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Sonntag, 21. Januar 2018

Konto

Umzugshilfe für Girokonten

Von Sabine Philipp | 26. Februar 2016 | Ausgabe 08

Beim Energieversorger ist der Anbieterwechsel eine leichte Sache. Das soll jetzt durch ein Gesetz auch beim Girokonto so werden.

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Foto: alimdi.net/Torsten Becker

Der Wechsel der Hausbank und des Girokontos war für Sparer bisher eine Mammutaufgabe, die viele scheuten.

Wer mit seinem Girokonto zu einem anderen Institut wechseln möchte, der hat was zu erzählen. Es fängt damit an, dass der Wechselwillige alle Unternehmen informieren muss, die Lastschriften einziehen. Wobei nicht immer klar ist, an wen er sich wenden soll. Denn wenn ein Vertrag schon länger läuft, gibt es meist einen anderen Sachbearbeiter. Dann muss er noch sämtliche Daueraufträge kündigen und neu einrichten. Wird einer übersehen, droht eine Mahnung. Wer es verpasst, einen Auftrag zu kündigen, überweist doppelt. Kein Wunder, dass viele Menschen diesen Stress lieber vermeiden möchten. Selbst wenn sie mit einem anderen Anbieter liebäugeln. Laut einer Studie der Plattform Toluna sind das immerhin 58 %. Zwei von fünf Wechselwilligen ist es aber schlicht zu aufwendig, Daueraufträge, Lastschriftverfahren und Kontovorlagen neu einzurichten und Zahlungspartner wie den Arbeitgeber zu informieren. Insgesamt wurden 1011 Deutsche ab 18 Jahren befragt.

Ab dem 18. September soll das anders werden. Bis dahin ist das Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie über die Vergleichbarkeit von Zahlungskontoentgelten, den Wechsel von Zahlungskonten sowie den Zugang zu Zahlungskonten mit grundlegenden Funktionen, kurz Zahlungskontengesetz genannt, in deutsches Recht umzusetzen. „Dem Gesetzentwurf zufolge müssten Zahlungsdienstleister ihren Kunden dann innerhalb einer bestimmten Zeitspanne Kontenwechselhilfe gewähren“, erklärt Toralf Richter vom Verbraucherportal Verivox. Und konkretisiert: „Der alte Dienstleister muss dann in spätestens fünf Tagen eine Übersicht mit allen Daueraufträgen, Lastschriften und eingehenden Überweisungen der vergangenen 13 Monate vorlegen. Der neue Dienstleister wird dazu verpflichtet, innerhalb von fünf Tagen die Daueraufträge zu ändern und die neue Kontoverbindung den Lastschriftempfängern bzw. den Zahlungspartnern, die Geld überweisen, mitzuteilen.“

„Für den Kunden wird es dann sehr viel einfacher“, ergänzt Ralf Wessels von Sopra Steria Consulting. „Es wird vorgegeben, in welchem Zeitraum die Zahlungsdienstleister aktiv werden müssen und wie das Formular aussehen muss, mit dem sie der Neukunde ermächtigt, die nötigen Schritte zu unternehmen – vom Einholen der Informationen bis hin zur Kündigung der alten Daueraufträge.“ Eine Übersicht mit den bestehenden Aufträgen soll auch an den Kunden gehen. „Die müsste er gegenchecken. Erst wenn er sein Okay gibt, würde es losgehen“, so Wessels.

„Im Augenblick befindet sich das Gesetz noch im legislativen Entstehungsprozess, das heißt, dass noch über Details verhandelt wird“, bemerkt Lars Hofer vom Bankenverband. Es sei aber klar, wohin die Reise gehe. Denn es handele sich um eine EU-Richtlinie, deren Vorgaben in nationales Recht umgesetzt werden müssen.

„Im Fall des Zahlungskontengesetzes sind das vor allem die Themen Kontenwechselservice, Entgelttransparenz und das Recht auf ein Basiskonto für alle Menschen, die legal in der Europäischen Union leben. Auch bekannt als Girokonto für jedermann“, erklärt Hofer.

Mit dem „Girokonto für jedermann“ sollen Basiszahlungsdienste wie Ein- und Auszahlungen, Überweisungen und Lastschriften möglich sein. Daneben hätten die Inhaber Anspruch auf eine Zahlungskarte auf Guthabenbasis. Die Regelungen sollen am 18. September in Kraft treten.

Bei der Entgelttransparenz geht es hingegen darum, dass die Verbraucher einen Überblick über die tatsächlichen Kosten der verschiedenen Girokonten bekommen sollen. Es ist vorgesehen, dass die Geldinstitute jeden einzelnen Posten bzw. die Kosten und Bestandteile von Diensten, die in Paketen angeboten werden, auflisten und jedem Interessenten zur Verfügung stellen müssen. Darüber hinaus sollen sie verpflichtet werden, ihre Kunden bei Vertragsbeginn, und dann mindestens einmal pro Jahr, sowie bei Vertragsende über die Kosten und Gebühren zu informieren.

„Um die Konditionen vergleichbar zu machen, müssen die Institute eine standardisierte Zahlungskontenterminologie verwenden“, kommentiert Ralf Wessels. „Die wird noch von der European Banking Authority (EBA) erarbeitet. Die Regelung selbst soll spätestens am 18. Juni 2017 in Kraft treten.“

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Internetplattformen die Konditionen vergleichen und in Form von Rankings veröffentlichen. Daran hat auch der Gesetzgeber gedacht. Damit es fair zugeht, gibt er einen rechtlichen Rahmen für solche Portale vor.

Dem Gesetzentwurf zufolge müssen sie neben den diversen Kosten mindestens auch das Filial- und Geldautomatennetz sowie den Sollzinssatz für eingeräumte Überziehungsmöglichkeiten vergleichen. Sie sollen außerdem unabhängig betrieben werden, ihre Vergleiche auf klare und objektive Kriterien stützen und genügend Zahlungskontenangebote enthalten, damit ein wesentlicher Teil des deutschen Markts abgedeckt werde.

Zurück zum Thema Kontenwechselhilfe. Schon heute bieten einige Institute ihren Neukunden gute Services an. „Viele Direktbanken, aber auch einige klassische Geldinstitute holen bereits die notwendigen Informationen ein und kontaktieren die Zahlungspartner“, erläutert Wessels. Im Hintergrund hätten sich oft innovative Fintechs aufgestellt, mit Datenbanken, die die Ansprechpartner von Stadtwerken, Kfz-Versicherungen und anderen Unternehmen speichern, die per Lastschrift Geld einziehen. Die würden bei einem Wechsel automatisch kontaktiert und über die neuen Verhältnisse aufklärt.

Der technische Fortschritt macht vieles möglich. Trotzdem: Ein zusätzlicher Blick auf die Umsätze der vergangenen Jahre schadet nie. Denn es werden ja nur die Daten der letzten 13 Monate kontrolliert. Manchmal sind die Intervalle länger. Etwa bei Freiberuflern, die vielleicht nur alle zwei, drei Jahre mit einem Kunden zusammenarbeiten. Der wird bei einer Benachrichtigungswelle im Rahmen des Kontoumzugs schnell vergessen. Für Rechnungsschreiber, die am besten noch in fetten Lettern auf die neue Nummer hinweisen, wird das wahrscheinlich weniger ein Problem sein. Wenn aber die Buchhaltung des Kunden die Honorarberechnung übernimmt und das Geld an eine hinterlegte Kontonummer überweist, kann es sehr wohl eins werden.

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