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Samstag, 20. Januar 2018

TV-Technik

Ende des analogen Satellitenfernsehens

Von Rainer Brücken | 1. April 2011 | Ausgabe 13

Der Countdown läuft. Noch 395 Tage – gezählt ab dem 1. April 2011 –, dann werden viele bundesdeutsche Fernsehbildschirme schwarz bleiben. Betroffen sind Zuschauer, deren Fernseher direkt oder indirekt über analoge Satellitensignale von Astra versorgt werden. Zuschauer sollten nicht bis zum Stichtag warten.

Der 30. April 2012 könnte für viele Fernsehzuschauer zumindest fernsehtechnisch ein schwarzer Montag werden. Um Punkt drei Uhr werden dann im Sendezentrum in Unterföhring alle 34 analogen TV-Programme des Astra-Satellitensystems abgeschaltet. Dabei handelt es sich vor allem um die der öffentlich-rechtlichen Sender, der Mediengruppe RTL Deutschland (RTL, RTL II, Super RTL, VOX, n-tv) sowie der ProSiebenSat.1 Media AG (Sat.1, ProSieben, Kabel eins, sixx). Andere Programmanbieter müssen ebenfalls mitmachen, falls sie nicht schon vorher den analogen Stecker ziehen

Wer am letzten April-Tag des nächsten Jahres die Schwarzwerdung des Fernsehbildschirms erleben will, muss früh aufstehen. "Wir haben diese frühe Stunde gewählt, damit der ganze Tag zur Verfügung steht, um noch einen Receiver aufzutreiben", so Klaus Hofmann, Leiter der Umschaltinitiative "klardigital". Unklar allerdings, ob nicht doch noch für einige Wochen eine Zusatzinformation auf den alten Programmplätzen zu sehen sein sollte. Vor allem dürfte das die sogenannten Hybrid-Haushalte betreffen, die einen digitalen Hauptempfänger im Wohnzimmer haben, in anderen Räumen oder dem Ferienhäuschen einen analogen.

"Astra liefert seine TV-Programme", so Wolfgang Elsäßer, Geschäftsführer von Astra Deutschland, "in gut 16 Mio. bundesdeutsche TV-Haushalte (44 %), das Kabel versorgt 18,2 Mio. (48 %), die Terrestrik 2,0 Mio. (5 %) und IPTV (Internet-TV) bringt es auf 900 000 (3 %)." Als Basis gelten übrigens über 37 Mio. TV-Haushalte in Deutschland. Beim Digitalisierungsgrad freilich ist der Satellit mit 82 % deutlich weiter als das Kabel, bei dem laut Astra nur rund 38 % der Haushalte digital sind. Während also 2,9 Mio. Direct-to-Home(DTH)-Satellitenhaushalte betroffen sind, ist die Kabelsituation komplizierter. "Der Kabelkunde wird bei uns weiterhin die Wahl zwischen analogem Fernsehen und digitalen Angeboten haben", erklärt Peter Charissé, Geschäftsführer Anga Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber, während eines Workshops am vergangenen Montag.

In vielen Fällen werden die Programme nicht mehr über den Satelliten, sondern über sogenannte Colocation-Zentren den Kabelnetzen zugeführt. "Daher wird sich für 12 Mio. bis 13 Mio. Kabelhaushalte auch im nächsten Jahr nichts ändern", ist Charissé zuversichtlich. "Allerdings müssen für die übrigen 5 Mio. bis 6 Mio. Kabelhaushalte, deren Programme via Satellit den Kabelnetzen zugeführt werden, die Kabelkopfstellen umgerüstet werden. Da sind die Fachbetriebe gefordert, die aber bitte nicht erst in letzter Minute damit beauftragt werden sollten."

Die Industrie legt derweil schon Sonderschichten ein. Immerhin müssten ab sofort täglich rund 9000 Haushalte von Analog auf Digital umgestellt werden, soll heißen, 18 000 digitale Satellitenempfänger verkauft werden, da es pro Haushalt nun mal durchschnittlich zwei Fernseher gibt – mindestens.

Die meisten Broadcaster wollen digital. "Für uns bietet die Digitalisierung mehr Chancen als Risiken, gerade wenn es um die Abschaltung des analogen Satellitensignals geht. Beim digitalen Satelliten müssen wir das Signal verschlüsseln und wir haben damit viel größere Möglichkeiten für den Signalschutz, den es in der analogen Welt so nicht gibt", so Gerhard Zeiler, seit 2003 Chef der RTL Group, gegenüber den VDI nachrichten. "Daher begrüßen wir den Umstieg von Analog nach Digital in jedem Verbreitungsweg und hoffen, dass es so schnell wie möglich geht." Anders sieht es Michael Kayser, der Vertreter der BBC in Deutschland. Er stellte die kühne These auf, dass – allein aus Kostengründen – "alle außer Astra die Digitalisierung eigentlich nicht wollen".

Einfach Analog abschalten geht nicht. Deshalb gründeten die Landesmedienanstalten, ARD, RTL Deutschland, ProSiebenSat.1, VPRT und das ZDF die Initiative Klardigital 2012. In Informationskampagnen wird erklärt, was zu tun ist. Und das reicht – je nach Situation – vom einfachen Empfänger- und LNB-Tausch (Low Noise Blockkonverter) über Verlegung neuer Kabel bis zu neuen Multischaltern und neuen Anschlussdosen.

Bei sogenannten Kleinkabelanlagen stellt sich die Frage der Re-Analogisierung. Ein finanzielles Nullsummenspiel ist es nicht, doch wollen Mieterorganisation zusätzliche Mieterhöhungen nicht akzeptieren. Die digitalen Satellitenprogramme der Öffentlich-Rechtlichen bleiben in SD- und HD-Qualität kostenlos – wie Digital SD der Privaten, die nur für HDTV ein Zusatzentgelt verlangen.

Wer seine Empfangssituation nicht kennt, braucht bei "Das Erste", ZDF, SAT.1, Pro7, BR, HR u. a. nur die Videotextseite 198 aufzurufen. Da gibt es für den analogen und digitalen Verbreitungsweg unterschiedliche Inhalte. Auf der VT-Seite 197 und unter www.klardigital.de gibt es weitere Informationen, Laufbänder in bestimmten Programmen sind geplant.

Nur gut, dass der 30. und nicht der 1. April gewählt wurde. Andernfalls hätten viele das Ganze für einen Aprilscherz gehalten.

 RAINER BRÜCKEN

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