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Dienstag, 23. Januar 2018

Raumfahrt

„Je erprobter die Trägerrakete, desto geringer die Prämie“

Von Iestyn Hartbrich | 11. März 2016 | Ausgabe 10

Viele Satellitenbetreiber meiden Starts mit brandneuen Raketen, weil die Versicherungskosten zu hoch sind. Gespräch mit Jan Schmidt, der beim Rückversicherer Swiss Re für das Raumfahrtgeschäft verantwortlich ist.

VDI nachrichten: Herr Schmidt, Sie versichern Satelliten und diese werden mit Trägerraketen in den Orbit transportiert. Für welche Rakete sind die Versicherungsprämien aktuell am niedrigsten?

Foto: Swiss Re

„Von allen kommerziellen Trägerraketen kommt die Ariane 5 am günstigsten weg, weil sie jahrelang unfallfrei geflogen ist.“ Jan Schmidt leitet das Raumfahrtgeschäft beim Rückversicherer Swiss Re.

Jan Schmidt: Von allen kommerziellen Trägerraketen kommt die Ariane 5 am günstigsten weg, weil sie jahrelang unfallfrei geflogen ist und deshalb erwiesenermaßen am zuverlässigsten ist. An die Prämien der Ariane 5 kommt sonst nur noch die US-amerikanische Atlas V heran.

Wie hoch sind die Prämien für Trägerraketen?

In der Regel liegen sie bei 6 % bis 15 % des Versicherungswertes. Je erprobter der Satellit und die Trägerrakete, desto geringer die Prämie.

Der Versicherungswert entspricht ...

… dem Wert der Satelliten zuzüglich dem Wert der Trägerrakete und Zusatzkosten. Die maximale Versicherungskapazität für einen Start liegt bei etwa 700 Mio. $ und wird – wenn überhaupt – bei der Ariane 5 ausgeschöpft, weil sie zwei Satelliten transportieren kann.

Derzeit entwickelt Airbus Defence and Space im Auftrag der Esa eine neue europäische Trägerrakete, die Ariane 6. Wie ändern sich die Versicherungsraten?

Zunächst steigen sie natürlich an. Für die ersten Starts der neuen Trägerrakete dürften sie bei einem Vielfachen der heutigen Prämien liegen.

Hat Arianespace, der Startdienstleister, der die Ariane vermarktet, einen Bonus durch die Zuverlässigkeit der Ariane 5?

Es gibt ganz klar einen Vertrauensvorschuss in Arianespace.

Wovon hängt der Kostenanstieg genau ab?

Sobald die endgültige Gestalt der Ariane 6 feststeht, führen wir eine Risikoanalyse durch. Insbesondere schauen wir darauf, welche Bauteile sich bereits im All bewährt haben, welche Weiterentwicklungen sind und welche völlig neu entwickelt wurden. Entscheidend wird auch die Frage sein, ob es einen Qualifikationsflug geben wird, bei dem ohne versicherte Nutzlast die Funktionsfähigkeit unter Beweis gestellt werden könnte. Die Prämie liegt definitiv höher, wenn gleich der erste Flug einen kommerziellen Satelliten in den Orbit bringen soll.

Heißt das, dass niemand seine Satelliten auf den ersten Trägerraketen unterbringen will, weil die Versicherungskosten zu hoch sind?

Es gibt genau diesen Effekt. Allerdings wirken die Betreiber – in diesem Fall Arianespace – dem entgegen, indem sie die ersten Starts günstiger anbieten. Der Wettbewerb ist durch das SpaceX-Modell Falcon 9 viel härter geworden.

Dem privaten US-Unternehmen SpaceX ist es als erstem Raketenbauer gelungen, eine Unterstufe nach einem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre sicher zu landen. Auch die Airbus-Raumfahrtsparte spricht für die Ariane 6 von zwei verschiedenen Arten der Wiederverwendbarkeit. Erhöhen sich dadurch Risiko und Prämie?

Da sämtliche Konzepte der Wiederwendbarkeit allenfalls in der Entwicklung stecken, ist es für mich zu früh, dazu etwas zu sagen.

Sie als Versicherer könnten in dieser Frage die entscheidende Rolle spielen, dann nämlich, wenn die Einsparungen durch die Wiederverwendbarkeit geringer sind als der Mehraufwand für Versicherungsprämien.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Raketenbauer und Startdienstleister Teile wiederverwenden, wenn sich feststellen lässt, dass sich damit die Zuverlässigkeit verringert. Wenn es keine technologisch bedingten Einsprüche gibt, wäre es im Sinne der Nachhaltigkeit wünschenswert, Trägerraketen – ganz oder in Teilen – wiederzuverwenden.

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