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Dienstag, 23. Januar 2018

Wasserwirtschaft

In Vietnam sprudelt Wasser mit deutscher Hilfe

Von Holger Pauler | 31. Juli 2015 | Ausgabe 31

Immer ausreichend sauberes Wasser für alle bereitzustellen – das ist eine der größten Herausforderungen der Gegenwart. Deutsche Experten helfen im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) Entwicklungs- und Schwellenländern, ein Wasserressourcenmanagement zu entwickeln.

BU Pauler
Foto: RUB/U+Ö im Bauwesen

Ein Fallrohr liefert große Mengen Wasser für das integrierte Wasser- ressourcenmanagement der Provinz Dong Nai.

Eigentlich verfügt Vietnam über genug Wasser. Doch Niederschläge und Gewässer sind im Land extrem unterschiedlich verteilt. Es herrschen ausgedehnte Trockenzeiten und die Infrastruktur für die Wasserver- und -entsorgung ist ebenso lückenhaft wie der Hochwasserschutz. Zudem fehlt ein vernünftiges Management der Wasserressourcen, das Menge und Güte des kostbaren Gutes dauerhaft sichern hilft.

Know-how deutscher Firmen gefragt

Auch deshalb ist seit 15 Jahren der Lehrstuhl für Umwelttechnik und Ökologie der Ruhr-Uni Bochum (RUB) in Vietnam präsent. Lehrstuhlleiter Harro Stolpe hatte damals über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) Kontakte geknüpft. „Unsere Aufgabe und Stärke ist es, den Behörden, Entscheidern und Planern vor Ort zu helfen, Prioritäten zu erkennen und auf Basis dieser Erkenntnisse einen Maßnahmenkatalog zu erstellen“, sagt er.

Mittlerweile arbeitet die Ruhr-Uni mit der Vietnamesisch-Deutschen Universität in Ho-Chi-Minh-Stadt zusammen. Zudem wurde mit dem Vietnamesisch-Deutschen „Büro für Wasser und Umwelttechnologie“ in Hanoi ein Kooperationsbüro zwischen dem vietnamesischen Ministry of Science and Technology und dem BMBF eingerichtet.

So können deutsche Wissenschaftler vor Ort helfen. In Anlehnung an die EU-Wasserrahmenrichtlinie entwickelten sie im Projekt „IWRM-Vietnam“ ein Konzept, mit dem sich die Wassereinzugsgebiete problemorientiert und effizient untersuchen lassen.

Wasserhaushaltsdefizite auf regionaler Ebene aufgrund von Übernutzung oder Kontaminationen durch diffuse Schadstoffquellen aus Industrie und Landwirtschaft werden so räumlich identifiziert. Auf dieser Basis können Entscheider finanzielle Mittel zielgerichtet einsetzen.

Ein erstes Ergebnis: ein Atlas, in dem auf wasserwirtschaftlichen Planungskarten nach dem Ampelprinzip Gebiete markiert sind. Rot steht für Flächen mit starkem, gelb für mäßigen und grün für geringen Handlungsbedarf.

Für die Beurteilung des Wasserhaushalts sind Gebiete mit Wasserdefiziten rot gekennzeichnet, grüne zeigen einen Überschuss. Deutlich wird, dass es insgesamt viel zu tun gibt. „Wir können den Stein ins Rollen bringen und Grundlagenwissen vermitteln; die Umsetzung vor Ort aber ist Sache der Entscheider“, sagt Christian Jolk, wissenschaftlicher Mitarbeiter am RUB-Lehrstuhl.

Viele der Maßnahmen wurden in Deutschland entwickelt. Die Eckdaten sind anschließend auf die Verhältnisse vor Ort zu übertragen, was nicht immer einfach ist. „Die Verantwortlichen denken oft kurzfristig, um akute Notsituationen zu beheben, und verlieren dabei manchmal langfristige Projekte aus den Augen“, weiß Jolk.

Ein ganz anderes IWRM-Projekt gilt der Region „Mittlerer Olifant“ in Südafrika. Auch hier ist das Bochumer Team maßgeblich beteiligt, die Federführung liegt aber beim Institut für Umwelttechnik und Management (IEEM) der Universität Witten/Herdecke.

Der Olifants River, der Elefantenfluss, fließt über den Krokodilfluss bis in den Krüger-Nationalpark. „Leider ist der Flusslauf immer wieder mal trocken, es herrscht zeitweise großer Wassermangel und die Verschmutzung ist ebenfalls ein Riesenproblem“, berichtet Karl-Ulrich Rudolph, Leiter des IEEM.

Das Untersuchungsgebiet des Mittleren Olifants liegt nordöstlich von Johannesburg und Pretoria. Im semiariden Teil des Einzugsgebiets gibt es schnell wachsende Schwerindustrie, unkontrolliert expandierende Siedlungen sowie viele Kleinbauern. Auch aus touristischer Sicht ist es eine wichtige Region für Südafrika.

Das Gebiet des Mittleren Olifants liegt nordöstlich von Johannesburg und Pretoria – mit Schwerindustrie, unkontrolliert expandierenden Siedlungen und vielen Kleinbauern

Die Arbeit verläuft in enger Abstimmung mit dem nationalen Wasserministerium. Das Ziel: Methoden zur Abschätzung des Kontaminationsrisikos für Wasserressourcen zu entwickeln. Die Projektpartner können dabei auf die in Vietnam geleisteten Vorarbeiten zurückgreifen.

„Die Methoden lassen sich auf andere Regionen übertragen“, erklärt Björn Zindler, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der RUB. Der größte Unterschied seien die vorhandenen Daten und Systeme. „In Südafrika können aufgrund der Datenlage Flächen mit einer hohen räumlichen Auflösung untersucht werden – in Vietnam sind häufig nur gering aufgelöste Geodaten verfügbar“, so Zindler.

Für den Mittleren Olifants wurde ein Planungsatlas erstellt und zur internetfähigen Version in Kooperation mit der Disy Informationssysteme GmbH aus Karlsruhe weiterentwickelt. Später sollen die Geodaten für den Einsatz auf Tabletcomputern aufbereitet werden. Mit einem als Computer-App realisierten Geoinformationssystem (GIS) lassen sich zusätzliche Geodaten erheben. „Eine GIS-gestützte Synthese wasserwirtschaftlicher Analysen ist für Südafrika neu“, sagt Jolk.

Das Projekt wird Ende des Jahres abgeschlossen. Aber, so Stolpe, die Arbeit gehe weiter: „IWRM ist eine permanente Aufgabe, die nie abgeschlossen ist.“ Etliche Regionen in Entwicklungs- und Schwellenländern hätten noch nicht einmal begonnen, sich mit IWRM auseinanderzusetzen – und benötigten Unterstützung von außerhalb.

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