladetechnik aus. „Fahrräder und Smartphones gibt es heute überall. Ich habe eine Lösung, um beides zusammenzubringen – und die mobilen Geräte so unabhängiger von Stromnetzen zu machen“, sagt er.

http://www.bicycle-smart-power.de

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