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Mittwoch, 24. Januar 2018

Datenschutz

Autokonzerne interpretieren Datenschutz unterschiedlich

Von Chr. Schulzki-Haddouti | 13. Juni 2014 | Ausgabe 24

Je mehr Daten im Auto erfasst, gespeichert und verarbeitet werden, desto interessanter wird für den Fahrer: Was passiert mit den Daten? Die Premiumhersteller haben dafür verschiedene Antworten gefunden. Während Daimler sich zurückhaltend zeigt bei der Datenspeicherung, sammeln BMW und Audi anonymisierte Daten von Steuergeräten.

Thilo Weichert
Foto: Carsten Rehder/dpa

„Die Automobilwirtschaft ist in Aufruhr, aber die Idee des Datenschutzes ist bei ihr angekommen.“ Thilo Weichert, schleswig-holsteinischer Landesbeauftragter für den Datenschutz.

Das Auto ist zur Datenschleuder geworden. Doch das heißt nicht, dass die Daten heute jederzeit von jedermann einfach abgegriffen und verwertet werden dürfen. "Generell dürfen Daten aus dem Fahrzeug nicht verarbeitet werden", betont der schleswig-holsteinische Landesdatenschützer Thilo Weichert, "es sei denn, es liegt hierfür die Einwilligung des betroffenen Fahrers vor."

Alle Hersteller holen sich beim Käufer daher für die jeweiligen Datennutzungen differenzierte Einwilligungen ein. Beim Autokauf gilt es daher den Kaufvertrag und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) genau durchzulesen und entsprechende Passagen gegebenenfalls zu streichen. Gesetzlich vorgeschrieben ist übrigens, dass auf die Datenverarbeitung besonders hingewiesen wird – kleingedruckt darf der Hinweis in den AGB jedenfalls nicht sein.

Daten dürfen laut Gesetz nur in dem Umfang erhoben werden, wie sie zur Erfüllung eines bestimmten Zwecks notwendig sind. Datensparsamkeit lautet das Prinzip. Außerdem muss der Umgang mit den Daten transparent erfolgen. Technische Sicherungen müssen dafür sorgen, dass Daten nicht missbraucht werden.

Eine Umfrage der VDI nachrichten unter den drei Herstellern Audi, BMW und Daimler zeigt: Alle sind sich der Datenschutzproblematik sehr wohl bewusst und haben dafür eigene Konzepte entwickelt. Wie aus der Tabelle "Was geschieht mit den Daten" hervorgeht, unterscheiden sie sich jedoch teilweise erheblich.

Tabelle Datenschutz

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Starke Unterschiede gibt es etwa im Umgang mit den Daten, die die Steuergeräte erheben. Die Sensor-, Status-, Ereignis- und Fehlerinformationen dokumentieren den Systemzustand zu bestimmten Ereignissen wie die Fehlfunktion in einer Komponente oder das Auslösen des Airbags. Sie erfassen für die jeweilige Funktion relevante Informationen, beispielsweise Umdrehungszahl, Beschleunigung, Geschwindigkeit, Lufttemperatur, Motorölfüllstand oder auch den Verschleißzustand der Bremsbeläge.

Bei allen drei Herstellern werden sie nach ihrer Nutzung in der Werkstatt gelöscht. Daimler-Sprecher Benjamin Oberkersch erklärt, dass nur "die Fehlercodes bis zum Werkstattbesuch gespeichert und selbstverständlich nach der Reparatur gelöscht werden." Er ergänzt aber: "Alle anderen Daten werden mit dem Ausschalten des Motors gelöscht."

Damit unterscheidet sich Daimler klar von Audi und BMW, die die anonymisierten bzw. pseudonymisierten Steuergerätedaten auch für Qualitätssicherungszwecke, für die Produktbeobachtung verwenden. Für die Abwicklung von Gewährleistungs- oder Kulanzfällen werden bei Audi dann die Daten mit der Fahrgestellnummer verknüpft. Damit sind sie nicht weiter anonym.

BMW hat darüber hinaus Regelungen getroffen. Sprecherin Silke Brigl betont, dass im Falle eines Unfalls "die Daten nur dann für ein Unfallprotokoll verwendet werden dürfen, wenn eine richterliche Anordnung erfolgt oder eine staatsanwaltschaftliche Ermittlung läuft". Das Auslesen erfolgt dann durch einen Sachverständigen, wobei der Fahrer oder Halter diesen beauftragen können. Auch Daten, die im BMW-System gespeichert sind, werden nach einem Unfall nur auf richterliche Anordnung weitergegeben.

Der Umgang mit Live-Traffic-Daten ist hingegen bei den Herstellern gleich: Sie werden vom Auto anonymisiert an die Verkehrsserviceprovider weitergegeben. Kunden können den Dienst jederzeit deaktivieren.

Bei Kommunikationsdaten, Telediensten und Daten aus dem Bereich Entertainment unterscheiden sich hingegen die Eingriffsmöglichkeiten für die Kunden. Audi-Sprecher Armin Goetz: "Der Kunde kann Daten im Bereich Infotainment jederzeit einzeln oder gesammelt löschen." Bei den Apps von Mercedes-Benz, die für die Nutzung während der Fahrt entwickelt wurden, kann der Kunde die Datenübertragung unterbinden.

Der Nutzung von ConnectedDrive von BMW hingegen kann der Kunde entweder zustimmen oder sie ablehnen. BMW hat dafür außerdem eine SIM-Karte im Auto fest verbaut, die deaktiviert werden kann. Wird sie außer Betrieb genommen, so sagt BMW-Sprecherin Silke Brigl, ist jedoch auch der "Intelligente Notruf" nicht mehr möglich. Daimler hingegen betreibt den Notruf separat.

Große Unterschiede gibt es auch im Umgang mit den Positions- und Identifikationsdaten für den Notruf: Dessen Daten werden bei Daimler lediglich 24 Stunden lang gespeichert und dann gelöscht. Bei BMW hingegen werden die Daten sieben Kalendertage auf dem Eingangsserver gespeichert und danach zur Abwicklung von Supportanfragen in eine separate Datenbank übernommen. Dort werden sie erst nach weiteren 30 Kalendertagen gelöscht.

Car-to-X-Daten fallen bislang nur bei Daimler-Modellen an. Dabei kommuniziert das Auto nicht nur mit anderen Fahrzeugen, sondern es tauscht sich mit der Verkehrsinfrastruktur aus. Daimler betreibt dafür eine Verkehrsleitzentrale. Sie prüft die Meldungen der Fahrzeuge und sendet sie an andere weiter. Die Daten werden dabei alle anonymisiert. CHR. SCHULZKI-HADDOUTI

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