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Donnerstag, 21. März 2019

Forschung

Grünes Licht für Kreativität

Von Lisa Schneider | 19. Juni 2015 | Ausgabe 25

In Deutschland gibt es ein Förderinstrument, das so bunt ist wie die Innovationsideen des Mittelstands selbst. Nach sieben erfolgreichen Jahren wurde es nun nach einer längeren Pause neu aufgelegt. Ein Blick auf das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM).

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Foto: AiF Projekt GmbH

Beim Rundgang erklärt Entwicklungsingenieur Christian Scholz (v.l.) Ole Janssen vom BMWi und AiF-Vizepräsident Eduard Neufeld eine Vitrinensicherung von Schmeissner und der TU Dresden.

Ob Trink- oder Prozesswasser desinfiziert werden soll, ist ein grober Unterschied. Ob ein Schlitten über Schnee oder Sand gleiten wird, ebenfalls. Den Blickwinkel zu ändern und Wissen in die Entwicklung innovativer Technologien und Produkte zu gießen, ist das Erfolgsrezept des deutschen Mittelstands.

Zahlen & Fakten

„Um das immense kreative Potenzial des Mittelstands ausschöpfen zu können, bleibt das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand konsequent technologie- und branchenoffen“, versicherte Staatssekretär Matthias Machnig. Auf dem Innovationstag Mittelstand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) am vergangenen Donnerstag konnte er endlich den ersehnten Neustart des ZIM verkünden. Damit können kleine und mittlere Unternehmen sowie kooperierende Forschungseinrichtungen nun nach knapp sechsmonatiger Wartezeit wieder Anträge auf ZIM-Förderung einreichen.

So wie die Pauly GmbH. Sie entwickelt seit 2004 Reaktoren zur Entkeimung von Trinkwasser. Vor zweieinhalb Jahren beschlossen die Chefs, ihr Geschäft um Reaktoren zur Prozesswasseraufbereitung zu erweitern. „Die Herangehensweise ist eine ganz andere, da Prozesswasser stark verschmutzt ist durch Rost, Öle, Fette usw“, erklärt Firmenchef Alexander Pauly. Dennoch kann er heute einen patentierten Reaktor zur Elektrodiaphragmalyse mit hauseigenem Entkeimungsmittel präsentieren. „Das entkeimte und gereinigte Kühlwasser hat fast Trinkwasserqualität“, berichtet Pauly stolz.

Ein wenig länger hat die KHW Kunststoff- und Holzverarbeitungswerk GmbH gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern daran gearbeitet, einen Schlitten zu entwickeln, der sich zum Rodeln auf Dünen eignet. Das Fachgebiet Kunststofftechnik der TU Ilmenau fand heraus, dass hochfeste Kohlenstoff-, Glas- oder Aramidfasern die Kufen verschleißfester machen und Polymere wie Teflon oder Silikonöle die Reibungskräfte vermindern. Das Fraunhofer-Institut Umsicht überprüfte die tribologischen Eigenschaften. Die 90 Mitarbeiter starke KHW wird das Produkt in den kommenden Wochen fertigstellen – Interessenten, v. a. aus Nordafrika und Arabien soll es reichlich geben.

Beide Projekte wurden durch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) gefördert. Das 2008 ins Leben gerufene Förderinstrument kam bisher 13 300 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und 1650 Forschungseinrichtungen zugute. Insgesamt wurden Mittel in Höhe von 4,1 Mrd. € bewilligt. ZIM war damit das finanzstärkste Förderinstrument für Forschung und Entwicklung des Mittelstands – bis das Programm Ende 2014 auslief.

Die Neuauflage ließ auf sich warten. „Seit dem 15. Mai können wieder Anträge gestellt werden“, verkündete Regierungsdirektorin Carmen Heidecke auf dem Innovationstag Mittelstand des BMWi und erntete weitgehend Stille. Die neue ZIM-Richtlinie schmeckt nicht jedem.

Während Machnig mitteilte, dass die Mittelausstattung ausgeweitet und der Zuschnitt verbessert worden sei, wies der Geschäftsführer des Projektträgers AiF Projekt GmbH, Klaus-Rüdiger Sprung, darauf hin, dass „nicht alles, was eine Richtlinie erfordert, sich mit den Interessen von Unternehmen verträgt“. So akzeptiert die neue ZIM-Richtlinie, nur noch zwei Anträge pro Unternehmen in einem Zeitraum von zwölf Monaten. Dieser Schritt könnte einigen Unternehmen weh tun, die bisher beliebig viele Projekte einreichen konnten. Auch Boni für Firmen mit Sitz in den neuen Bundesländern fallen künftig weg.

Ansonsten bringt die neue Richtlinie bei genauem Hinsehen vor allem Verschiebungen: Freuen dürfen sich zunächst Unternehmer mit bis zu 500 Mitarbeitern. Entgegen der EU-Auslegung und der vorigen Richtlinie (bis 250 Mitarbeiter) zählen diese nun zum Mittelstand. Forschungseinrichtungen können zudem ab sofort zu 100 % gefördert werden. Deren maximal förderfähige Kosten wurden allerdings auf 190 000 € beschränkt. Für Unternehmen dagegen wird die neue Obergrenze der Fördersumme bei 380 000 € liegen, 30 000 mehr als in der ersten Förderperiode. Das ändert wiederum nichts an der maximalen Zuwendungshöhe von Kooperationsprojekten. Sie verharrt unverändert bei 2 Mio €.

Eine große Überraschung ist die neue Richtlinie somit nicht. Vielen Mittelständlern dürfte das auch egal sein. Sie haben ihre Projektanträge vorsorglich vor Ladenschluss abgegeben. Im Dezember 2014 gingen noch einmal 3800 Anträge zu den alten Förderbedingungen ein. Das sind im Schnitt siebenmal so viele wie in den vorangegangenen Monaten. Der deutsche Mittelstand ist nicht nur innovativ, er kann auch Klippen geräuschlos umschiffen.