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Dienstag, 23. Januar 2018

Kernkraft

Französisches Endlager nimmt parlamentarische Hürden

Von Lutz Hermann | 19. August 2016 | Ausgabe 33

Senat und Nationalversammlung Frankreichs haben ein Gesetz über die Einrichtung eines Endlagers für hochradioaktiven Abfall im lothringischen Bure beschlossen. Eine endgültige Genehmigung ist die Billigung durch das Parlament jedoch nicht.

Frankreich will nahe der lothringischen Ortschaft Bure ein Endlager für mittel- und hochradioaktiven Müll einrichten (s. VDI nachrichten 31/2015, 21/2014). Spätestens 2025 soll die Pilotphase beginnen, nach der der Abfall aus den 58 Reaktoren der 19 Kernkraftwerke des Nachbarlandes dort eingelagert wird. So beschlossen es der Senat im Mai und jüngst die Nationalversammlung.

Der Entwurf sieht vor, dass der Lagerplatz in 500 m Tiefe liegen und für 100 Jahre „offen“ gehalten werden soll, damit Entsorgungstechniken, die möglicherweise in dieser Zeit neu entwickelt werden, berücksichtigt und angewendet werden können. So ließe sich eingelagerter Abfall zurückholen und dann „neu behandeln“.

Mit diesem Passus im Gesetzentwurf will die Regierung Kritikern entgegenkommen. Diese warnten, das ausgewählte Endlager endgültig zu verriegeln und das gelagerte Material nur durch ein Netz von Videoüberwachung überprüfen zu lassen.

2018 soll die Betriebserlaubnis für das Endlager beantragt werden

Betreiber und Bauleitung ist es damit zudem gelungen, die von Spezialisten geforderte „Umkehrbarkeit“ der Lagerstätte, das heißt die „Rückholbarkeit“ des Mülls, gesetzlich festzulegen. Nicht 100 Jahre kontrollierte Überwachung sollen gelten, sondern 140 Jahre – auf ausdrücklichen Wunsch der französischen Umweltministerin Ségolène Royal. Während der ersten 50 Jahre soll nur mittelradioaktiver Abfall eingelagert werden.

Für Kontrolle und Leitung der Arbeiten ist die „Agence Nationale pour la Gestion des Déchets radioactifs“ (Andra, die nationale Agentur für Atommüllverwaltung) zuständig. Sie soll 2018 die Betriebserlaubnis für das Endlager beantragen, die endgültige Entscheidung über die Einlagerung soll 2025 getroffen werden. Danach ist eine fünfjährige „Test- und Pilotphase“ in drei Etappen geplant. Erst ab 2030 erfolgt die Unterbringung hochradioaktiver Reste.

Erforschung und Untersuchung des Tongesteins hat sich das „Industriezentrum für Geologische Endlagerung“ (Cigéo) vorgenommen. Die Behörde ist beauftragt, die Einlagerung der zunächst 80 000 m3 an hoch- und mittelradioaktivem Abfall vorzubereiten.

Im Rahmen der Parlamentsberatungen legte das zuständige Pariser Energieministerium zum ersten Mal eine Kostenstudie über Bau und Betrieb des Endlagers seitens der Andra vor. Die Gesamtinvestition soll sich danach auf 30 Mrd. € belaufen. Es könnten auch weniger sein: 20 Mrd. € haben der Energieversorger EDF, der Atomkonzern Areva und das Commissariat à l‘Energie Atomique (CEA) gemeinsam veranschlagt.

 LUTZ HERMANN

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