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Dienstag, 23. Januar 2018

Industrie

Deutscher Maschinenbau leistet der Energiewende Vorschub

Von Oliver Klempert | 21. Oktober 2011 | Ausgabe 42

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau ist mit zweistelligen Wachstumsraten gut in Schwung. Beim 5. Maschinenbaugipfel in Berlin rief die Branche nun die Energiewende aus. Den politischen Druck in Sachen Klimaschutz betrachten die Unternehmen als Chance.

Die wirtschaftliche Lage der deutschen Maschinenbauindustrie ist gut. Für die Branche gebe es keinen Grund, von ihrer Wachstumsprognose für 2011 mit einem Produktionsplus von 14 % gegenüber dem Vorjahr sowie weiteren 4 % im kommenden Jahr abzurücken. Das bestätigte Thomas Lindner, Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), auf dem
5. Maschinenbaugipfel in Berlin diese Woche. Für 2012 rechnet der Verband mit dem dritten Wachstumsjahr in Folge.

Allerdings gibt es keinen Grund für Entwarnung: "Mit Sorge sehen wir die Kapriolen an den Finanzmärkten. Es wäre tragisch, wenn die Realwirtschaft, die das letzte Mal Opfer der Verschuldungs- und Finanzkrise war, noch einmal im Höhenflug gestoppt würde", erklärte Lindner.

Die Gefahr einer Ansteckung der Realwirtschaft durch den Wackelkurs der Banken und der Politik ist laut Lindner weiterhin gegeben. Bei den mittelständischen Maschinenbauern wachse die Sorge, ob die Banken – bei instabiler Lage – noch bereit seien, Unternehmen zu finanzieren.

Europa befindet sich, so Lindner, aktuell im Spannungsfeld zwischen den Wirtschaftsmächten China und USA: "In der Mitte sitzen die Europäer – heterogen, diffus und ohne klares Konzept, wie Europa und wie unser Wirtschaftssystem eigentlich aussehen soll. Ich glaube, dass unsere derzeitigen Probleme zu einem Gutteil diesem Fehlen einer wirtschaftspolitischen Vision geschuldet sind." Nötig sei nun ein klarer Masterplan, der festhalte, was wann und wie passieren soll.

Als Beispiel nannte der VDMA-Präsident das Verhalten seiner Branche in der Krise 2008/2009: Arbeitsplätze wurden durch hohe Flexibilität so weit wie möglich erhalten, Ausgaben für Forschung & Entwicklung nicht reduziert und gleichzeitig wurde an Zukunftsinvestitionen festgehalten.

Der Staat aber handele nicht erst seit der Krise genau gegenteilig, meinte Lindner: "Seine Nettoinvestitionen waren in den 2000er-Jahren negativ, bei der Infrastruktur haben wir von der Substanz gelebt." Lindners Forderung daher: "Die Bruttoinvestitionen des Staates müssen mindestens 2 % des Bruttoinlandsprodukts betragen."

Als große Energieverbraucher erwarten die Unternehmen laut Lindner von der Politik zudem Transparenz über die Kosten der Energiewende. Die technischen Auswirkungen, wie Energieeffizienz und Elektromobilität, seien dagegen Triebfedern für die Branche.

Dass hier große Potenziale brach liegen, die gehoben werden könnten, unterstrich in Berlin Siegfried Russwurm, Mitglied des Vorstandes von Siemens und CEO des Sektors Industry mit einem Beispiel: Bei einer Produktionsanlage der Automobilindustrie betrage der Energieverbrauch während der produktionsfreien Zeit zirka 60 % des Energieverbrauchs im Betrieb, da oft weder die elektrischen Geräte selbst noch die Steuerungskonzepte eine durchgängige Lösung zum Energiemanagement im Engineering implementiert hätten. "Als Konsequenz wird in der produktionsfreien Zeit die Anlage bisher nicht abgeschaltet, da das Risiko besteht, dass sie nach der Abschaltung kurzfristig nicht rechtzeitig und uneingeschränkt wieder verfügbar ist", verdeutlichte Russwurm das Potenzial.

Künftig müsse in Unternehmen hingegen "ganzheitlich" gedacht werden, also in Prozessen über den gesamten Lebenszyklus eines Produktes hinweg. Dabei besitze Deutschland bereits heute international eine zentrale Position, wenn es um umweltgerechte Technologien geht. "Wir sind die Nummer 1 bezüglich unserer Energieproduktivität", sagte Russwurm. Beispielsweise lag in Deutschland der Energieverbrauch im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung im Jahr 2009 rund 30 % unter jenem der USA und sogar 80 % unter dem von China. Viele Leittechnologien für hohe Energieeffizienz seien "made in Germany".

So wurde in Berlin deutlich, dass der Maschinenbau nicht nur mit Produktionstechnologien für Windkraft- und Solaranlagen von der Energiewende profitiert. Vielmehr werden gleichzeitig energie-und ressourceneffiziente Produktionstechnologien als vielversprechende Chance im internationalen Wettbewerb gesehen. Russwurm stellte dazu überzeugt fest: "Im Bereich der Energieeffizienz keine massiven Investitionen in Innovationen zu tätigen, wäre unternehmerisch grob fahrlässig." 

                          OLIVER KLEMPERT

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