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Dienstag, 23. Januar 2018

Energie

Kenia baut für Wachstum auf Geothermie

Von Josephine Bollinger-Kanne | 4. Januar 2013 | Ausgabe 1

Edward Njoroge, Chef von KenGen, dem mehrheitlich staatlichen und größten Stromerzeuger in Kenia, erläutert im Gespräch mit VDI nachrichten, wie das Land seinen riesigen Energiebedarf auf dem Weg zum Schwellenland bis 2030 decken will. Basierend auf Geothermie als Hauptstromquelle plant Njoroge für die Zukunft sowohl mit Solarparks wie mit der Kernenergie, die ab 2018 eingeplant ist, um Lücken in der Stromerzeugung zu schließen.

Kenia baut für Wachstum auf Geothermie

VDI nachrichten: Welche Aufgabe ist für Ihr Unternehmen aktuell zentral?

Njoroge: 2003, als ich zum Unternehmen kam, hatten wir eine Kraftwerksleistung von 900 MW und 780 MW Spitzenbedarf im Land. Seitdem ist dieser auf 1300 MW gestiegen, was einer Wachstumsrate von 8 % im Jahr entspricht. Daher mussten wir zunächst das Angebot stabilisieren und haben in unserem Horizont 1 [Investitionsprogramm in Ökostromerzeugung, Anm. d. Red.] bis Ende 2012 das getan, was schnell zu erreichen war, das heißt Kraftwerke ausgebaut und verbessert.

So haben wir zum Beispiel die dritte Erzeugungseinheit des Geothermiekraftwerks Olkaria 2, das rund 90 km von Nairobi entfernt ist, in Betrieb genommen und unsere Wasserkraftwerkskapazität auf 812 MW erhöht. Derzeit verfügen wir über eine installierte Gesamtleistung von 1232 MW, die 80 % der Stromkapazitäten im Land ausmacht. Der Rest entfällt auf unabhängige Stromproduzenten. Jetzt starten wir Horizont 2. Das ist unsere Geothermiewachstumsphase. Von 2013 bis 2018 wollen wir 1500 MW installieren und unsere Erzeugungsleistung verdoppeln.

Steckbrief Edward Njoroge

Wie wollen Sie das schaffen und wieso mit Geothermie?

Geothermie ist Hauptbestandteil unseres Expansionsprogramms, weil bei uns im vulkanisch aktiven Rift Valley enorme Heißwasserdampfreservoirs mit 300° C ab 1000 m Tiefe lagern. Ihr Stromerzeugungspotenzial liegt schätzungsweise bei 10 000 MW. Anfänglich war die Erschließung der Dampfvorkommen teuer. In Kooperation mit der Geothermal Development Company (GDC) konnten wir jedoch die Kosten senken.

Unser Geothermiekraftwerk Olkaria 1 erzeugt seit den achtziger Jahren Strom. 158 MW haben wir in Olkaria am Netz. Seit Juli 2012 bauen wir dort zwei Kraftwerke zu je 140 MW. Sie sollen 2014 ans Netz gehen. Zugleich installieren wir mit der norwegischen Green Energy Group kleine Kraftwerke mit 14 mobilen Bohrlochgeneratoren zu je 5 MW, um den Dampf schon früher als bei großen Kraftwerken nutzen zu können. Für 560 MW haben wir eine Ausschreibung gestartet, um mit Investoren hierfür Gemeinschaftsunternehmen zu gründen.

Haben Sie auch Interesse, am neuen 150 km von Nairobi entfernten Geothermiestandort Menengai Kraftwerke zu errichten?

Ja, wir sind interessiert und haben für die Ausschreibung der GDC ein Angebot eingereicht. Wir reden da über 100 MW. In Menengai sind in der ersten Stufe 400 MW geplant. Die Dampffunde sind vielversprechend.

Wie wollen Sie mehr Strom erzeugen?

Wir schauen auch auf Kohle und haben mit der südkoreanischen Daewoo eine Partnerschaft geschlossen, um im Norden an der Küste in Kilifi ein Kohlekraftwerk mit zwei 300-MW-Blöcken zu bauen. Zudem planen wir 500-MW-Flüssigerdgaskraftwerke in Kipevu im Hafengebiet von Mombasa.

Woher sollen Gas und Kohle kommen? Erwarten Sie, dass Kenia in absehbarer Zeit selbst fördert?

Zunächst werden wir Importkohle aus Südafrika und Australien und LNG [LNG: liquefied natural gas, Flüssigerdgas, Anm. d. Red.] von Tansania und Mosambik nutzen. Die Exploration von Kohle und Erdgas in Kenia läuft, und wir hoffen auf Offshore-Gasvorkommen, weil Erdgas schneller und sauberer ist. KenGen ist für LNG bereit. Eine Machbarkeitsstudie haben wir schon durchgeführt und warten, dass die Regierung Anlagen zur Aufnahme von LNG auf den Weg bringt, die sich für importiertes und selbst gefördertes Erdgas nutzen lassen.

Wollen Sie sich noch am 300-MW-Windparkprojekt am Turkana-See beteiligen?

Nein, wir haben unser eigenes Projekt in Marsabit in Turkana ganz in der Nähe. Zugleich sind wir Betreiber des ersten Windparks im Land mit 5,6 MW an den Ngong-Bergen bei Nairobi. Um diesen bis 2014 um 20 MW auszubauen, haben wir mit Spaniens Iberdrola und der belgischen TPF-Econoler einen Vertrag.

Finanziert wird dies mit Krediten der spanischen und belgischen Regierung. Unser nächster Standort ist Isiolo, wo wir bis 2018 einen Windpark in zwei Stufen, zuerst 50 MW und später 100 MW bauen. Windmessungen zeigen in Marsabit und Isiolo Windgeschwindigkeiten von rund 10 m/s.

Wann haben Sie Ihr erstes großes Solarkraftwerk am Netz?

Standorte für Photovoltaik und Concentrated Solar Power (CSP) haben wir per Machbarkeitsstudie identifiziert. Unser Photovoltaik-10-MW-Pilotkraftwerk soll bis 2014 in Garissa entstehen. Die geotechnische Studie hierzu ist zum Jahresende fertig. Sie zeigt, was für Module, polykristallin oder Dünnschicht, angeraten sind. Baustart ist 2013.

Steht Kernkraft auf Ihrer Agenda im Horizont 3 nach 2018?

Um Kenias Vision, sich bis 2030 zum Schwellenland zu entwickeln, einzulösen, benötigen wir eine Stromerzeugungskapazität von 17 000 MW. 5000 MW sollen von der Geothermie kommen, 4000 MW von Kohlekraftwerken. 2000 MW können möglicherweise aus Äthiopien importiert werden. Mehr können Wasser-, Solar- und Windkraftwerke liefern.

In Summe ist da aber noch eine Lücke. Deswegen hat die Regierung Erzeugungsarten und Risikokosten angeschaut und zieht Kernkraft in Betracht, wenn eine Alternative ausfällt.

Laut Kostenplan haben wir 13 Jahre Zeit, bevor Kernkraftwerke im Plan sind, jedoch immer eingedenk: Pläne können sich ändern, wenn alle andere Alternativen einschließlich LNG hinreichend funktionieren.

Wird KenGen dann zum Kernkraftbetreiber?

Nicht unbedingt. Dies sollte ein separates Unternehmen sein, dass die Regierung zusammen mit erfahrenen Unternehmen aus Frankreich, Südkorea oder eben Russland einrichtet. Bei der Kernkraft gibt es immer ein Risiko, das wir entschärfen und managen müssen. Ich denke nicht, dass KenGen in der Position ist, ein Kernkraftwerk aufzubauen.

Im März 2013 sind Wahlen. Befürchten Sie, dass sich Stammesunruhen wie nach den letzten Präsidentschaftswahlen wiederholen?

Nein, ich bin überzeugt, die Probleme von 2008 kehren nicht wieder. Die Wahlen im März werden auf Basis der neuen Verfassung stattfinden. Wir brauchen Institutionen, die von einer zur nächsten Regierung übergehen. Ich denke, die Regierung wechselt, und die Institutionen bleiben. Ich habe da keine Furcht, auch nicht für KenGen. JOSEPHINE BOLLINGER-KANNE

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