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Dienstag, 23. Januar 2018

Mobilfunk

Appetit auf Standortdaten

Von Chr. Schulzki-Haddouti | 29. April 2011 | Ausgabe 17

Zwar widerspricht Apple der bösen Absicht, doch auf iPhones und iPads werden Standortdaten von Nutzern erhoben und gespeichert. Rechtlich ist dies in Deutschland umstritten. In den USA bereiten Verbraucher dagegen bereits eine Sammelklage vor.

Bewegungen von Handynutzern werden ständig erfasst. Die Standortdaten fallen bei den Telekommunikationsbetreibern an, da sie für die Aufrechterhaltung der Kommunikation notwendig sind. Jetzt entwickeln allerdings auch die Hersteller der Handygeräte Appetit auf die Daten.

Zwar ließ Apple am Mittwoch kurz vor Redaktionsschluss verkünden, dass keine Bewegungsprofile von Nutzern der Produkte iPhone und iPad gespeichert würden. Die Technologie sei missverstanden worden, lautet eine Stellungnahme. Doch, was zwei Handyentwickler zur Osterzeit veröffentlichten, schreckte Nutzer auf.

Die beiden fanden heraus, dass Apples iPhones den Aufenthaltsort ständig aufzeichnen und die Daten dauerhaft speichern. Sie programmierten flugs eine Software namens "iPhone-Tracker", mit der jeder feststellen kann, welche Daten auf dem eigenen Handy gespeichert sind. Dabei handelt es sich aktuellen Erkenntnissen nach vor allem um die Funkmasten der Mobilfunkprovider, weswegen die gespeicherten Ortsangaben um viele Kilometer ungenau sein können. Bei jeder Datensynchronisierung werden die Daten außerdem auf der Festplatte des PCs oder Macs gespeichert.

Ein jetzt bekannt gewordener Patentantrag für eine neue Version des iPhone-Betriebssystems sieht vor, die Geodatenhistorie sogar an externe Server zu schicken. Daten, die für Werbetreibende auf der Suche nach Verhaltensmustern von Personengruppen oder Einzelpersonen wertvoll sein könnten.

Das für Apple zuständige Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht will jetzt mehr über Gründe und Zweck der Datenspeicherung erfahren. Eine rechtliche Beurteilung sei vorerst nicht möglich.

Der Hamburgische Beauftragte für den Datenschutz Johannes Caspar, der für Google zuständig ist, will derweil der Frage der Standortdatenauswertung bei Android intensiver nachgehen. Ein schwedischer Softwareentwickler stellte bei der Analyse von Googles Betriebssystem fest, dass auch Android-Smartphones den Standort ermitteln, indem sie die Abstände zu den Funkmasten und zu den WLAN-Netzen der Umgebung berechnen. Dabei speicherten sie allerdings nur die Daten der jeweils letzten 50 Funkmasten und 200 WLAN-Netze. Eine Übertragung auf den Rechner oder Server finde nicht statt. Caspar: "Solange diese Daten nicht nachweislich an Dritte übermittelt werden und nur der Nutzer über die Daten verfügen kann, haben wir einen rechtlichen Graubereich."

Für den Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar steht jetzt schon fest, dass eine gesetzliche Regelung über ein Geodatengesetz notwendig ist. Der vom ehemaligen Bundesinnenminister Thomas de Maizière initiierte Entwurf befindet sich noch in der Ressortabstimmung. Bundesjustiz- und Bundeswirtschaftsministerium haben den Entwurf kommentiert, nun muss Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich dem Werk den letzten Schliff verleihen.

Es könnte jedoch sein, dass auch das neue Gesetz das Problem nicht lösen wird. Denn laut Telemediengesetz §15 dürfen Unternehmen Nutzerdaten auswerten, solange der Nutzer nicht widerspricht. Apple räumt sich sowie seinen "Partnern und Lizenznehmern" in seiner im letzten Jahr aktualisierten Datenschutzrichtlinie das Recht ein, "präzise Standortdaten" zu erheben, zu nutzen und weiterzugeben – "einschließlich des geografischen Standorts Ihres Apple-Computers oder -Geräts". Stimmen Nutzer dem nicht zu, können sie ihr Smartphone nur zum Telefonieren verwenden. Laut Jury des Big-Brother-Preises "eine Geiselnahme der Kunden mittels teurer Hardware und die darauf folgende Erpressung, den firmeneigenen zweifelhaften Datenschutzbedingungen zuzustimmen".

Bis zum 10. Mai muss Apple die Frage des Bayerischen Datenschützers beantworten. Am selben Tag muss sich der Konzern gemeinsam mit Google in einer Anhörung vor dem US-Senat verantworten. In den USA versuchen Verbraucher zudem per Gericht zu klären, wie weit Apple gehen darf. Vor einem Gericht in Tampa reichte nun ein Anwalt eine Sammelklage ein. Sie fordert, dass das Sammeln der Nutzerdaten untersagt wird, da die Kunden nicht über die Speicherung der Daten beim Kauf ihres Geräts informiert werden.

  CHR. SCHULZKI-HADDOUTI

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