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Mittwoch, 17. Januar 2018

Wirtschaft

Konjunktur: Kein Japan-Schock

Von Peter Schwarz/Rtr | 1. April 2011 | Ausgabe 13

Die Katastrophe in Japan und der Aufstand in der arabischen Welt belasten die Konjunktur. Das Geschäftsklima trübt sich ein. Dennoch bleiben Wirtschaftsforscher optimistisch.

"Deutschland im Aufschwung, den Wohlstand von morgen sichern" – unter diesem Motto stand der Jahreswirtschaftsbericht 2011, den Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüdele Mitte Januar stolz in Berlin präsentierte. Weiteres Wirtschaftswachstum, weniger Arbeitslose, steigende Löhne und Gehälter stellte der Minister den Deutschen für das laufende Jahr in Aussicht.

Zehn Wochen später hat das freundliche Konjunkturbild scheinbar Risse bekommen. Das Beben in Japan mit seinen Folgen erschüttert die konjunkturelle Zuversicht. "Erst die Krise in Arabien, dann der Ölpreis, jetzt Japan: Jede dieser Krisen einzeln wäre zu bewältigen, aber in dieser Konzentration könnte eine explosive Mischung entstehen, die den Aufschwung der Weltwirtschaft gefährdet", warnt der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar.

Tatsächlich hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft erstmals seit fast einem Jahr verschlechtert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank von 111,3 auf 111,1 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut vergangenen Freitag zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. Es war der erste Rückgang seit Mai 2010.

Unklar ist, wie die Verbraucher auf das Trommelfeuer aus Katastrophenmeldungen reagieren werden. In Krisen- und Kriegszeiten halten Menschen ihr Geld zusammen. Kein Wunder also, dass sich das Konsumklima leicht eingetrübt hat, wie das Forschungsinstitut GfK bekannt gab. Die Nürnberger Marktforscher erklären die Entwicklung mit einem "unsicherer gewordenen internationalen Umfeld" sowie wachsenden Inflationsängsten.

Schon jetzt ist die deutsche Ölrechnung kräftig gestiegen. Für den wichtigen Rohstoff zahlten Käufer zuletzt fast 40 % mehr als vor einem Jahr. Auch Erze und Metalle verteuerten sich deutlich. Eisenerz kostete rund 90 % mehr, Nickel 45 %, Rohkupfer 40 %.

Insgesamt mussten Importeure im Februar etwa 12 % mehr zahlen als vor einem Jahr, so das Statistische Bundesamt über die aktuelle Entwicklung der Importpreise.

In der Euro-Zone kletterte die Inflation auf den höchsten Stand seit rund zweieinhalb Jahren. Die deutschen Verbraucherpreise sind im März nach ersten Berechnungen um 2,1 % gestiegen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet will deshalb erstmals seit drei Jahren die Zinsen erhöhen. In Trippelschritten könnte die Notenbank den Leitzins bis Jahresende von derzeit 1 % auf 2 % anheben, spekulieren Ökonomen. Höhere Kreditkosten für Firmen wie Privatleute wären die Folge.

Trotz drohender Belastungen und vieler Risiken bleiben Konjunkturforscher jedoch optimistisch. Ein Grund: Die deutsche Wirtschaft hat einen prächtigen Start ins neue Jahr erwischt. Das Bruttoinlandsprodukt werde von Januar bis März voraussichtlich um 0,9 % zum Vorquartal zulegen, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch mit.

"Dominiert wird die Dynamik von starken Nachholeffekten in der Baubranche", hieß es. "So konnte das Bauhauptgewerbe im Januar um eindrucksvolle 36 % gegenüber dem Dezemberwert zulegen und damit den heftigen wetterbedingten Einbruch zu Winterbeginn mehr als wettmachen." Aber auch die Industrie liefere kräftige Impulse. Besonders die Bestellungen aus dem Inland hätten zugenommen.

Die Katastrophe in Japan werde nach derzeitigem Stand keine wesentlichen Auswirkungen auf die deutsche Konjunktur haben. DIW-Experte Ferdinand Fichtner: "Erfahrungsgemäß sind die Einflüsse von Naturkatastrophen auf die Weltwirtschaft gering. Die deutsche Exportwirtschaft sei robust und flexibel, eine wirtschaftliche Eintrübung unwahrscheinlich.

Gut möglich also, dass Rainer Brüderle mit seiner Prognose recht behält. Im Jahreswirtschaftsbericht hatte er für 2011 ein Wachstum von 2,3 % vorhergesagt. Manche Experten rechnen gar mit einem Plus von bis zu 3 %. PETER SCHWARZ/rtr

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