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Donnerstag, 21. Februar 2019

Mikroelektronik

100 Mrd. € für Europas Halbleiterindustrie

Von Thomas A. Friedrich | 31. Mai 2013 | Ausgabe 22

Europa soll seine Position in der Halbleiterindustrie und Chipfertigung mit Milliardeneinsatz zum Global Player ausbauen. Mit einer europäischen Industriestrategie will die EU-Kommission bis 2020 durch gezielt eingesetzte öffentliche Fördermittel hohe Privatinvestitionen initiieren und so Europas Elektronikindustrie wettbewerbsfähiger machen.

"Wenn anderswo massiv in Computerchips investiert wird, darf Europa nicht zurückstehen. Wir müssen unsere Stärken ausbauen und bündeln und neue Kompetenzen entwickeln", sagte die für die Digitale Agenda zuständige EU-Kommissarin, Neelie Kroes, bei der Vorstellung der industriepolitischen Strategie für die Elektronik in der vergangenen Woche in Brüssel. (s. Interview).

Damit dieser Wandlungsprozess funktioniere, müsse eine zügige und enge Koordinierung der öffentlichen Investitionen auf Ebene der Mitgliedstaaten der Regionen und der EU auf den Weg gebracht werden. Die europäische Elektronikbranche stütze als Schlüsseltechnologie alle treibenden Wirtschaftszweige in Europa: von der Automobilindustrie über die Energieversorgung bis hin zur Gesundheitsfürsorge. Die Elektronikbranche sei für mehr Wachstum und mehr Beschäftigung daher unverzichtbar.

Die Elektronikstrategie der Kommissarin verfolgt folgende Ziele: Investitionen in Forschung, Entwicklung und Innovation sollen unter den Mitgliedsländern besser koordiniert und die grenzübergreifende Zusammenarbeit intensiviert werden. Dabei sollen 70 % der Investitionen von den EU-Staaten und 30 % von der EU-Ebene kommen. Die existierenden europäischen Weltklasse-Elektronik-Cluster Dresden, Eindhoven und Leuven sowie Grenoble sollen mit anderen führenden europäischen Clustern in Cambridge, Kärnten, Dublin und Mailand stärker verzahnt werden.

Im Mittelpunkt der industriepolitischen Entwicklung steht dabei zunächst die Herstellung billigerer Chips. Hier soll vor allem der Übergang zu 450-mm-Silikon-Wafern, dem Ausgangsmaterial zur Chipfertigung, vorangetrieben werden. Weiter sollen in Europa schnellere Chips und intelligentere Chips produziert werden.

Aus dem neuen EU-Forschungsrahmenprogramm "Horizon 2020" für den Zeitraum 2014 bis 2020 sollen insgesamt 10 Mrd. € für eine Reihe von noch zu definierenden gemeinsamen Forschungs- und Innovationsschwerpunkten bereitgestellt werden. Weitere 5 Mrd. € sollen im gleichen Zeitraum von Private-Public-Partnership-Projekten zwischen Industrie und öffentlichen Forschungslabors initiiert werden. "Mit dieser Strategie wird die europäische Industrie besser aufgestellt, um Innovationen in kommerziell nutzbaren Techniken und Anwendungen schneller marktreif zu entwickeln", betonte Kroes.

Von der erfolgreichen Umsetzung der Strategie erhofft sich die EU-Kommission bessere Verfügbarkeit der Mikro- und Nanoelektronik für europäische Schlüsselindustrien, eine erweiterte Lieferkette und ein ökologischeres Wirtschaften mit mehr Chancen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Gleichzeitig verspricht sich Brüssel höhere Investitionen in eine hoch entwickelte Fertigung.

Der ehrgeizige Fahrplan und verstärkte Mitteleinsatz von insgesamt 100 Mrd. € geht auf Empfehlungen von Praktikern aus der Elektronikindustrie zurück. Ende 2012 legte eine Expertengruppe aus Industrie und Wissenschaft einen Maßnahmenkatalog vor, wie eine Gesamtinvestition in Höhe von 100 Mrd. € zwischen 2013 und 2020 für frischen Schub zugunsten der europäischen Elektronikindustrie zusammengebracht werden könnte.  THOMAS A. FRIEDRICH