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Sonntag, 21. Januar 2018

Finanzierung

Zeitbombe Pensionsversprechen

Von Christoph Böckmann | 13. März 2015 | Ausgabe 11

Lufthansa schockt seine Aktionäre: Die Fluggesellschaft streicht die Dividende. Schuld daran sind unter anderem die hohen Pensionsverbindlichkeiten des Konzerns. Kein Einzelfall. Denn im letzten Jahr stiegen die Pensionsverpflichtungen der Dax-Konzerne um 29,1 %, die der MDax-Unternehmen um 29,3 %.

So rechnet Towers Watson in einer Studie. „Die Ursache lässt sich in zwei Worte zusammenfassen: Mario Draghi“, sagt Thomas Jasper, der bei der Unternehmensberatung den Bereich Retirement Solutions leitet. Denn die ultralockere Geldpolitik des EZB-Chefs drücke den Zins nach unten, mit dem die Unternehmen bisher für ihre Rücklagen rechneten.

Foto: Geneon

„Ihre Pensionsversprechen könnten einige Unternehmen in die Pleite treiben.“ Uwe Eilers, Vorstand der Geneon Vermögensmanagement AG.

Ein Beispiel aus der Praxis nennt Uwe Eilers, Vorstand der Geneon Vermögensmanagement AG: „Wer seiner Führungskraft eine betriebliche Rente von 5000 € versprochen hat, muss heute 1 Mio. € zurücklegen, während vor wenigen Jahren dafür schon 700 000  € reichten.“ Vielen Mittelständlern sei nicht klar, was da für Zeitbomben in ihren Büchern schlummern. Denn das durch die Niedrigzinsphase entstehende Defizit müsse dann aus dem operativen Geschäft bezahlt werden. „Das kann einige Unternehmen in die Pleite treiben, wenn nicht frühzeitig gegengesteuert wird“, so Eilers.

Der Vermögensverwalter rät den Firmen jetzt zu überprüfen, ob ihr hinterlegtes Kapital bei der aktuellen Verzinsung reiche, um ihre zukünftigen Verpflichtungen zu erfüllen. Darüber hinaus empfiehlt er, über neue Angebote der Betrieblichen Altersvorsorge (BAV) nachzudenken. „Das Instrument der BAV ist geeignet, um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen.“ Gerade für Führungskräfte, die im Alter ihren Lebensstandard halten wollen, sei sie unverzichtbar. Doch eine feste Rente zu versprechen, wäre der falsche Weg. Durch die niedrigen Zinsen, die uns noch lange begleiten werden, trägt das Unternehmen ein hohes Ausfinanzierungsrisiko.“ Eilers spricht sich für eine beitragsorientierte und wertpapiergebundene Pensionszusage aus. Das heißt: Das Unternehmen legt für seinen Vorstand oder Mitarbeiter z. B. monatlich bestimmte Beträge zurück. Dieses Geld wird dann von einer Bank oder einem Vermögensverwalter nach Maßgabe der Firma angelegt, etwa in verschiedene Fonds, Aktien, Anleihen oder Gold. Bei Renteneintritt erhält der Begünstigte dann die gesamte Summe, jährliche Teilbeträge oder monatliche Renten, deren Höhe von den erzielten Gesamtvermögen abhängt. Dieses sei meist höher als die Ausschüttungen der teuren und damit nicht selten unrentablen Lebensversicherungen, die vielen BAVs zugrunde lägen, berichtet Eilers. Und das Unternehmen sei mit dieser Lösung für neu einzurichtende Pensionen das Zinsrisiko los.   

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