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Sonntag, 20. Januar 2019

Energiepolitik

Energiewende: Suche nach Endlager drängt

Von S. Eder/K. Spilok/J. Witte | 25. Mai 2012 | Ausgabe 21

Viele Themen müssen Bund und Länder bei der Energiewende gemeinsam klären: die Kürzungen im Solarbereich, die Gebäudesanierung, den Stromnetzausbau – und das Standortsuchverfahren für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle. Die Kernenergiebranche bezweifelt jedoch, dass der bisher avisierte Zeitplan einzuhalten ist.

Am Mittwoch hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Länder zum Energiegipfel nach Berlin geladen. Viele Themen standen auf der Agenda, damit die Energiewende zügig vorankommt. Man wolle sich künftig zweimal pro Jahr treffen, um die Fortschritte zu überprüfen. "Wir wollen den Erfolg", betonte Merkel.

Die Bundeskanzlerin zeigte sich zuversichtlich, dass es bei der umstrittenen Kürzung der Solarförderung noch bis zur Sommerpause einen Kompromiss geben werde. "Hier drängt die Zeit", sagte sie. Auch bei der steuerlichen Absetzbarkeit der Gebäudesanierung solle rasch ein Kompromiss gefunden werden. Sie stellte zudem Vorschläge des Bundes zu Stromnetzausbau und Kraftwerksneubau in Aussicht.

Eine große Baustelle gerät bei so vielen akut drängenden Problemen aus dem Blickfeld: die Suche nach einem Endlager für hoch radioaktive Abfälle. Sie stand in Berlin nicht auf der Tagesordnung, ist aber für die Kernkraftbranche eine der drängenden Fragen. Das machte Ralf Güldner, Präsident des Deutschen Atomforums, am Dienstag bei der Eröffnung der Jahrestagung Kerntechnik in Stuttgart deutlich.

Er gehe davon aus, dass sich die Inbetriebnahme eines Endlagers "mindestens zwei Jahrzehnte nach hinten verschieben wird. Damit wird die Lösung dieser wichtigen Frage auf zukünftige Generationen übertragen", sagte E.on-Manager Güldner. So auch die Unsicherheiten in den dezentralen Zwischenlagern an den Kraftwerksstandorten.

Beispiel Biblis: Betreiber RWE hatte vor zwei Wochen bekannt gegeben, beide Reaktoren rückzubauen, statt sie sicher einzuschließen. Nach Angaben von Kraftwerkssprecher Jan Cirkels rechnet RWE damit, dass Biblis A im Jahr 2014 bereit zum Abbruch ist, Biblis B im Jahr 2016.

Zehn bis 15 Jahre kalkulieren Experten nach Erteilung der Genehmigung in der Regel für den Abriss eines Kernkraftwerks. 750 Mio. € kostet nach Schätzungen von Mathias Steinhoff, Experte für Rückbaufragen am Darmstädter Öko-Institut, der Abriss eines KKW.

Als Endlager für den mittel- und schwachradioaktiven Atommüll, zum Beispiel leicht kontaminierte Kraftwerkskomponenten, ist das ehemalige niedersächsische Bergwerk Schacht Konrad vorgesehen. Nach Angaben der hessischen Umweltministerin Lucia Puttrich steht die Grube frühestens ab 2019 zur Verfügung. "Das darf sich nicht weiter verzögern", sagte Güldner in Stuttgart. Andernfalls komme der Rückbau der abgeschalteten Kernkraftwerke ins Stocken.

Selbst wenn es mit Schacht Konrad klappt, steht der Zeitplan für die Endlagerung der Castoren, die die Brennelemente enthalten, noch immer in den Sternen. "Das Thema Endlager für wärmeentwickelnde radioaktive Abfälle ist noch lange nicht gelöst", sagt Steinhof. "Da kann man jetzt nicht die Hände in den Schoß legen."

Hannes Wimmer, Chef der im Rückbau tätigen Gesellschaft für Nuklear-Service, sagte, sicher könne man einen Rückbau auch ohne Endlager umsetzen, besser gehe es aber mit. RWE behält sich zum Beispiel die Option vor, in Biblis selbst ein Zwischenlager als Puffer einzurichten.

Was die öffentlich umstrittene Einbeziehung des Standortes Gorleben angeht, waren sich Experten in Stuttgart einig. Gorleben müsse im Auswahlverfahren bleiben, so Güldner. Auch nach Ansicht des Geschäftsführers des Öko-Instituts, Michael Sailer, müsse der Salzstock "als ein Kandidat mit im Topf bleiben". Bei der Suche nach dem besten Endlager müssten für alle Standorte die gleichen vorher festgelegten Kriterien gelten.

Als Bremsklotz für den Zeitplan könnte sich die Akzeptanz der Bevölkerung an möglichen Endlagerstandorten erweisen. "Keiner möchte ein Endlager vor seiner Tür", sagte Ortwin Renn, Professor für Technik- und Umweltsoziologie an der Universität Stuttgart. "Man hat gar keine andere Wahl, denn Akzeptanz wird man nicht ohne Bürgerbeteiligung bekommen."

Bruno Thomauske, Leiter des Instituts für Nuklearen Brennstoffkreislauf der RWTH Aachen, ist da skeptischer. Er prognostiziert einen "langen Weg bis zur Standortentscheidung" und glaubt, man werde das Verfahren mit den partizipativen Elementen nicht zu Ende bekommen.

Sailer rät, den Endlagersuchprozess zügig fortzusetzen, noch in diesem Jahr Ergebnisse anzustreben und die Planungen nicht zu verschleppen. Und so hofft Ulla Ihnen, Staatssekretärin im niedersächsischen Umweltministerium, auf ein schnelles Angebot des neuen Bundesumweltministers Peter Altmaier, die Bund-Länder-Bemühungen zur Endlagersuche fortzusetzen.   S. EDER/K. SPILOK/J. WITTE

Mit Informationen von dapd und rtr