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Dienstag, 23. Januar 2018

Elektromobilität

Bundesregierung bekräftigt ihre Elektromobilitätsziele

Von Peter Trechow | 31. Mai 2013 | Ausgabe 22

Auf einer hochrangig besetzten internationalen Konferenz zur Elektromobilität in Berlin haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und drei ihrer Bundesminister Anfang der Woche zu den hochgesteckten Zielen der Nationalen Plattform Elektromobilität bekannt: Bis 2020 will die Regierung 1 Mio. Elektrofahrzeuge auf die Straße bringen.

"Für Deutschland hängt unheimlich viel davon ab, dass uns die Transformation zur Elektromobilität gelingt", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag auf der internationalen Konferenz "Elektromobilität bewegt weltweit" vor 900 Zuhörern. Darunter Vorstandschefs internationaler Automobil-, Energie- und Mobilitätskonzerne, Chinas Wissenschafts- und Technologieminister Wan Gang und der EU-Kommissar für Verkehr, Siim Kallas.

Merkel machte in Richtung Brüssel deutlich, dass die Bundesregierung bereit ist, auf dem Weg in die Elektromobilität für die Interessen deutscher Autobauer zu kämpfen. Ein Zankapfel: Supercredits – also der Faktor, mit dem besonders emissionsarme Elektroautos und Plug-in-Hybride im Zuge der CO2-Regulierung auf die Flottenwerte der Hersteller angerechnet werden. In China liegt dieser Faktor bei 5, in den USA zählen Stromer doppelt. Die EU plant mit nur 1,5-facher Anrechnung bis 2015.

Während vor der Tür Umweltaktivisten gegen jegliche Supercredits protestierten und der Bundesregierung vorwarfen, "Spritschlucker zu päppeln", machte die Kanzlerin ihre Position unmissverständlich klar: "Supercredits kommt Superbedeutung zu." Wie vorher schon Verkehrsminister Peter Ramsauer und Wirtschaftsminister Philipp Rösler bekräftigte Merkel, sich für die Mehrfachanrechnung einsetzen zu wollen.

Die Stärke von Europas Automobilindustrie werde auch künftig darin bestehen, Autos aller Typen zu bauen. Das Gros der Innovationen finde nun einmal über große Autos Eingang in den Markt und setze sich erst nach und nach in allen anderen Segmenten durch. "Wir sollten uns diese Wertschöpfungskette in Europa nicht kaputt machen lassen", mahnte sie in Richtung des EU-Kommissars Kallas.

Markthochlauf erst nach 2014

Auch Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche forderte die EU-Kommission auf, ihre anspruchsvollen Ziele durch geeignete Maßnahmen zu flankieren. Das kostenneutrale Mittel der Supercredits sei ein sehr wichtiger Anreiz für Autohersteller, in effizientere Technik und deren Vermarktung zu investieren. Neben einem höheren Faktor der Anrechnung forderte Zetsche die Möglichkeit, Supercredits anzusammeln und flexibel einzusetzen, sowie einen Systemwechsel bei der Anerkennung: Statt der bisher starren Obergrenze von 50 g/km CO2 für die Anrechnung von Supercredits schlug er vor, alle Fahrzeuge mehrfach anzurechnen, deren CO2-Ausstoß um mehr als 50 % unterhalb des jeweiligen konventionellen Modells liegt.

Die hohe Bedeutung geeigneter Randbedingungen für den Marktanlauf elektrisch angetriebener Fahrzeuge betonte auch Henning Kagermann, Vorsitzender der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE). Geplant ist, dass dieser Markthochlauf hierzulande Ende 2014 mit dann 16 neuen elektrifizierten Modellen Fahrt aufnehmen wird.

Modellrechnungen der NPE, die in einigen Wochen veröffentlicht werden sollen, zeigen laut Kagermann, dass das Ziel von 1 Mio. Stromern und Plug-in-Hybriden bis 2020 unter günstigen Rahmenbedingungen erreichbar ist. "Die Schätzungen reagieren aber sehr sensibel auf veränderte Parameter", sagte er.

Gelinge es etwa, das Kostenziel für Batterien bis 2020 um ein Fünftel zu unterbieten, liefe das auf 300 000 bis 400 000 mehr verkaufte Stromer und Hybride hinaus. Umgekehrt würde ein um 20 % höherer Strompreis 250 000 Fahrzeugverkäufe kosten. Auch die Politik habe Spielraum: "Eine steuerliche Sonderabschreibung von 50 % im ersten Jahr kann 200 000 bis 300 000 zusätzlich verkaufte Fahrzeuge in gewerblichen Flottenprogrammen bewirken", so Kagermann.

Bahn-Chef Rüdiger Grube bemerkte in diesem Zusammenhang, dass sein Konzern gerade die Beschaffung von 2500 Elektrofahrzeugen für seine Flotte beschlossen habe. Er arbeite hinter den Kulissen daran, dass sich Konzerne wie Siemens, DHL und andere in die Beschaffung einklinken und so kurzfristig eine Nachfrage von 10 000 Elektrofahrzeugen schaffen. "Allerdings stoße ich zuweilen auf fest vernagelte Türen", erklärte er.

Kaufzurückhaltung ist nicht nur Thema in Konzernen. Opel hat als Marktführer von seinem Range-Extender-Modell Ampera bisher 5300 Einheiten abgesetzt. Der neue CEO Karl-Thomas Neumann räumte ein, dass Opel bei jedem Ampera draufzahle. Er sei dennoch entschlossener Befürworter der Elektromobilität.

"Wir müssen durch diese schwierige Startphase hindurch", erklärte er und bekam Unterstützung von Toyotas oberstem Hybridplaner und Vorstandsmitglied Koei Saga. "Halten Sie durch. Ich kann es heute öffentlich sagen: Wir hatten anfangs mit jedem verkauften Prius ein ‚Auto‘ Verlust", berichtete Saga. Heute liege der Gewinn bei den Hybriden dank des kontinuierlichen technischen Fortschritts auf dem Niveau herkömmlich angetriebener Fahrzeuge.

Auf eine vergleichbare Entwicklung hoffen Autohersteller, Energiewirtschaft und die Bundesregierung gleichermaßen. Ramsauer und Rösler bekräftigten die ehrgeizigen Ziele der Leitanbieter, die die angestrebte Zahl von 1 Mio. Fahrzeugen bis 2020 mit Parolen wie "Wenn das Angebot begeisternder Fahrzeuge erst einmal da ist, wird sich die Nachfrage schon einstellen" umsetzen wollen.

Derweil berichtete Kallas aus seinem Heimatland Estland, das die weltweit höchste Dichte an Schnellladestationen am Netz hat. Als EU-Kommissar plane er, für den Aufbau der Ladeinfrastruktur verbindliche Mengenziele auszugeben. Kagermann bat um Augenmaß: "Für uns käme das zu früh. Wir forschen noch in unseren Schaufenstern, um zum Markthochkauf die richtigen Entscheidungen fällen zu können."   PETER TRECHOW

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